Jutta Haug bereut den Ausstieg aus der EU-Politik nicht

Vor genau einem Jahr hat sich Jutta Haug, die als Abgeordnete auch für Gladbeck zuständig war, aus dem EU-Parlament verabschiedet.
Vor genau einem Jahr hat sich Jutta Haug, die als Abgeordnete auch für Gladbeck zuständig war, aus dem EU-Parlament verabschiedet.
Foto: MHBauer
Was wir bereits wissen
Ein Jahr liegt ihr Abschied aus Brüssel nun schon zurück. Die dreifache Mutter und fünffache Oma hat jetzt mehr Zeit für die Familie.

Montags auf die Autobahn, nach Brüssel oder Straßburg. Eng getaktete Tage, Ausschusssitzungen, Termine. Donnerstags oder freitags zurück nach Herten, am Wochenende der Besuch von Veranstaltungen in der Region.

Heute ist das Leben von Jutta Haug ein anderes. „Der gravierendste Unterschied ist, dass ich jeden Abend im gleichen Bett schlafen gehe“, sagt die ehemalige Europa-Abgeordnete und lacht.

Jetzt ist ihr erstes Jahr nach dem Abschied aus dem Europäischen Parlament „voll“. Vermisst sie etwas? Haug schüttelt entschieden den Kopf: „Ich vermisse nichts.“

Die Entscheidung, aufzuhören, kam nicht plötzlich, sondern reifte mit der Zeit. Irgendwann nach ihrer vierten Wahl fragte sie sich: „Willst du noch zum fünften Mal antreten?“ Und kam zu dem Schluss: „Nein, 20 Jahre sind genug. Du musst nicht noch Silberhochzeit mit dem EU-Parlament feiern.“

Die 63-Jährige ist da ganz klar: „Ich bereue das nicht, es ist mir auch nicht schwergefallen, aufzuhören.“ Zwar telefoniere sie noch mit ehemaligen Kollegen, beobachte weiter interessiert die EU-Politik – doch ihre Tätigkeit als Abgeordnete ist abgehakt. Im Gegensatz zu ihrem Arbeitszimmer: „Ich bin immer noch dabei, es aufzuräumen“, erzählt Haug. Sie könne halt kein Papier wegwerfen, ohne wenigstens einmal draufgeschaut zu haben.

Die dreifache Mutter und fünffache Oma hat jetzt mehr Zeit für ihre Familie. An den Wochenenden kommen Kinder und Enkel zu Besuch: „Ich genieße das, ohne Frage“, erzählt sie. „Meine ersten vier Enkelkinder habe ich aus der Ferne mitgekriegt. Wir haben uns am Wochenende mal für ein, zwei Stunden gesehen. Das ist jetzt mit meiner jüngsten Enkeltochter etwas anders. Ich kann sie ab und an aus der Kita abholen, sie übernachtet auch bei uns.“

Doch ihre Tage mit Familie und Haushalt auszufüllen – das reicht nicht. Als Schatzmeisterin des SPD-Unterbezirks Recklinghausen hat sie dessen Ein- u. Ausgaben im Blick.