Die Sportler trennt nicht nur die Lebenserfahrung

61 Jahre trennen Karl-Heinz-Chrobok (links) und Annika Mankel. Die Diskusscheibe ist für beide aber gleich schwer.
61 Jahre trennen Karl-Heinz-Chrobok (links) und Annika Mankel. Die Diskusscheibe ist für beide aber gleich schwer.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
In Wetter und Herdecke machen viele Hobby-Athleten wieder ihr Sportabzeichen. Jung und Alt kommen zusammen, die Ziele sind verschieden.

Wetter..  Die Sonne lässt die rote Asche auf dem Sportplatz Oberwengern noch etwas heller strahlen. Es ist einer dieser ersten warmen Frühlingstage, der auch Annika Mankel auf die Anlage gelockt hat. Die 17-Jährige versucht sich gerade im Weitsprung und macht in unregelmäßigen Abständen weite Sätze in den sandigen Sprungkasten. Der 78-Jährige Karl-Heinz Chrobok beobachtet die Wetteranerin und gibt ihr etwas von seiner langjährigen Leichtathletik-Erfahrung ab. Nicht weit entfernt von den beiden wirft Alfred Sickel einen Schleuderball in die Luft. 85 Geburtstage hat der Rentner schon gefeiert.

Drei Sportler, getrennt durch viele Jahre Lebenserfahrung, trotzdem sind sie alle wegen des Sportabzeichens gekommen. Die Gründe hierfür sind aber verschieden.

Motivation

„Ich möchte mich bei der Polizei bewerben und brauche dafür das Sportabzeichen“, erklärt Annika Mankel ihren Grund. Eigentlich hatte sie mit dem Thema Leichtathletik bereits abgeschlossen: „Ich habe früher viel in dem Bereich gemacht, jetzt gehe ich aber nur noch ins Fitnessstudio.“ Alfred Sickel hat vor 25 Jahren überhaupt erst mit dem Sport begonnen. „Da bin ich Rentner geworden und wollte mir die Langeweile vertreiben“, so der 85-Jährige. Seitdem legt Sickel jedes Jahr sein Sportabzeichen in Gold ab. 25 hat er so schon gesammelt, Karl-Heinz Chrobok hat sogar 40 goldene Abzeichen im Schrank. „Ich hab einfach Freude am Sport“, sagt er: „Außerdem bleibt man so fit und schlank.“

Fitness

Alfred Sickel fühlt sich noch immer gut, doch ein paar Wehwehchen sind dazugekommen: „Bis vor drei Jahren war es noch leichter. Jetzt muss ich mich gewaltig anstrengen, auch weil die Anforderungen für das goldene Sportabzeichen gestiegen sind.“ Annika Mankel fällt das Sprungtraining mit ihren 17 Jahren dagegen nicht schwer. Wie gut sie ist, will ihr Karl-Heinz Chrobok aber noch nicht verraten: „So soll ich motiviert bleiben. Sobald ich fit genug bin, kann ich dann mein Abzeichen ablegen.“

Zukunft

Annika Mankel muss schmunzeln, als sie die Frage gestellt bekommt, ob sie sich auch vorstellen könnte, noch in vielen Jahren auf dem Sportplatz zu stehen? „Nein, für mich ist das Sportabzeichen eine einmalige Sache für die Ausbildung“, so die 17-Jährige. Sie hat andere Ziele und möchte erstmal eine gute Polizistin werden. Karl-Heinz Chrobok erzählt dann auch direkt vom fehlenden Nachwuchs: „Die Jugend quält sich nicht mehr so gerne.“ Alfred Sickel hat seine berufliche Laufbahn schon hinter sich gebracht. Er feilt nun an einem weiteren Sportabzeichen. „Es soll wieder ein goldenes werden. Der Ehrgeiz ist noch da.“

Und wer weiß, vielleicht treibt es Annika Mankel irgendwann auch wieder auf den Sportplatz. Wenn sie ihre Polizeikarriere beendet hat – und in die wohlverdiente Rente geht.