„Beim Fußball fehlen mir heute die Typen“

Uwe Vorberg aus Hohenlimburg ist Fan von Bayer 04 Leverkusen.
Uwe Vorberg aus Hohenlimburg ist Fan von Bayer 04 Leverkusen.
Foto: Mark Sonneborn

Hohenlimburg..  „Heutzutage fehlen mir beim Fußball die Typen. Bei Interviews wird doch genau aufgepasst, was gesagt wird. Frei Schnauze redet heute niemand mehr“, beklagt Uwe Vorberg. Durch einen echten Typen wurde Vorberg Fan von Bayer Leverkusen. „Ich bin wegen Reiner Calmund Fan geworden. Damals war ich 18 oder 19“, erinnert sich der heute 42-jährige Hohenlimburger.

Der Funke für den Rheinland-Verein sprang über, als er Calmund in einem Interview erlebte und begeistert war von dessen direkter Art. „Ich habe damals mein erstes Auto in Leverkusen angemeldet, so begeistert war ich von dem Verein. Möglich war das, weil mein Bruder dort wohnte. Der Calmund konnte wenigstens mal auf den Tisch hauen“, erklärt der Fußballfan, der es heute, mehr als 20 Jahre später, deutlich ruhiger angehen lässt. Eine Dauerkarte hatte er nie, und so richtig öffentlich hat er die Liebe auch nicht gemacht. „’Was willst du denn bei Vizekusen?’, musste ich mir schon einige Male anhören“, so Vorberg. Daher war er auch nicht wirklich oft bei den Bayer-Heimspielen – das erste Mal mit 17 oder 18. „Es wollte ja nie jemand mit. Vier- bis fünfmal war ich vielleicht dort. Ein Auswärtsspiel habe ich aber nie gesehen.“

Herz schlägt für West-Fußball

Mittlerweile ist die Liebe für den Werksverein etwas abgekühlt. „Ich bin heute mehr Symphatisant als Fan.“ Sein Herz schlägt für den Fußball des Westens. Immerhin führte ihn der erste Stadionbesuch mit zwölf Jahren in den Dortmunder Fußballtempel. Sein Herz schlug fortan zwar nicht für Schwarz-Gelb, aber das Interesse an spannenden Spielen vor Live-Kulisse war nun da. Heute sagt Vorberg: „Ich schaue mir lieber ein wirklich gutes Spiel in Dortmund an, als ein schlechtes in Leverkusen. Ich freue mich für die Vereinsmannschaften in NRW.“

Meistens aber verfolgt er die Fußballspiele vor dem Fernseher. Das Leverkusen-Trikot aus der Saison 2000/2001 lag lange Zeit tief hinten im Kleiderschrank. Nun hat er es noch mal hervorgekramt und konnte berichten: „Es passt sogar noch!“ Eine Nummer oder gar ein Name stehen nicht hinten drauf.

Nie einem Spieler nachgeeifert

„Ich habe nie einem bestimmten Spieler nachgeeifert.“ Doch wenn Namen wie Völler, Kirsten, Thom, Ballack oder Schuster fallen, dann leuchten Vorbergs Augen. Das eben sind die Typen, die ihm heute im Fußball fehlen.

Fragt man den Hohenlimburger nach schönen Erinnerungen, die er mit dem Fußball in Verbindung bringt, dann kommt wieder der BVB ins Gespräch: „Letztens sind wir in Dortmund an der Mannschaft vorbeigekommen, die gerade in den Bus steigen wollte. Das war toll, die Spieler so nah zu erleben, sogar mit ihnen reden zu können.“ Bei Leverkusen sind es oft weniger erfreuliche Erinnerungen. Wer Fan der Werkself ist, der ist nicht gerade erfolgsverwöhnt. Der Spitzname „Vizekusen“ kommt nicht von ungefähr. Nach dem UEFA-Cup-Sieg 1988 und dem DFB-Pokal-Erfolg 1993 waren es in erster Linie fünf Vizemeisterschaften, mit denen sich Bayer 04 hervortat. „Man gewöhnt sich an alles, auch an die Vizemeisterschaften“, nimmt es Vorberg mittlerweile völlig gelassen.