Tollhaus SG Preußen Gladbeck

Trainer André Marcussen hat die Nase gestrichen voll. Er verlässt Preußen Gladbeck am Saisonende.
Trainer André Marcussen hat die Nase gestrichen voll. Er verlässt Preußen Gladbeck am Saisonende.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der zum Saisonende scheidende Coach André Marcussen spricht Tacheles mit der Vereinsführung und seinen Spielern. Vorstand Gerd Porsch bezieht Stellung

Gladbeck..  Bereits am Wochenende sickerte durch, dass Trainer André Marcussen den noch Bezirksligisten SG Preußen Gladbeck verlassen wird. Damit endet das Engagement des DFB-C-Lizenz-Inhabers bereits nach acht Monaten. Nun bezogen der Vorstand von SG Preußen in Person von Gerd Porsch und Trainer Marcussen selbst Stellung.

Am vergangenen Donnerstag traf sich die Vorstandsriege der Schwarz-Gelben gemeinsam mit den Seniorentrainern und dem A-Jugendcoach, um über die Zukunft des Vereins zu reden. Thema war vornehmlich die erste Mannschaft, welche aller Voraussicht nach in die Kreisliga A absteigen wird. „Diesen Rückstand holt die Truppe nicht mehr auf“, so Porsch. „Das ist der unnötigste Abstieg, den es je gab. Ein Einstellungsproblem, mehr nicht. Das gibt die Mannschaft sogar offen zu“, wettert der Vorstandsvorsitzende, der für die Entscheidung von André Marcussen vollstes Verständnis hat. „Die Entscheidung haben wir akzeptiert.“ Den Coach umzustimmen kam für Porsch und Co. nicht in Frage.

Gegeneinander statt Miteinander

André Marcussen hat indes einen ganz dicken Hals. Er selbst hätte unter Umständen sogar weitergemacht am Jahnplatz, doch er sagt gleichzeitig: „Ich möchte meinem Ruf nicht noch mehr schaden. Wir sind schon die Lachnummer der Liga.“ Vor allem die sportliche Ausrichtung stößt Marcussen sauer auf. Vier Seniorenmannschaften haben die Preußen derzeit im Betrieb und „jeder macht, was er will“, so Marcussen. „Ein Miteinander ist nicht möglich. Hier wird gegeneinander gearbeitet.“ Ein Beispiel: „Da spielen Akteure aus der Erstvertretung urplötzlich in der dritten Mannschaft. Ohne mein Wissen und meine Zustimmung“, so Marcussen. „Dieses Thema ist bekannt. Wir haben uns darauf geeinigt, dass besagter Spieler eine Halbzeit in der dritten Mannschaft spielt und dann zur Erstvertretung auf die Bank geht“, erklärt Porsch. Marcussen schüttelt mit dem Kopf. Alleine das dies zur Diskussion gestellt wird ist für ihn zu viel. Bei umgekehrter Personalnot wurde zudem nicht ausgeholfen. „Das Aushängeschild jedes Vereins sollte die erste Mannschaft schein, die Zweit- und Drittvertretung der Unterbau für die ,Erste’. Doch das ist hier ein Märchen“, so Marcussen. Der Kritik nicht genug: „Jede Mannschaft ist für sich. Wir haben Unterstützung aus der ,Vierten’ (!) bekommen. Dafür bedanke ich mich.“ Gerd Porsch weiß um dieses Problem und übt Selbstkritik: „Viele Spieler weigern sich in anderen Mannschaften als der eigenen zu spielen. Die kicken am liebsten mit ihren Freunden. Dieses Problem habe ich bis dato nicht gelöst bekommen.“

Marcussen verweist auf Rentfort

„Ich habe Veränderungen vorgeschlagen, doch diese waren nicht gewollt“, so Marcussen. Finanzielle Sanktionsmöglichkeiten gab es keine. Rausschmeißen wollte der Trainer eine ganz Handvoll seiner Akteure, doch da spielte der Vorstand nicht mit: „Suspendierungen kamen nicht in Frage. Wir sind ein Hobbyverein und bei dieser Rechnung müsste ich den halben Club auf die Straße setzen.“

So oder so ist am Saisonende Schluss für André Marcussen der einen Tipp für seinen aktuellen Verein hat: „Schauen Sie nach Rentfort. Da wird mit System, Strukturen und Konzept gearbeitet.“