Die Schmerzen sind kaum auszuhalten

Herdecke..  Strom wirbelt durch den Körper wie ein Top-Manager durch ein insolventes Unternehmen. Für meinen 65 Kilo schweren Betrieb sollen jede Woche 20 Minuten EMS-Training reichen, um ein bisschen aufzuräumen. EMS steht für Elektrostimulationstraining, ein intensives Kräftigungsprogramm, bei dem Elektroden meine Fettpolster wegrationalisieren. Wenn sich der Strom eingearbeitet hat, dann lässt er die Muskeln in Armen, Beinen, Bauch und Rücken sogar expandieren. Doch so wie ein einzelner Arbeiter keinen ganzen Konzern umstrukturieren kann, lässt der Strom allein das Schokoladen-Bäuchlein nicht schmelzen. Es kommt auch auf die gesunde Ernährung an.

Mit diesen Gedanken starte ich meine zweite Trainingseinheit im Fitnessstudio More Energy in Herdecke. Doch Personal Trainer Kai Bühne verdirbt mir mit einem Knopfdruck den Appetit, indem er seinen schlauen Apparat ausrechnen lässt, wie alt mein Stoffwechsel ist. Das überrascht mich. Ich wusste weder, dass mein Stoffwechsel überhaupt ohne mich Geburtstag feiert, noch dass er mich inzwischen überrundet hat. Laut Maschine ist er mir sieben Jahre voraus. Eigentlich ein guter Grund, mal Einen auszugeben. Aber nicht heute. Heute schlüpfe ich zum zweiten Mal in meinem Leben in einen Elektro-Anzug, der Strom durch meine Muskeln schickt.

Nach der Trainings-Premiere vergangene Woche weiß ich inzwischen, dass mich alle paar Sekunden der gedankliche Griff in die Steckdose erwartet. „Du musst dich darauf einlassen“, sind die Worte von Personal Trainer Kai Bühne. Aber nach ein paar Minuten habe ich das Gefühl, ein Jedi-Ritter streift meinen Bauch mit seinem Laserschwert. Schlimmer können eigentlich nur die Wehen bei einer Zwillingsgeburt sein. Doch diese Schmerzen kann man immerhin mit einer guten Atemtechnik in den Griff bekommen. Beim Muskelkater nach dem Stromtraining funktioniert das leider nicht.