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Das Akkuaufladejahr

03.08.2010 | 15:54 Uhr
Das Akkuaufladejahr
Der Marathon / Ruhrmarathon / Karstadt-Marathon 2009 führt von Oberhausen kommend durch die Gladbecker Innenstadt / Tim Tersluisen vom Vfl Gladbeck re. Adi Raible Foto: Ulla Michels

Gladbeck.Wenn beim Sparkassenlauf am 15. August der Startschuss zum Halbmarathon fällt, hat Gladbecks bester Marathonläufer seine Pulsuhr zu Hause gelassen. Tim Tersluisen muss passen, weil es der Körper will. Ein bisschen Wehmut ist schon dabei und dennoch ist er zufrieden.

Marathon, das ist immer Kampf gegen sich selbst. Der Körper als Feind. Marathonis müssen Grenzen überwinden. Das Duell Geist gegen Körper, beim täglichen Training ausgetragen auf Schotter und Asphalt, ist aber über Jahre hinweg ziemlich verschleißend. Tim Tersluisen hat das bereits in den vergangenen zwei Jahren gemerkt, als ihn Schmerzen plagten und sogar zur Aufgabe zwangen.

Nun hört er auf die inneren Signale und legt ein Regenerationsjahr ein. Will heißen: kein Wettkampf, auch nicht auf der Hausstrecke vor heimischen Publikum beim Sparkassenlauf. „Ich bin ohnehin als Helfer im Einsatz“, erklärt Tersluisen, der neben dem Studium im Sportgeschäft von Organisator Adi Raible in der Laufschuhberatung jobbt. Neben der Strecke statt darauf.

Aber mal ehrlich: Was wäre das schön auf seiner Strecke? Da gerät der drahtige, hoch gewachsene Blonde ins Schwärmen: „Das wäre optimal. Die Marathonbahn ist ja gerade überarbeitet, die Bäume bieten größtenteils Schutz vor Regen und Wind oder zu viel Sonne. Es gibt kaum Gefälle.“ Er verzichtet aber und ist dennoch zufrieden: „Bei mir läuft es richtig gut.“

Womit er allerdings keine Wettkämpfe meint, sondern die Regeneration und das sachte Aufbautraining für die Stützmuskulatur, damit nicht wieder ein Wirbel verspringt und die Hüfte schief steht und jeder Schritt ein Schmerz wird. Zwei kleine Seuchenjahre hat Tersluisen bereits hinter sich: 2008 bremste ihn eine Prellung im Sprunggelenk, im vergangenen Jahr brach er die Westdeutschen Marathon-Meisterschaften am Essener Baldeneysee wegen einer üblen Verkrampfung im Oberschenkel ab. „In meiner Altersklasse hätte ich vielleicht noch siegen können, wäre aber in der Gesamtwertung irgendwo zwischen Platz fünf und sieben gelandet. Das wäre es nicht wert gewesen“, findet der Ausdauerathlet. Zumal es regnete und relativ kalt war, Fritz-Walter-Wetter ist Tersluisens Sache sowieso nicht. „Ich bin ein Schönwetterläufer“, gibt er zu.

Wer hätte früher gedacht, dass aus Tim Tersluisen überhaupt mal ein Langstreckenläufer werden würde. Blickt er heute auf den 16-jährigen Tim Tersluisen zurück, beschreibt er ihn als „stark untersetzten Sportverweigerer“ und konkretisiert: „Ich war ein Moppelchen. Im letzten Wettkampf der Bundesjugendspiele habe ich gerade einmal eine Siegerurkunde bekommen.“

Erst als sich der spätere Reserveoffizier auf die Bundeswehr vorbereitete, entdeckte er die Lust am Laufen, und als ihm dann während der Dienstzeit ein Kamerad aus Spaß die Wette anbot, er schaffe doch nie im Leben einen Marathon, schlug Tersluisen ein und meinte nur: „Ich beweis Dir das.“ Und zwar in 3:21 Stunden und ein paar Sekunden in Köln. Eine Art jugendlicher Leichtsinn, denn heute würde der Laufsportexperte Tersluisen jedem dringend abraten, sich so auf die ersten 42,195 Kilometer vorzubereiten, wie er das vor zehn Jahren getan hat.

Seitdem hat er sich professioneller verhalten, seine Bestzeit auf 2:39:04 Stunden heruntergerannt. Eine Marke, die er im nächsten Jahr unterbieten möchte. Erst dann schraubt Tim Tersluisen sein Wochenpensum wieder hoch. Momentan begnügt sich der 34-Jährige mit 80 Laufkilometern in der Woche und 50 Kilometern täglich auf dem Fahrrad. „Zurzeit lade ich nur die Akkus auf“, sagt der Marathonliebhaber. Er muss es ja wissen, mit Akkus kennt sich ein Student der Elektrotechnik schließlich aus.

Christoph van Bürk

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Kommentare
10.08.2010
10:31
Das Akkuaufladejahr
von kobiashvili | #2

Das ist ja eine sehr feindliche Sprache, die im Artikel benutzt wird. Kampf, Duell, Grenzen und als Krönung eben der Körper als Feind. So wird beschrieben, dass jemanden unter solchen Bedingungen Schmerzen plagen und ihn gar zur Aufgabe zwingen. Jemanden, der sich doch seit seinem ersten Marathonlauf professionell verhalten und seine Bestzeit auf 2:39:04 Stunden heruntergerannt habe.
Nun wird also - erst einmal - auf die inneren Signale gehört und ein Regenerationsjahr eingelegt, d.h. kein Wettkampf in der Zeit. Um dann anzukündigen, im nächsten Jahr die Bestmarke unterbieten zu wollen.

Im Oktober wird es in Heidelberg einen viertägigen Kongress, Mentales Stärken geben. U. a. habe ich mir da einen Workshop ausgesucht, dessen Titel lautet: Sind Spitzenleistungen gesund?. Darin werden auch die Folgen chronischer Selbstüberforderung thematisiert. Ziel soll das Verstehen und Erkennen der individuellen Leistungsmotive und LeistungsGRENZEN sein.
Und damit ist nicht die Schmerzgrenze gemeint. Denn mit Erreichen dieser Grenze ist es schon viel zu spät; vor allem wenn dies dauerhaft vorkommt.
Sicher ist für mich: Wer Spitzenleistungen in dem in ihrem Artikel dargestellten Rahmen - auf den Punkt gebracht mit Körper als Feind - bringen will, wird scheitern und sich langfristig schädigen.
Bildhaft gesprochen: Wenn ich der Körper von jemandem wäre, der so (= Kampf, Feind, inneren Schweinehund besiegen) mit mir umgeht, dem würde ich intensiv die Grenzen aufzeigen, dass und bis es nicht mehr geht. Und zur Not? Ja, dann eben stilllegen!

03.08.2010
17:45
Das Akkuaufladejahr
von HaileHaile | #1

Ganz schön viel Text für einen, der EIN GANZES Jahr keinen Wettkampf läuft und auch sonst nur 1-2 Marathons im Jahr (und keine anderen Wettkämpfe). Und als Verletzter 80 Wochen-km ??? Ja nee, is klar.

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