Andreas Kowert - „unser“ Mann beim Rekordspiel

Andreas Kowert lebt in Gladbeck. Zuletzt war der Linienschiedsrichter beim Winter Game der Deutschen Eishockey-Liga  in Düsseldorf vor 51125 Zuschauern im Einsatz.
Andreas Kowert lebt in Gladbeck. Zuletzt war der Linienschiedsrichter beim Winter Game der Deutschen Eishockey-Liga in Düsseldorf vor 51125 Zuschauern im Einsatz.
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Was wir bereits wissen
Andreas Kowert aus Gladbeck war beim Winter Game der Deutschen Eishockey-Liga als Linienschiedsrichter im Einsatz. 51125 Fans sahen in Düsseldorf zu.

Gladbeck..  Exakt 51125 Zuschauer kamen am vergangenen Wochenende zum Winter Game 2015 der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in die Düsseldorfer Esprit-Arena. Ein Gladbecker war bei dem Vergleich zwischen der Düsseldorfer EG und den Kölner Haien (3:2) ganz nah am Geschehen: Andreas Kowert. Der 35-Jährige war nämlich als Linienschiedsrichter im Einsatz. „Das war überwältigend, das war atemberaubend“, erzählte der Kriminaloberkommissar jetzt bei seinem Besuch der WAZ-Sportredaktion.

Niemals zuvor kamen in Europa zu einem Ligaspiel mehr Zuschauer als am vergangenen Samstag in Düsseldorf. Und deshalb ist es kein Wunder, dass selbst ein so erfahrener Unparteiischer wie Kowert noch Tage nach der Partie ins Schwärmen gerät. „Das war ein Eishockeyerlebnis für ganz Deutschland“, sagte er. Und: „Das war ein Highlight in meiner bisherigen Karriere.“

Und das will etwas heißen. Denn der aus Gelsenkirchen stammende und seit 2006 in Gladbeck heimisch gewordene Kowert hat als Linesman schon praktisch alles erlebt. Vor fünf Jahren war er beispielsweise bei der A-Weltmeisterschaft in Deutschland im Einsatz und in 2014 bei der U20-WM in Schweden. Kowert hat Champions-League-Erfahrung und rund 500 DEL-Spiele auf dem Buckel.

Zweitliga-Karriere endet jäh

Bevor er Schiedsrichter wurde, jagte Andreas Kowert bei den Schalker Haien selbst dem Puck hinterher. „Fußball war nichts für mich“, so der Wahl-Gladbecker lachend, „ich habe als Knirps bei Erle 08 vielleicht dreimal mittrainiert.“ Also ging’s zu den Schalker Haien. Als 17-Jähriger gehörte er dem Aufgebot der damaligen Zweitliga-Mannschaft an. Genau 17 Sekunden dauerte Kowerts erster und einziger Einsatz in der Zweiten Liga. Er gab die Vorlage zu einem Tor und brach sich die linke Hüftpfanne. Danach war an eine Karriere in höheren Eishockey-Spielklassen nicht mehr zu denken.

Andreas Kowert wollte seinem Sport aber treu bleiben: „Um Trainer zu werden, war ich zu jung.“ Also wurde er Schiedsrichter. „Das war meine beste Entscheidung gewesen“, so der Gladbecker, der rasend schnell aufstieg. Mit 22 Jahren erhielt er schon die Lizenz für die DEL, seither ist er regelmäßig in der höchsten deutschen Spielklasse aktiv. Und auch international durfte er bald ran. „Ich habe national alles erreicht und international auch“, sagte Kowert. Einzige Ausnahme: Für olympische Winterspiele ist er bislang nicht berücksichtigt worden. Der Linesman: „Dieser Traum wird wohl ausgeträumt sein.“

Bei rund 30 Saison-Partien der DEL steht Andreas Kowert auf dem Eis. Seine allererste wird er natürlich nie vergessen. „Das war ein Spiel zwischen der DEG und Köln an der Brehmstraße, Gerd Müller war der Hauptschiedsrichter“, erinnert sich Kowert. Das Debüt ausgerechnet das rheinische Derby, bei dem immer alles passieren kann. „Ich habe das offensichtlich ganz gut hingekriegt damals“, so der 35-Jährige.

Muss wohl so gewesen sein. Denn ansonsten wäre Kowert wohl kaum am vergangenen Wochenende wieder für den immergrünen Vergleich zwischen Düsseldorf und Köln angesetzt worden. War er eigentlich besonders aufgeregt vor diesem Vergleich? „Ich bin tatsächlich immer noch nervös, und in diesem Fall besonders. Normalerweise finden ja DEL-Spiele vor 14 bis 15000 Zuschauern statt oder in Köln vor 18500, wenn die Halle ausverkauft ist.“ Als die Partie lief, sei es aber eine wie jede andere gewesen. „Man ist dann völlig auf das Spiel fokussiert“, so Kowert.