68 000 Menschen jubeln Leonie Prinz in Baku zu

Die Wasserballerin Leonie Prinz nahm mit der U-17-Nationalmannschaft an den Europaspielen in Baku teil.
Die Wasserballerin Leonie Prinz nahm mit der U-17-Nationalmannschaft an den Europaspielen in Baku teil.
Foto: Michael Schuh

Hohenlimburg..  Eines steht fest: Den 12. Juni 2015 wird Leonie Prinz niemals im Leben vergessen. Am Abend dieses Tages gehörte die 16-jährige Wasserballerin zu den 265 deutschen Sportlern, die – angeführt vom Fahnenträger Fabian Hambüchen – unter dem Jubel der 68 000 Zuschauer ins Olympiastadion der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku einliefen. „Vor dieser Menschenmenge ins Stadion zu kommen war beeindruckend“, erzählt die Hohenlimburgerin von der Eröffnungsfeier der Europaspiele: „Ein großartiges Erlebnis.“ Und am Leuchten ihrer Augen ist unschwer zu erkennen, dass die Erinnerung daran sie noch immer berührt.

Hoffen auf die WM in Neuseeland

Aber auch sportlich lief es für die deutsche U-17-Nationalmannschaft in Aserbaidschan nicht schlecht. „Platz sieben war unser erklärtes Ziel“, sagt die Hohenlimburgerin; und genau diesen Rang belegte das DSV-Team nach vier Siegen und drei Niederlagen. Obwohl sich nur die sechs Erstplatzierten für die Weltmeisterschaft in Neuseeland 2016 qualifizierten, besteht sogar Hoffnung, doch noch zur WM auf die andere Seite des Globus zu fliegen. „Wenn eine Mannschaft absagt, sind wir die ersten Nachrücker“, hofft die 16-Jährige auf ein weiteres unvergessliches Ereignis.

Leonie Prinz besitzt eine Menge sportliches Talent. Denn erst mit 12 Jahren kam die Gymnasiastin, die sich bis dato dem Reiten und Schwimmen verschrieben hatte, beim Hohenlimburger SV zum Wasserball. Bereits nach ihrem ersten Turnier stand aber fest: „Das Reiten muss nun hinten anstehen.“

Anfangs versuchte sich die heute 1,82 Meter große Sportlerin noch als Feldspielerin und Torhüterin. Doch schon bald merkte sie, dass ihr das Verhindern von Treffen mehr im Blut liegt und blieb fortan zwischen den Pfosten. Ihr Können wurde später auch auf höheren Ebenen registriert, sodass erste Einladungen in den NRW-Kader ins Haus flatterten.

Den Wechsel nie bereut

In der Auswahlmannschaft lernte sie Spielerinnen vom SV Blau-Weiß Bochum kennen; im Oktober 2014 wechselte sie schließlich selbst zum Ruhrgebietsverein, wo sie Stammtorwart der Oberliga- und Ersatz-Torhüterin der Bundesliga-Mannschaft ist. „In Bochum bin ich sehr glücklich“, hat die Hohenlimburgerin den Wechsel nie bereut, „denn ich treffe dort beim Wasserball meine Freundinnen.“

Viel Freizeit lässt ihr der Sport nämlich nicht. Mehrmals wöchentlich steht Training auf dem Programm, an den Wochenenden kommen Spiele mit der 1. und 2. Mannschaft sowie den Auswahlteams hinzu. „Seit Januar waren es zwei oder drei Wochenenden, an denen ich frei hatte“, erzählt Leonie Prinz. Ihr Lachen lässt allerdings darauf schließen, dass sie ihrem Hobby liebend gern nachgeht.

Zum Sichtungslehrgang für den deutschen U-17-Kader wurde sie

erstmals im November 2014 eingeladen; es folgten weitere Turniere sowie im vergangenen März in Belgard die Qualifikation für Baku. Die verlief zwar positiv, doch ob sie an den Europaspielen teilnehmen würde, wusste die Hohenlimburgerin immer noch nicht, wurden doch noch einige Spielerinnen aus dem Kader gestrichen. Pfingsten erhielt sie während eines Trainingslagers in Stuttgart dann die erlösende Nachricht: Sie ist dabei. Sofort fuhr sie mit den Mannschaftskameradinnen nach München, wo sie wie alle deutschen Baku-Reisenden komplett eingekleidet wurde.

Nach fünf Stunden Flug kam Leonie Prinz am 8. Juni schließlich in der Zwei-Millionen-


Metropole an und lernte eine Stadt der Kontraste kennen: Wenig ansehnliche Gebäude befinden sich in unmittelbarer Nähe verspiegelter Glaspaläste. Quartier bezogen die Deutschen in einem eigens für die Europaspiele errichteten Komplex, ähnlich den olympischen Dörfern. Dort lernte Leonie Prinz prominente Athleten kennen, unter anderem Turn-As Hambüchen. Angesichts der unendlich vielen Eindrücke kein Wunder, dass sich die zwei Wochen in Aserbaidschan für immer in ihr Gedächtnis eingebrannt haben.

Doch es müssen ja nicht die letzten sportlichen Höhepunkte im Leben der Hohenlimburgerin gewesen sein. Neben der Nachwuchs-WM in Neuseeland ist eine Berufung in die A-Nationalmannschaft ihr großes Ziel. Und ein bisschen träumen muss erlaubt sein: „Unser Trainer peilt die Olympischen Spiele 2020 an.“ Die finden übrigens in Tokio statt. Prägende Eindrücke inklusive.