Gladbeckerin Annika Drazek für die Bob-WM nominiert

Anja Schneiderheinze und Annika Drazek werden bei der WM in Winterberg im Zweierbob starten.
Anja Schneiderheinze und Annika Drazek werden bei der WM in Winterberg im Zweierbob starten.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Rentforterin Annika Drazek nimmt an der Bob-WM in Winterberg teil. Bundestrainer Rene Spies nominierte jetzt die Ex-Sprinterin des TV Gladbeck.

Gladbeck/Winterberg..  Es war einmal eine junge Sprinterin aus Gladbeck, die ihre Leidenschaft für das Bobfahren entdeckte und nach nur drei Rennen im Weltcup für die Weltmeisterschaft im eigenen Land nominiert wurde. Das klingt wie in einem Märchen? Ja! Und doch entspricht es der Wirklichkeit: Die 19-jährige Annika Drazek ist jetzt für die Bob-WM in Winterberg (23. Februar bis 8. März) nominiert worden.

Nachdem Bundestrainer René Spies der Rentforterin die frohe Botschaft überbracht hatte, griff diese sofort zum Telefon, um ihren Heimcoach in Gladbeck zu informieren. „Setz Dich mal hin“, so meldete sich Annika Drazek bei Heiner Preute. Der freute sich natürlich für seine Athletin. „Aus heiterem Himmel kommt die Nominierung aber nicht“, so der Leiter der Leichtathletik-Abteilung und Trainer des TV Gladbeck.

„Natürlich mache ich mir Hoffnungen“, hatte Annika Drazek kürzlich mit Blick auf mögliche WM-Ambitionen gesagt. Sie verwies aber auch darauf, dass sie „erst einmal Erfahrungen im Weltcup sammeln“ müsse. Dreimal startete sie bislang im Weltcup. Dabei war die Anschieberin mit Anja Schneiderheinze (Erfurt) an den Lenkseilen sehr erfolgreich. Das Duo belegte am Königssee den dritten Platz, es feierte in St. Moritz den Sieg und unlängst in Innsbruck-Igls sprang Platz zwei heraus.

Spätestens nach diesem Rennen hatte auch Elana Meyers Taylor, die Führende im Gesamtweltcup, den Frischling Annika Drazek auf dem Schirm. „Unfassbar schnell“, so die US-Amerikanerin, sei diese junge Deutsche (die WAZ berichtete).

Das ist Annika Drazek in der Tat. Schließlich zählte sie bis zur vergangenen Saison zu den besten Nachwuchssprinterinnen Deutschlands. Auch international wusste sich die Gladbeckerin, die im vergangenen Jahr am Heisenberg-Gymnasium ihr Abi machte und inzwischen an der Uni in Essen studiert, erfolgreich in Szene zu setzen. 2013 erreichte sie bei der U20-Europameisterschaft in Italien über 100m ebenso den Endlauf wie zwei Jahre zuvor bei den U18-Weltmeisterschaften in Frankreich.

Und doch schulte Annika Drazek zur Bobfahrerin um. „Ich will mal etwas Neues ausprobieren“, begründete sie Ende November des vergangenen Jahres im Gespräch mit der WAZ ihre Entscheidung. „Die Leichtathletik hat mir Spaß gemacht. Als ich im letzten Jahr aber mal in Winterberg war und dort einen Bob auf Schienen angeschoben habe, fand ich das ganz cool.“

Schon damals war herauszuhören, dass Annika Drazek es ernst meint mit dem Sportart-Wechsel. „Bobfahren“, sagte sie und klang begeistert, „macht riesigen Spaß.“ Mit 120 oder 130 Stundenkilometern den Eiskanal herunter zu jagen, verursache bei ihr einen „totalen Adrenalinkick“ und sei „krasser als jede wilde Achterbahnfahrt“. Lachend sagte Drazek: „Es ist total verrückt, es ist etwas für mich.“

Erfolge stellten sich sofort ein. Mit Nachwuchs-Pilotin Anna Köhler belegte sie bei der Internationalen Meisterschaft von Hessen und Westfalen den ersten Platz, es folgte, erneut mit Köhler, der fünfte Rang bei den Deutschen Meisterschaften in Winterberg und eine überzeugende Vorstellung bei der zentralen Leistungskontrolle im Wintersportzentrum Oberhof, wo sie die komplette Konkurrenz hinter sich ließ und sich damit ihre ersten Nominierungen für den Weltcup verdiente. Am 16. Januar gab sie schließlich mit Pilotin Anja Schneiderheinze ihre Weltcup-Premiere.

Wie in einem Märchen ging es weiter mit dem Sieg in St. Moritz und nun mit der Nominierung für die Weltmeisterschaft in Winterberg.