Bei Colleges und Erstligisten im Fokus

Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen..  Mit dem deutschen U16-Team gewann Leonie Schütter im Sommer letzten Jahres die B-Europameisterschaft und stieg in die A-Gruppe auf. Am Rande eines Basketball-Damen-Länderspiels in Hagen wurde die 16-Jährige vom Deutschen Basketball Bund als beste Spielerin der weiblichen Nachwuchs-Bundesliga ausgezeichnet. In der aktuellen WNBL-Saison erzielte sie beim knappen 62:61-Jahresabschluss-Sieg in Herne 40 Punkte und auch beim 75:65-Erfolg in Berlin-Zehlendorf, mit dem Damen-Zweitligist Phoenix Hagen Ladies in die Weihnachtspause ging, war die junge Flügelspielerin aus Velbert-Neviges mit 18 Zählern schon Topscorerin. Im Jahr 2014 schrieb Leonie Schütter nicht nur eine, sondern etliche Erfolgsgeschichten.

Mit dem Prolog wurde 2008 begonnen. Als Zehnjährige startete Leonie, die einen Zwillingsbruder hat, ihre Basketball-Laufbahn beim TB Wülfrath. „Anfangs hat sie hauptsächlich mit Jungen gespielt“, berichtet Mutter Anja, „und als sie später zu den Mädchen kam, waren die Mitspielerinnen meist zwei, drei Jahre älter.“ Leonie Schütter behauptete sich so gut, dass ihr Vereinstrainer darauf drängte, sie doch einmal zu einer WBV-Sichtung zu schicken. Diese wurde von Marsha Owusu Gyamfi geleitet, früher Trainerin beim TSV Hagen 1860 und dem SV Haspe 70. Die junge Wülfratherin wurde in den 97er-Kader des Westdeutschen Basketball-Verbandes aufgenommen, obwohl sie Jahrgang 1998 ist.

„Leos“ Talent war so offensichtlich, dass WBV-Trainer Michael Kasch anregte, sie zu einem leistungsstärkeren Verein zu schicken, um ihre Weiterentwicklung zu fördern. So landete sie im zweiten U13-Jahr beim TSV Hagen 1860. Zuerst im U15-NRW-Liga-Team von Angelika Beier-Witt, bald auch schon im WNBL-Kader der U17-Bundesliga-Mannschaft. Bereits 2012, als die TSV-Truppe als deutscher Vizemeister denkbar unglücklich am Titel vorbeischrammte, gehörte Leonie Schütter zum Personal. Ein Jahr später gelang dann in Osnabrück der große Wurf. Leonie war 15 – und deutsche U17-Meisterin.

„Sie hat eine gute Antizipationsfähigkeit, einen sehr guten Wurf, ist Linkshänderin, kann aber beidhändig abschließen“, zählt Tobit Schneider, damals wie heute bei Zweitligist Phoenix Ladies ihr Trainer, die Qualitäten der U16-B-Europameisterin auf, die inzwischen zum deutschen U18-Kader gehört. „Charakterlich ist sie unkompliziert, eher ruhig, jemand, der keine Portion Extra-Zuwendung braucht.“

Diese wird Leonie Schütter am kommenden Montag aber sicher von vielen Seiten erfahren: Am 5. Januar wird sie 17 Jahre alt. Den Führerschein hat sie bereits erworben, als Auswahlspielerin darf sie im Gegensatz zu den meisten Gleichaltrigen gleich alleine fahren – wenn ihr Status anerkannt wird. Bis jetzt spielen die Eltern „Taxi“ - meist dreimal pro Woche von Neviges nach Hagen und zurück. Zusammen rund 70 Kilometer. Wenn es zeitlich passt, trainiert Leo erst mit dem U17-Team des TSV, um dann die abendliche Einheit mit den Ladies dranzuhängen. „In der U17 muss ich mehr Verantwortung übernehmen als bei den Ladies, wo auch noch andere da sind“, umreißt die Flügelspielerin ihre Rolle in den beiden Mannschaften.

Mit den Zweitliga-Damen will Leonie Schütter den Klassenerhalt schaffen. „In der WNBL sollte das Top4-Turnier schon drin sein“, sagt die Topscorerin. Auch ohne ihre U16-Nationalmannschaftskollegin Sarah Lückenotte, die sich kurz vor Saisonbeginn einen Kreuzbandriss zuzog. „Sie soll erst einmal sehen, dass sie ihr Knie wieder hinbekommt“, hält sich Leonie mit einer Prognose hinsichtlich der Comeback-Chancen der verletzten Aufbauspielerin in der Saisonendphase zurück.

Und wie sieht es mit den eigenen Zukunftsplänen aus? „Ich fühle mich in Hagen sehr wohl“, denkt die (fast) 17-Jährige noch nicht an Abschied, auch wenn sie kein Geheimnis daraus macht: „Mein Ziel ist die 1. Bundesliga.“

„Eigentlich ist es so geplant, dass Leonie hier bleibt, bis sie 2016 das Abitur macht“, verrät Anja Schütter. Ihre Tochter besucht ein Berufskolleg in Mettmann mit dem Schwerpunkt „Sport und Gesundheit“. Drei Praktika mit Didaktik, Methodik und Lehrproben sind dabei zu absolvieren. Das erste hat sie bei den U13-Korbjägerinnen des TSV 1860 gemacht, das zweite im Bereich Seniorengymnastik. In Planung ist, dass sie das dritte Praktikum bei den Hagener Unified-Basketballern absolviert.

„Es gibt schon Anfragen von Erstligisten, auch von US-Colleges“, verrät Mutter Anja. „Vielleicht kann Leonie nächste Saison ja mit Doppellizenz in die 1. Liga hineinschnuppern.“ Infrage kommen im Westen Herne und Oberhausen. Und natürlich müsse man auch abwarten, ob es bei Phoenix mit Zweitliga-Damenbasketball weitergeht. Dass die sportliche Seite dieser Frage mit „Ja“ beantwortet wird, dafür will Leonie Schütter, sofern sie gesund bleibt, nach besten Kräften sorgen.