Adler peilen den Aufstieg an

Es ist der 15. Juni 2014: Abpfiff in der Glückauf-Kampfbahn. Adler Ellinghorst steht nach dem verlorenen Relegationsspiel um den Klassenerhalt gegen die Spielvereinigung Middelich-Resse vor einem Scherbenhaufen. Heute, fünf Monate später, ist von der Ellinghorster Katerstimmung nichts mehr zu spüren. Trübsal blasen? Nicht mit dem zum dritten Mal zurückgekehrten Trainer Peter Zültzke.

Simon ist der Mittelfeldstratege

Er hat seiner Mannschaft Beine gemacht, ein Team aufgebaut, der Truppe Zusammenhalt eingepflanzt und – besonders wichtig für die Ascheplatzhelden, wie sich die Ellinghorster wegen ihres miserablen Platzes ironisch nennen – alte Tugenden aufleben lassen: Mit Zültzke kratzen, beißen und ringen die Rothemden wieder bis zum Umfallen. Der Übungsleiter hat das geschafft, was nach dem langjährigen Trainer Franco Busu (jetzt SC Schaffrath) keinem mehr an der Ellinghorster Straße gelungen war.

Adler-Chef Jörg Waschkewitz sagte nach dem Abstieg der Erstvertretung: „Wer Ur-Adler ist, der wird auch Adleraner bleiben.“ Er sollte Recht behalten. Zwar verließen in Tobias Dudde und Jo Bornemann wichtige Spieler den Verein, doch die Leistungsträger blieben erhalten. Dominik Lischka ist als Libero eine Bank. Alex Konradi ein unermüdlicher Arbeiter im Sturm, der dennoch häufiger das Tor treffen dürfte. Und zweifelsohne darf Regisseur Florian Simon nicht vergessen werden. Der Mittelfeldstratege bescherte den Adlern mit etlichen Toren und taktischem Geschick eine Vielzahl der bisher 33 eingefahrenen Zähler.

Dudde ist wie ein guter Wein

Warum die Adler derzeit auf dem zweiten Rang liegen und sich noch berechtigte Chancen im Kampf um den Aufstieg machen, erklärt sich in der heterogenen Altersstruktur. Abwehr-Veteran Tom Dudde wird - ähnlich wie ein Wein - mit dem Alter immer besser. Er ist mit seinen 51 Jahren kaum zu stoppen. Auch Norman Ohl tut den Jungs mit seinen 31 Lenzen gut. Verteidiger Marco Kroll (21) und Flügelflitzer Marco Przybyla (20) profitieren von den Erfahrungen der Oldie-Abwehr. Die Konsequenz: Erst 18 Mal musste Torwart Rafael Schulz hinter sich greifen. Es ist die klar beste Defensivreihe der Liga - wie in besten Busu-Zeiten.

Bei aller Freude: Die Gefahr für die Adler lauert im derzeitigen Erfolg. Nach der Hinrunde ist der Aufstieg das erklärte Ziel. Doch es stellt sich die Frage: Ist die Mannschaft reif genug, um wieder in der Kreisliga A zu bestehen?

Fakt ist, dass die Ellinghorster im bisherigen Verlauf der Meisterschaftsrunde in dem einen oder anderen Spiel - zu nennen sind etwa die Begegnungen mit Eintracht Gelsenkirchen oder Schwarz-Weiß Buer-Bülse - den nötigen Killerinstinkt haben vermissen lassen. Jenen Killerinstinkt, den Adler-Trainer Peter Zültzke immer wieder fordert. Die Folge: In den Topspielen gab es für die Ellinghorster mehr Unentschieden als Siege.