Der Sportabzeichen-auf-den-Weg-Bringer

Vertrautes Papier: Wetters Sportabzeichen-Obmann Johann Czernik mit einer Einzelprüfkarte. Rund 3000 dieser Ergebnisbögen sind in den vergangenen vier Jahren durch seine Hände gegangen.
Vertrautes Papier: Wetters Sportabzeichen-Obmann Johann Czernik mit einer Einzelprüfkarte. Rund 3000 dieser Ergebnisbögen sind in den vergangenen vier Jahren durch seine Hände gegangen.
Foto: Thorsten Langenbahn
  • Rund 3000 Einzelprüfkarten hat Johann Czernik in den vergangenen drei Jahren digital erfasst
  • Ende des Jahres hört der 58-Jährige als Sportabzeichen-Obmann für Wetter auf
  • Stadtverband für Leibesübungen (SfL) auf der Suche nach einem Nachfolger

Wetter..  Rund 3000 Einzelprüfkarten hat Johann Czernik in den vergangenen drei Jahren digital erfasst. Hinter jeder Karte steckt eine sportliche Leistung. Eine? Mehrere. Auf jeder Karte steht jeweils ein Ergebnis der Kategorien Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. Macht 12 000 Einzelergebnisse.

„In den vier Jahren habe ich circa 3000 Sportabzeichen auf den Weg gebracht“, sagt Johann Czernik über seine Tätigkeit als Sportabzeichen-Obmann für Wetter. „Ich habe das immer gerne gemacht. Wenn die Sportler ihre Urkunde und das Ergebnis kriegen, freuen sie sich – und ich freue mich auch“, so der 58-Jährige. Noch bis Ende des Jahres wird er die letzten Einzelprüfkarten daheim Am Wilshause in seinen Rechner eintippen. Dann ist Schluss.

„Die Zeit war schön, aber nun ist es gut“, sagt der Mann von Angelika und Vater zweier Töchter, Linda (25) und Jana (21). Über einen Bericht in unserer Zeitung war er 2013 zu der ehrenamtlichen Tätigkeit beim Stadtverband für Leibesübungen (SfL) Wetter gekommen. Als Informatiker bei Aral in Bochum hatte er seinerzeit gerade den Vorruhestand eingeläutet. „Ich wollte mich ehrenamtlich engagieren. Und da ich selber sportinteressiert bin und auch gerne Sport mache, dachte ich, das könnte passen“, sagt der passionierte Marathonläufer und frühere Basketballer. Es passte. „Was mir gefiel: Es steht kein fester Termin dahinter. Man ist flexibel, hat keinen Zeitdruck.“ Normalerweise. Ausnahmen bestätigen schließlich die Regel.

So wie bei den Polizeianwärtern. „Die stellen dann beim Abitur im Juni fest, dass sie für ihre Bewerbung im August das Sportabzeichen brauchen. Das soll dann am besten innerhalb von drei Tagen geschehen“, sagt Czernik und schüttel gutmütig lächelnd den Kopf. Er hat es stets rechtzeitig möglich gemacht.

Turbo-Urkunde für GSG-Hausmeister

So wie im Fall von Roberto Garrido. Dienstags meldete sich das Geschwister-Scholl-Gymnasium, dass der langjährige Hausmeister freitags verabschiedet werde – und dabei feierlich seine Sportabzeichen-Urkunde überreicht bekommen sollte. Johann Czernik griff zum Telefon, rief Dagmar Möllers vom Kreissportbund an, brachte die Urkunde auf den Weg. Drei Tage später stand Roberto Garrido glücklich auf der Bühne, die Urkunde und das Sportabzeichen in seinen Händen.

Besonders Spaß macht Johann Czernik bei seiner Tätigkeit der Kontakt zu anderen Sportlern und Ehrenamtlichen. „Ich habe sehr viele Leute kennen gelernt. Ob beim SfL, beim KSB, die Sportlehrer an fast allen Schulen oder die anderen Obleute im Ennepe-Ruhr-Kreis“, sagt Czernik. Als Obmann ist er für die Erfassung der Kinder zuständig, die Erwachsenen werden vom KSB selbst erfasst.

Apropos selbst: Das Sportabzeichen hatte Czernik zuvor nur einmal abgelegt: 1978 als 20-Jähriger bei der Bundeswehr. Als Obmann kam er dann nicht drumherum. Erst vor zwei Wochen absolvierte er es auf dem Sportplatz an der Köhlerwaldstraße. „Ich habe es mir etwas leichter gemacht“, gibt Czernik zu. Für die Ausdauerdisziplin legte er seine Urkunde über 10 Kilometer beim Herdecker Citylauf vor. Dazu wählte er den Standweitsprung (Kategorie Kraft), 50 Meter Sprint (Schnelligkeit) und das Seilspringen (Koordination) – was im Endeffekt sein viertes Abzeichen in Gold bedeutete.

Doch er wird dem Sportabzeichen auch ohne „Obmann“ treu bleiben. „Dann ist es für mich das fünfte. Das mache ich auf jeden Fall“, sagt der Wetteraner. Es sei ihm nicht leicht gefallen, seinen Amtsverzicht den bisherigen Partnern mitzuteilen. „Aber das Schöne am Ehrenamt ist doch, dass man selbst bestimmt, was man macht und wie lange“, findet Czernik. Er hofft, dass sich bald ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin findet – um die Einzelprüfkarten auch künftig in guten Händen zu wissen.