Die Peters-Geschwister heulen mit den Wölfen

Franziska und Corbinian Peters sind eingefleischte Fans des VfL Wolfsburg.
Franziska und Corbinian Peters sind eingefleischte Fans des VfL Wolfsburg.
Foto: Michael Schuh

Hohenlimburg..  Hä? Wie bitte? Die meisten Menschen vergewissern sich erst einmal, ob sie Corbinian Peters’ Antwort auf die Frage nach seinem Lieblings-Fußballverein richtig verstanden haben. Doch auch beim zweiten Mal sagt der 33-Jährige nichts anderes: „VfL Wolfsburg!“ Und das im Brustton der Überzeugung.

Als ehemaliger Holthauser und heutiger Hohenlimburger ist Peters der Prototyp eines Westfalen. Und die halten meist zum BVB oder zu Schalke, in einigen Fällen auch zu Klubs aus dem Süden der Republik oder dem Rheinland. Die Gruppe der westfälischen Wolfsburg-Fans dürfte indes handverlesen sein. Doch Corbinian Peters hat gute Gründe für seine etwas ausgefallen anmutenden Sympathien.

Irgendwann in den frühen 90iger-Jahren, Corbinian war kaum den Kinderschuhen entwachsen, sah er auf Schalke ein Spiel des S 04 gegen den VfL. Nach der Partie gelangte er in die Nähe der Aktiven; doch während die Schalker an ihm vorübergingen, blieb Wolfsburgs Mittelfeldspieler Chad Deering stehen und schenkte dem jungen Hohenlimburger sein Trikot. Der Grundstein für eine wohl lebenslange Leidenschaft war gelegt. Und dass sein Team ziemlich genau 20 Jahre später gegen den BVB den DFB-Pokal gewann, kann Gastronom Peters noch immer nicht so recht fassen: „Das ist das Geilste auf der Welt!“

In seinen Gefühlen für die Norddeutschen wurde er in der Saison 96/97 bestärkt, als Wolfsburg in die 1. Bundesliga aufstieg und sich dort fortan zu einer festen Größe mauserte. Jahrelang blieb er der einzige VfL-Anhänger in der Familie. Bis zum 17. Mai 2008, als er Karten für das Spiel des VfL beim BVB besaß und seine Schwester Franziska kurzerhand fragte: „Franzi, möchtest du mitkommen?“ Franzi tat wie geheißen, sah einen 4:2-Erfolg der Gäste, war ebenfalls vom Wolfsburg-Fieber erfasst und hält dem Klub bis heute die Treue. „Sie brennt für den Verein“, sagt Corbinian Peters – und man merkt, dass ein bisschen Stolz in der Stimme mitschwingt. „Jetzt sind wir zwar immer noch wenige, aber aus unserer Sicht viele.“

Auch Franziska lässt sich vom Unverständnis anderer Fußballfans ob ihrer Liebe zum VfL nicht beeinflussen. Vielmehr lacht sie über die Reaktionen, die ihr entgegenschlagen: „Die Leute haben mich schon erstaunt gefragt: ‘Wie kommst du denn dazu?’“ Ihr Bruder hat sich im Laufe der Jahre sogar noch härtere Sprüche anhören müssen: „Zu mir hat schon mal jemand gesagt: ‘Ist da irgendwas schief gelaufen in deiner Jugend?’“ Er erzählt’s – und hat jede Menge Spaß dabei.

Der Hohenlimburger ist nicht nur Mitglied des Vereins, sondern hat seit den 90iger-Jahren auch zahlreiche Spiele – unter anderem in Gladbach, Köln, Dortmund, Gelsenkirchen und natürlich in Wolfsburg – live miterlebt. Voll des Lobes spricht er über die Partien in Niedersachsen. „Da kann ich meine beiden Söhne Justin und Konstantin Nikolaus ruhig mitnehmen – ein Gewaltpotenzial gibt es bei den Fans eigentlich gar nicht.“ Und seine 26-jährige Schwester fügt hinzu: „Im Gegensatz zu Dortmund oder Schalke.“

In nunmehr 20 Jahren durfte Peters miterleben, wie Wolfsburg aufstieg, zu einer festen Größe in der Bundesliga und 2009 schließlich sogar Deutscher Meister wurde. Den Pokalsieg gegen Borussia Dortmund vor fünf Wochen erlebten Franziska und er in Berlin. Für ihn ein überaus bewegender Moment: „Ich habe weinend im Olympiastadion gesessen.“

Die Partien der Wolfsburger kann er als Gastronom trotz eines Sky-Abonnements nicht komplett am Fernseher verfolgen. „Normalerweise gucken wir in meiner Kneipe die Konferenz, da ja immer auch Gladbach-, Schalke-, Bayern- oder Dortmund-Fans da sind.“ Als Wirt muss man eben Rücksicht auf die Gäste nehmen.

Und was prophezeit der VfL-Experte für die Zukunft? „Mit Gladbach und Wolfsburg werden die Bayern in der nächsten Saison ein Problem haben. Unter Guardiola sind die nicht mehr so souverän wie zuvor.“ Nach einer kurzen Pause wagt er eine ziemlich optimistische Prognose: „Wolfsburgs Meisterschaft ist realistisch!“ Schwester Franziska nickt zustimmend.