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Auf Augenhöhe mit „Zocker“ Burtschi

11.11.2012 | 19:40 Uhr
Auf Augenhöhe mit „Zocker“ Burtschi
Abe Lodwick setzte die Anweisungen von Phoenix-Trainer Ingo Freyer in Bremerhaven gut um.Foto: Jörg Laube

Bremerhaven/Hagen. Wie es sich anfühlt, bei den Hagener Fans zum Publikumsliebling zu werden, konnte Abe Lodwick nach der Schlusssirene in Bremerhaven studieren. Mit den Teamkollegen von Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen hatte sich der 24-jährige US-Flügelcenter gerade von den mitgereisten Anhängern verabschiedet und strebte der Kabine zu, da baten diese seinen Vor-Vorgänger zum Tänzchen. „Burtschi ist ein Hagener“, sangen die gut 100 „Firebirds“ und „Tornados“ – und der angesprochene Jacob Burtschi kam in den Gäste-Block. Auch wenn er als Kapitän der Eisbären Bremerhaven gerade maßgeblich zur 87:97-Niederlage seines ehemaligen Teams beigetragen hatte. An Abe Lodwick hatte dies indes am wenigsten gelegen.

„Wenn der Gegner so gut wirft, ist es sehr schwer zu gewinnen“, verwies Lodwick auf die hohe Trefferquote der Gastgeber, die – allen voran eben jener Burtschi - sieben ihrer neun Dreipunktwürfe verwandelten: „Wir dagegen haben leider nicht so gut geschossen.“ Das betraf genau genommen eher seine Teamkollegen auf den kleineren Positionen, denn Lodwick hatte jeden zweiten Wurf aus der Distanz getroffen und mit 20 Punkten seinen bisherigen Saisonbestwert aufgelegt. Dennoch präsentierte sich der 2,01-m-Mann in der Analyse so uneigennützig wie zuvor auf dem Spielfeld: „Als Team haben wir recht gut gespielt.“ Was bei näherer Betrachtung sicher nicht auf jeden seiner Mitspieler zutraf, die es in der Offensive gerade im Schlussviertel bisweilen zu sehr mit dem Kopf durch die Wand versuchten.

In seinem ersten Profijahr ist College-Absolvent Lodwick, der von den Washington State Cougars zu Phoenix kam, dagegen ein echter Teamspieler. Und agiert auf seiner Position bisher erheblich konstanter als etwa der weit erfahrenere Adam Hess, der in Bremerhaven erneut wirkungslos blieb. „Abe gibt uns viel mehr als etwa Jordan Hasquet“, vergleicht Geschäftsführer Oliver Herkelmann, das Phlegma des letztjährigen Flügelcenters ginge dem kampfstarken Lodwick völlig ab. Mit dem Vergleich zum vom selben Agenten vertretenen Burtschi - bisher größtes „Schnäppchen“ der Erstliga-Zeit - wollen die Phoenix-Verantwortlichen den Profi-Neuling indes nur ungern belasten. Schon weil der jetzige Bremerhavener im deutlich höheren Alter nach Hagen gekommen sei. Wurf, Defensiv- und Reboundverhalten von Lodwick seien ähnlich, betonte Co-Trainer Steven Wriedt, beim Zug zum Korb sei Burtschi noch besser: „Und sein wilder Zocker-Instinkt gibt Jake natürlich einen Vorteil“, räumt Wriedt ein, dieser spiele einfach abgebrühter.

Was Phoenix in Bremerhaven wieder leidvoll erfahren durfte, als der Ex-Hagener nicht nur mit seinen drei frechen Dreiern in Halbzeit eins die Eisbären enteilen ließ. Gerade in der Endphase provozierte Burtschi – auch von der unterschiedlichen Regelauslegung des Referee-Trios profitierend - clever Offensiv-Fouls von Mark Dorris und Davin White, die daraufhin mit dem jeweils fünften Vergehen vom Feld mussten. Doch auch Burtschi räumte nach der Schlusssirene ein: „Es ist sehr schwer, gegen Hagen zu spielen, weil sie niemals aufgeben. Das war ein hartes Stück Arbeit.“ Womit er auch Kontrahent Lodwick meinte, der sich mit Leistungen wie in Bremerhaven auf Dauer ähnliche Wertschätzung beim Phoenix-Anhang erarbeiten kann. „Wir haben großartige Fans und hätten ihnen gern einen Sieg geschenkt“, betonte der Mann aus dem US-Bundesstaat Oregon, „dazu müssen wir beim nächsten Mal eben besser spielen.“

Axel Gaiser


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