„Als Bielefeld-Fan wird man oft belächelt“

Ulrike Glania, seit 40 Jahren Fan von Arminia Bielefeld, präsentiert ein Fan-Utensil aus ihrer Sammlung.
Ulrike Glania, seit 40 Jahren Fan von Arminia Bielefeld, präsentiert ein Fan-Utensil aus ihrer Sammlung.
Foto: Michael Schuh

Hohenlimburg..  Mal unter uns: Wer, bitte schön, stammt nicht aus Ostwestfalen und ist trotzdem Fan der Bielefelder Arminia? Allzu groß dürfte die Gruppe dieser Menschen nicht sein. Doch (mindestens) einen Anhänger hat die Mannschaft von Norbert Meier sogar in Hohenlimburg: Ulrike Glanias Herz schlägt seit 40 Jahren für die Arminia.

Dass sich Ulrike Glania für Fußball interessieren würde, stand eigentlich seit ihrer Geburt fest. Die Großmutter war Inhaberin des altehrwürdigen Hohenlimburger Hofes, wo sich die Zehner Kicker die Klinke in die Hand gaben. Und natürlich waren somit auch Ulrikes Eltern Mitglied des SV Hohenlimburg 1910, der Vater zudem Schalke-Fan. Die Mutter indes drückt dem TSV München 1860 die Daumen, was laut der Tochter aber mehr optischen denn spielerischen Gründen geschuldet ist: „Meiner Mutter gefielen die goldenen Nummern auf den Löwen-Trikots so gut.“

Freundin stammte aus Ostwestfalen

Ein Faible für den SV 10 war Ulrike Glania somit in die Wiege gelegt worden – nur überregional hatte sie zunächst noch keinen Lieblingsverein. Das sollte sich ändern, als sie Mitte der 70er-Jahre Anne Bierwirth kennenlernte, deren Gatte mit Ulrike Glanias damaligem Freund und heutigem Ehemann Christian zusammen Fußball spielte. „Wir haben uns unheimlich gut verstanden“, erinnert sich die heute 59-Jährige an ihre Freundin Anne, die – und das ist der springende Punkt – aus Ostwestfalen stammte.

„Sie war ein ganz großer Bielefeld-Fan“ erzählt Ulrike Glania, „die sogar einige Spieler persönlich kannte und auch mal in die Kabine durfte.“ Kurzum: Der Funke sprang über und fortan war sie ebenfalls vom Arminia-Virus infiziert. Daran sollte sich auch nichts ändern, als Anne Bierwirth wegzog – ihre Freundin blieb Bielefeld-Fan. Bis heute.

„Man wird oft belächelt – aber da muss man hart sein“, weiß die Ur-Hohenlimburgerin, dass es ein Arminen-Anhänger an der Lenne nicht leicht hat. Zumal sie täglich mit Menschen zusammenkommt, bei denen der Fußball ebenfalls eine große Rolle im Leben spielt. Denn Ulrike Glania, die als Jugendliche selbst einmal eine kurze Zeit für die damalige Zehner Frauenmannschaft vor den Ball trat, übernimmt seit vielen Jahren Verantwortung beim SV 1910.

Betreuerin beim SV 1910

Nachdem Ehemann Christian vor vielen Jahren als Trainer bei dem Traditionsverein angeheuert hatte, stieg auch die Gattin offiziell bei den Zehnern ein und hält dem Club seither die Treue. Neben der Vorstandsarbeit nimmt ihr Job als Betreuerin und Zeugwartin des Landesliga-Teams einen großen Teil ihrer Freizeit ein. Und selbst im Urlaub spielt der SV 10 eine gewisse Rolle. Wenn das Ehepaar Glania demnächst die Ferien in Kärnten verbringt, ist ein Abstecher nach Bruck an der Mur fest eingeplant, denn dort absolvieren die heimischen Fußballer ihr Trainingslager.

Im Gegensatz zur Saison 2013/2014, als Arminia Bielefeld einen 3:1-Vorsprung in der Relegation gegen Darmstadt 98 verspielte und in die 3. Liga abstieg, muss Ulrike Glania diesmal aber nicht mit Frotzeleien ihrer Schützlinge rechnen. Denn dazu bot das Bielefelder Auftreten in der abgelaufenen Spielzeit nun wahrlich keinen Grund. „Zu den Erfolgen im DFB-Pokal, wo die Arminia mit Hertha, Bremen und Gladbach gleich drei Bundesligisten besiegte, haben mir alle gratuliert“, erzählt die 59-Jährige nicht ohne Stolz. Und beim 2:2 im Ligaspiel gegen Jahn Regensburg, das die Rückkehr in Liga 2 bedeutete, war die Hohenlimburgerin dann selbst im Stadion. „Das Publikum war fantastisch. Von der Stimmung zeigte sich selbst mein Mann begeistert – und der ist als BVB-Fan ziemlich verwöhnt.“ Besonders imponiert hat ihr aber, dass sich die Arminen auch von einem Rückstand nicht beeindrucken ließen: „Die Mannschaft kämpft immer – und das gefällt mir so gut an Bielefeld.“