Den Oeger Turnern fällt ein Stein vom Herzen

Astrid Jonassohn (links) trainiert die Tanzgruppe des TuS Oege.
Astrid Jonassohn (links) trainiert die Tanzgruppe des TuS Oege.
Foto: Michael Schuh

Hohenlimburg..  Die Gerüchteküche brodelte in den vergangenen Wochen; seither ging bei den Turnern des TuS Oege die Angst um. Nach den Sommerferien, so wurde kolportiert, soll – im Zuge der Auflösung der Pestalozzischule – auch die dazugehörige Sporthalle leergezogen werden. Eine Spedition sei bereits beauftragt, die dort gelagerten Sportgeräte abzuholen. Doch nun gibt es Entwarnung. „An dem Gerücht ist nichts dran“, sagt Karsten-Thilo Raab, Sprecher der Stadt Hagen, „es existieren keinerlei Pläne, die Halle leerzuräumen oder zu schließen.“

„Mir fällt ein Stein vom Herzen“, kommentiert Astrid Jonassohn die Nachricht aus der Verwaltung. Eine verständliche Reaktion, denn die Ur-Oegerin hat einen großen Teil ihres Lebens in eben jener Pestalozzi-Halle verbracht. 1952, im zarten Alter von vier Jahren, stieß Astrid Jonassohn zum TuS und turnte fortan in der Oeger Halle. Als 14-Jährige wurde sie zur Gruppenhelferin befördert, mit 18 erwarb sie den Übungsleiterschein und trainierte seither ganze Generationen von Turnern. „Die Halle ist so etwas wie meine zweite Heimat“, sagt die 62-Jährige – und das klingt aus ihrem Mund in keiner Weise übertrieben. „Zu meinen Glanztagen war ich an vier Tagen in der Woche hier.“

Als das Gerücht umging, ihr zweites Zuhause werde in naher Zukunft dicht gemacht, „da war ich schon sehr beunruhigt.“ Nichtsdestotrotz behielt sie einen kühlen Kopf und erstellte gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Turnabteilung eine Liste, welche dort gelagerten Geräte Eigentum des Vereins sind. Auf diese Turnutensilien wie Böcke oder Kästen schrieben die Verantwortlichen dann gut sichtbar „TuS Oege“, denn sie befürchteten, dass auch die vereinseigenen Geräte ansonsten auf Nimmerwiedersehen verschwunden wären.

Mehr als nur ein Ort fürs Training

Gerd Schaarschmidt drückt seine Erleichterung über den Erhalt der Sportstätte in nur drei Worten aus: „Ich freue mich.“ Denn auch für den 52-Jährigen ist die Pestalozzihalle mehr als nur ein gewöhnlicher Ort fürs Training. Als Kind kam er zum Turnen, inzwischen coacht er den Nachwuchs seit mehr als drei Jahrzehnten und hat mit seinen Schützlingen schon ungezählte Medaillen bei Meisterschaften gewonnen. „In anderen Sportarten hat sich in der Vergangenheit sicherlich einiges geändert, aber gerade bei den Turnern ist das Vereinsleben noch ungemein bodenständig“, weiß Schaarschmidt. „Und um das beizubehalten, brauchen wir Oeger einfach die Halle der Pestalozzischule.“

Rund 100 Mitglieder zählt die Turnabteilung des TuS; der jüngste Aktive ist zwei Jahre alt, der älteste Turner – Oskar Zawade – trainiert auch mit 84 Jahren noch jeden Montag.

Mit ihren 22 Jahren liegt Alexandra Kähler im mittleren Alterssegment. Die Turnerin und Tänzerin ist sich sicher: „Sollte die Halle der Pestalozzischule irgendwann einmal geschlossen werden, dann wäre auch die Turnabteilung des TuS Oege tot.“