Vier Flüchtlinge aus Afrika halfen beim Borsig-Meeting

Die neuen Helfer ernteten bei ihrer Arbeit als Kampfrichter viel Lob.
Die neuen Helfer ernteten bei ihrer Arbeit als Kampfrichter viel Lob.
Foto: Jürgen Schlebach
Beim 12. Borsig-Meeting des TV Gladbeck kamen vier Flüchtlinge als Helfer und Kampfrichter zum Einsatz. Ein Gastbeitrag von Andreas Schlebach.

Gladbeck.. Heiner Preute und Matthias Bos, Chef und Vize der Leichtathletik-Abteilung des TV Gladbeck, waren spontan angetan von einer Idee: Ob nicht ein Quartett von jungen Asylbewerbern beim Borsig-Meeting die Lücke beim ehrenamtlichen Personal der Kampfrichter und Helfer schließen könnten. Also hatte ich dies Anfang des Monats angefragt. Schließlich habe ich vier sportliche Burschen im Deutschkurs des Evangelischen Flüchtlingsarbeitskreises von Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, die gern teilhaben würden an einem außergewöhnlichen Stück Normalität in ihrem neuen Leben in Gladbeck. Sie können gern, lautete die Antwort der baldigen Helfer.

Eine Woche „Einarbeitung“

Preute, Bos und ich nahmen uns in der Woche vor dem Meeting Zeit zur „Einarbeitung“ und zeigten den jungen Männern ihre Aufgaben: Harken und Messen beim Weitsprung, sowie Rücktransport von Disken und Speeren aus dem Sektor zur Wettkampfanlage. Die ungewohnten „Jobs“ erledigten die Vier am vergangenen Samstag - im laufenden Betrieb unter Aufsicht der geschulten Kampfrichter-Obleute - mit Bravour. „Das machen sie wirklich ordentlich“, lobte Weitsprung-Obmann Johannes Waschelewski bei Halbzeit des langen Wettkampftages. Er und Kampfrichter Kurt Halfar zeigten sich angetan von der unkomplizierten Möglichkeit „Willkommenskultur beim Sport“ zu praktizieren. Vor allem die jungen Frauen in der Riege der Helfer nutzten die Gelegenheit zur Kontaktaufnahme in französischer Sprache.

Reden mit Händen und Füßen

Wo die fremde Sprache der Kommunikation Grenzen setzte, kamen Hände und Füße, Gesten und Mimik zum Einsatz. „Windmesser“, „Anlaufbahn“, „Absprungbalken“ waren am Ende nur einige der Begriffe, die beispielsweise Frédéric Camara aus dem afrikanischen Dream-Team der Flüchtlingshilfe, dazu gelernt hatte. Der junge Mann genoss sichtlich die Sympathie, die ihm rund um die Weitsprunganlage zuteil wurde. Ich dachte, wir sollten nicht immer von Flüchtlingsproblematik reden.

Mir gefiel das gelungene Stückchen praktischer Integration gut. Schließlich haben wir hier junge Leute, die mit 18, 20 Jahren ihre Heimat verlassen mussten, weil sie Gewalt am eigenen Leib und Leben oder dem ihrer nächsten Angehörigen erlebt haben. Sie sind geflüchtet, weil es für sie dort, wo sie herkommen, keine Zukunft gibt. Mit einem Lächeln, mit Zuwendung, Toleranz und Respekt kann jeder von uns dazu beitragen, diesen Menschen den Start in ihr neues Leben zu erleichtern.

Weitere Zusammenarbeit ist geplant

Ich empfinde den Umgang mit seinen „Schützlingen“ als bereichernd und sinnstiftend und bin nun dabei - zusammen mit dem Evangelischen Flüchtlingsarbeitskreis - weitere Ideen wie Sport- und Freizeitangebote zu realisieren.

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