Der Ehrgeiz treibt Günter Sturm in seinem Leben an

Günter Sturm im Trikot des TuS Wellinghofen in der Westfalenhalle in Dortmund. Das Bild erschien in den Ruhr Nachrichten.
Günter Sturm im Trikot des TuS Wellinghofen in der Westfalenhalle in Dortmund. Das Bild erschien in den Ruhr Nachrichten.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Herdecker spielte früher mit dem TuS Wellinghofen in der Handball-Bundesliga. Heute gibt er auf dem Tennisplatz des TuS Ende alles.

Ende..  Wenn Günter Sturm von seinem bewegten Leben erzählt, merkt man schnell, dass der Sport ein fester Bestandteil seiner Geschichte ist. Auf seinem Küchentisch liegen zahlreiche Zeitungsartikel und Schwarz-Weiß-Bilder, die den jungen Sturm beim Handballspielen zeigen. Denn der mittlerweile 75-Jährige kann auf eine tolle Sportkarriere zurückblicken, in der er sogar die Deutsche Handballmeisterschaft feiern konnte. Nun spielt er Tennis beim TuS Ende. Der Ehrgeiz ist geblieben. „Sport ist mein Leben“, sagt Sturm und ergänzt schmunzelnd: „Meine Familie sagt über mich: Erst kam der Sport, dann kamen wir.“

Der Weg nach Herdecke beginnt für Günter Sturm vor vielen Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg flieht er gemeinsam mit seiner Familie in die Nähe von Magdeburg. Jahre später wird sein Vater aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Dieser findet erst in Schleswig-Holstein, dann in Hagen und später in Dortmund eine Arbeitsstelle. Die Familie zieht immer mit.

Eine Heimat findet Sturm im Sport. In Hagen fängt er mit dem Handball an. Damals wird noch draußen auf einem Sportplatz gespielt. Sturm hat Talent und vor allem Ehrgeiz. Mit dem Umzug nach Dortmund fängt er auch mit der Leichtathletik an. Sein Ziel: eine gute Zeit über 1500 Meter. Dafür trainiert er hart. „Ich wollte unbedingt etwas im Sport erreichen“, erzählt Sturm heute.

Dies schafft er aber nicht in der Leichtathletik sondern im Handball, für den er sich letztendlich entscheidet. Mit dem PSV Dortmund steht er 1961 im Endspiel der Westfalenmeisterschaft. Drei Jahre später wechselt er zum TuS Wellinghofen und wird direkt Deutscher Meister: „Ich war allerdings nur im Kader, da ich erst 14 Tage vorher zu dem Verein gewechselt bin.“

Mit Wellinghofen misst Sturm sich in der Bundesliga unter anderem mit Kiel und Gummersbach. Geld bekommt er keins. „Heutzutage wäre ich wohl Profi, damals bekamen wir nur Trikots und Anzüge.“

1970 zieht er nach Italien

Und da Günter Sturm auch Geld verdienen muss, zieht es ihn 1970 beruflich nach Italien. Dort arbeitet er als kaufmännischer Direktor. Vier Jahre später kehrt er zurück und findet mit seiner Frau eine neue Heimat in Herdecke. Der Sport begleitet ihn in dieser Zeit. In Italien spielt Sturm Handball beim Cus Milano, in Deutschland wechselt er wieder nach Wellinghofen. Später wirft er die Bälle sogar für Borussia Dortmund.

Doch langsam wird in Günter Sturm auch die Leidenschaft für kleinere Bälle geweckt, die man mit einem Schläger über ein Netz befördert. 1985 gründet sich die Tennisabteilung des TuS Ende. Günter Sturm wird gemeinsam mit seiner Frau Mitglied: „Wir haben erstmal ohne Ambitionen angefangen.“

Nachdem die Immobilienbranche, in der er arbeitet, in Deutschland schwächelt, kauft das Ehepaar Sturm ein Appartementhaus auf Mallorca und zieht 1987 auf die Insel. Die beiden Kinder bleiben in Deutschland.

Auf Mallorca leben die Sturms bis zum Jahr 2001, anschließend pendeln beide für zehn Jahre zwischen Mallorca und Herdecke. „In dieser Zeit habe ich ganz intensiv Tennis gespielt“, erklärt Sturm. Denn Sport ohne Ambitionen, das geht bei dem 75-Jährigen nicht.

Mittlerweile lebt Günter Sturm mit seiner Frau nur noch in Herdecke. „Man ist hier schnell im Grünen und das Vereinsleben ist toll. Das schöne Wetter auf Mallorca fehlt uns aber.“

Beim TuS Ende spielt er nun mit den Herren 70 in der zweithöchsten Liga. „Früher wollte mein Vater, dass ich Musikunterricht nehme. Doch das hat mir nie Spaß gemacht“, erklärt Sturm. Er wollte schon immer Sport treiben. „Tennis ist nun meine zweite Leidenschaft. Das spiele ich, solange ich noch kann.“