Auf Offensive können sich Emster verlassen

Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen..  Blicken wir zwei Jahre zurück: Zur Winterpause der Handball-Bezirksligasaison 2012/13 war Trainer Jörg Walter bei Grün-Weiß Emst ein halbes Jahr im Amt. Mit seiner jungen, neu zusammengestellten Truppe hatte er in zwölf Spielen nur zwei Mal verloren – schon zum Jahreswechsel tummelten sich die Emster damals im Feld der Aufstiegsaspiranten. Am Ende der Saison gelang den Grün-Weißen das Meisterstück, das ihnen kaum jemand zugetraut hatte. Nun, zwei Jahre und eine erfolgloses Landesliga-Erfahrung später, das große Déjà-vu-Erlebnis:Wieder haben die Emster eine junge Mannschaft zusammen, wieder stehen sie oben und wieder ist der Aufstieg machbar. Punktgleich mit der Reserve von Siegen-Eiserfeld und Attendorn/Ennest führen sie die Bezirksliga-Tabelle an.

Vor zwei Jahren galten Wetter oder Letmathe als die großen Aufstiegsfavoriten - in dieser Saison haben die Emster nicht mehr das Glück, sich hinter anderen, vermeintlich stärkeren Teams zu verstecken. Und das hat einen simplen Grund. „Die Bezirksliga ist einfach nicht mehr so stark wie vor zwei Jahren“, weiß Walter, der trotz der sehr ordentlichen Punktausbeute seiner Jungs - 17 Zähler aus elf Spielen, dabei sieben Siege und drei Unentschieden – nicht hundertprozentig zufrieden ist. „Sicherlich stehen wir in der Tabelle etwas besser da als erwartet“, erklärt Walter, „doch vor allem die mangelnde Trainingsbeteiligung gefällt mir nicht.“ Seine Kritik: Nicht für jeden seiner Spieler steht der Handball-Sport ganz oben auf der Prioritätenliste.

Daher sei es keine Überraschung, dass die Emster nicht so eingespielt sind wie vor zwei Jahren. Zudem mussten sie vor Saisonbeginn einige Abgänge verkraften, aufgefangen wurden diese ausnahmslos aus dem eigenen Stall. Dabei konnten die Walter-Jungs auch in dieser Spielzeit schon spielerische Highlights setzten, etwa bei den überzeugenden Erfolgen gegen Letmathe (40:33) und Lüdenscheid II (39:29). Den Heimnimbus wie in der vorletzten Saison, als die Emster all ihre Heimspiele gewinnen konnten, haben sie aber ein Stück weit verloren: Zuletzt gegen Aufsteiger TuRa/Halden (33:33) oder auch zuvor gegen die Reserve von Siegen (28:28) reichte es „nur“ zu Remis. Dafür haben sich die Grün-Weißen auswärts etwas stabilisiert: Lediglich in Bösperde (Walter: „Da werden auch noch andere Mannschaften Punkte lassen.“) blieb man ohne Punkte. Nichts desto trotz: „Zuhause fühlen wir uns wohler und sind einfach eine Klasse besser.“

Das Wichtigste sei nun, so Walter, realistisch zu bleiben und der jungen Truppe Zeit zu geben. „Ich will das Team weiter formen.“ Entwicklungspotenziale gibt es genügend. Sowohl individuell als auch im Kollektiv. Die Spielzüge müssen noch verfeinert werden und auch defensiv will Walter endlich mehr Stabilität reinbekommen. Mit 319 Gegentoren stellen die Hagener die viertschlechteste Abwehr der Liga. „Das ist sicherlich eine Kopfsache. Wir haben eigentlich ein paar Spieler, die durchaus verteidigen können“, so Emsts Übungsleiter. Ein plausibler Grund dafür, warum die Emster defensiv nicht immer voll zupacken, ist sicherlich ihre Offensive: Auf die können sie sich nämlich verlassen. 370 Tore in elf Spielen, durchschnittlich also über 33 Tore pro Spiel – eine so zuverlässige Tormaschine hat keine andere Mannschaft in der Bezirksliga. Auf Platz zwei der meist geworfenen Tore steht Attendorn mit 337 Treffern – ganze 33 Tore weniger!

Am Anfang der Karriere

Eine Zukunft hat diese Mannschaft auf alle Fälle. Spieler wie Lennart Bulk oder Jasper Kruse, die beide noch in der A-Jugend spielen dürfen, oder Steve Hesse, den Walter in die erste Mannschaft holen will, haben Potenzial. Und auch viele andere Spieler sind noch ganz am Anfang ihrer sportlichen Laufbahn. Vor allem sind es Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Sie verkörpern das „Emster Gesicht.“ Genau wie vor zwei Jahren. Vielleicht gibt es ja auch im Sommer wieder ein großes Déjà-Vu - mit einer erneuten Aufstiegsfeier.

Aus Emster Sicht dürfte der Wiederholungseffekt dann aber sein Ende nehmen. Sonst stünden sie übernächste Saison ja wieder in der Bezirksliga…