Tennis für die breite Masse
12.06.2012 | 15:48 Uhr 2012-06-12T15:48:00+0200
Gladbeck. Der Tennisclub Haus Wittringen möchte möglichst viele Gladbecker für den „weißen Sport“ mobilisieren. Dafür sorgen die Verantwortlichen des TCHW für eine ordentliche Brise frischen Wind. So konnten unter anderem zwei neue Jugendtrainer gewonnen werden.
„Wir möchten weg vom elitären Charakter unseres Sports“, erklärt Christiane Franke, Jugendwartin vom Tennisclub Haus Wittringen (TCHW). Damit das gelingt, haben sich die Verantwortlichen des Clubs einiges einfallen lassen. „Tennis ist heutzutage kein Vorzeigesport mehr. Dabei hat er so viele Vorteile“, führt Franke aus. Denn ob fünf oder neunzig Jahre alt: Tennis sei generationsübergreifend.
Es tut sich dieser Tage einiges auf dem großen Areal in Wittringen. Neue Trainer wurden engagiert, neue Konzepte erarbeitet und allem voran neue Mitglieder begrüßt. Im Fokus des „neuen“ TCHW steht die Integrations- und Jugendarbeit. „Vier neue türkische Spieler können wir im Herrenbereich schon begrüßen“, freut sich Franke. Damit der „weiße Sport“ die breite Masse stärker anspricht, gibt es nun ein paar grundlegende Veränderungen: Auf dem Tennisplatz selbst ist weiße Kleidung keine Pflicht mehr. Nur bei Wettkämpfen müssen die Spieler noch in weiß auflaufen. Eine Schuhbörse wurde ebenfalls eingerichtet, und auch die etablierten Schnupper-Aktionen würden weiterhin - nun in verbesserter Form - angeboten.
Neue Trainer für die Jugend
Bisher wurde das Schnuppertraining von ehrenamtlichen Helfern organisiert. Beim nächsten Termin sollen jedoch alle Besucher gleich von professionellen Trainern empfangen werden. „Uns ist wichtig, dass wir unsere Spieler direkt dort abholen, wo sie gerade stehen. Das klappt am besten mit gut ausgebildetem Personal“, weiß Antonius Schniering, erster Vorsitzender des TCHW. Wichtig sei es auch, den Anschluss des Hobby- an den Leistungssport zu bewerkstelligen. Da der Breitensport in Wittringen den gleichen Stellenwert einnehmen soll wie der Wettkampfsport, trainieren viele Spieler auch in leistungsgemischten Gruppen. „Dadurch entsteht eine ganz neue Gruppendynamik“, erklärt Franke. „Es gibt keinen Leistungsdruck. Jeder spielt so, wie er kann.“
Die größten Veränderungen aber wird es im Jugendbereich geben. Fortan zeichnen Sven Bentlin und Rambo Pourziai für die Nachwuchsarbeit verantwortlich. Mit ihrer Tennisschule erhalten sie Einzug an der Burgstraße. „Wir wollen den Tennissport beleben und gesellschaftlicher machen“, sagt Sven Bentlin. Der studierte Elektrotechniker aus Dortmund und sein Trainerkollege Rambo Pourziai haben viel vor: „Man kann keine Schablone über die Kinder legen, sondern muss jeden Spieler individuell fördern“, sagt Sven Bendlin. „Wir möchten natürlich unsere Leidenschaft und unsere Erfahrung weitergeben“, sagt Rambo Pourziai.
Die beiden Dortmunder sind in der Tenniswelt keine Unbekannten. Bendlin belegt zurzeit den zweiten Platz in der nationalen Beach-Tenniswertung. Pourziai studierte Sport auf Lehramt, hat die B-Lizenz inne und ist Diplomtennislehrer. Die neuen Trainer spielen selbst leistungsorientiert und werden den Kids in Zukunft im wahrsten Sinne „ganz großes Tennis“ zeigen, soll heißen, neben dem Training auch große Turniere zu besuchen. „Dort können sie mit Profispielern sprechen, Autogramme sammeln und sich Tipps abholen“, erläutert Pourziai. Die beiden verstehen sich als Mittler, als Bindeglied zwischen Privat- und Vereinsleben. „Aus Tennis und dem Vereinsleben entstehen langjährige Freundschaften.“
Erfahrung in der Jugendarbeit können die neuen Trainer zur Genüge aufweisen. Auch mit Schulen wird das Duo zusammen arbeiten. Tennis ist zwar eine durchaus anerkannte Rückschlagsportart im Sportunterricht, häufig mangelt es an der Möglichkeit, diese auch wirklich umsetzen. „Hier wollen wir helfen und betreuen“, versichern sie.
Beach-Tennis kommt
Ebenfalls neu: Beim TCHW wird künftig nicht nur auf Sand, sondern auch am Strand gespielt. 2002 entstand das Beach-Tennis. „Wir wollen den Horizont unserer Schützlinge erweitern“, sagen Bendlin und Pourziai. Auch mal über den Tellerrand hinausschauen, so lautet die Devise. Fortan wird in Kleingruppen und auf zwei Plätzen gleichzeitig trainiert. Denn auch Christiane Franke kann eines nur bestätigen: „Der Kontakt zueinander, das ist das Wichtigste.“
Auch der Rollstuhlsport steht künftig im Angebot des TCHW. „Es wird immer gesagt, dass die Reifen den Platz kaputt machen. Das ist ganz großer Quatsch“, stellt Sven Bentlin klar. Auch im Unterricht mit Rollstuhlfahrern können die Trainer einige Referenzen aufweisen und somit professionelles Training anbieten.
Der nächste Termin des kostenlosen Schnuppertrainings ist übrigens am 9. Juni von 10 bis 12 Uhr. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind herzlich eingeladen, den Schläger zu schwingen. Interessierte brauchen nicht mehr mitzubringen als bequeme Kleidung und Sportschuhe. Schläger und Bälle stellt der TCHW. Für alle Teilnehmer, die Gefallen gefunden haben, hat sich der Verein in diesem Jahr etwas Besonderes ausgedacht: Neumitglieder zahlen für 2012 nur die Hälfte des Mitgliedsbeitrages.
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