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Biathlon

Zwei Russen im Wunderland beim Biathlon auf Schalke

30.12.2012 | 17:58 Uhr
Sängerinnen: Magdalena Neuner, Kathrin Lang (rechts) und Sabrina Buchholz (links).Foto: Bernd Lauter

Gelsenkirchen.  Ekaterina Yurlova und Anton Shipulin genießen als Sieger die einmalige Atmosphäre in der Arena und freuen sich schon auf die Titelverteidigung bei der nächsten World Team Challenge. Abschied von Michael Greis, der sein Gewehr in Zukunft ab und an mal streicheln wird.

Natürlich saß auf der abschließenden Pressekonferenz nach der 11. Biathlon World Team Challenge auch ein Dolmetscher neben dem russischen Siegerpaar. Aber eigentlich hätte er sich die Arbeit sparen können. Die Augen von Ekaterina Yurlova funkelten mit dem Feuerwerk in der Arena um die Wette. Der russischen Biathletin ging es wie so vielen Siegerinnen zuvor, sie wähnte sich im Wunderland. „So etwas gibt es nicht noch einmal auf der Welt, so ein Publikum, es war eine große Ehre für mich, hier zu sein, eine ganz neue Erfahrung“, sprudelte es aus der 27-Jährigen heraus.

Den Zieleinlauf ihres Teamkollegen Anton Shipulin konnte sie kaum erwarten, jubelnd fiel sie ihm um den Hals. In dem Augenblick dachte sie wohl kaum an die 28.000-Euro-Siegprämie, sondern eher an das einmalige Erlebnis vor dieser Rekordkulisse. „Als ich wieder in die Arena einlief, war ich mir sicher, ich dachte nur noch, was muss ich jetzt noch alles machen, um zu gewinnen“, schilderte Shipulin die letzten Sekunden vor dem Zielstrich. Beide freuen sich als Titelverteidiger schon jetzt auf ein Wiederkommen 2013: „Wir werden uns so vorbereiten, dass wir immer wieder kommen können.“

Michael Greis verabschiedet sich tiefenentspannt

Einer, der nicht mehr wiederkommen wird – jedenfalls nicht als Aktiver –, ist Michael Greis. Bei allen elf Events war der Olympiasieger aus Füssen auf Schalke dabei, nun verabschiedete er sich an der Seite von Franziska Hildebrand mit einem respektablen sechsten Rang. Greis war bei seinem letzten Rennen schon so tiefenentspannt, dass er die Reise nach Gelsenkirchen ohne eigene Skier machte: „Da gab es ein Kommunikationsproblem mit meinem Techniker“, meinte er grinsend.

Mit seinem letzten Auftritt war er durchweg zufrieden, schließlich habe er drei Wochen kein Gewehr mehr in der Hand gehalten. „Und beim Stehendschießen verliert man ganz schnell das Gefühl, Biathlon ist dermaßen komplex“, gab er zu bedenken. Sein Schießgerät wird er jedenfalls nicht einem anderen Aktiven vererben: „Ich habe an meinen Waffen so oft herumgetüftelt. Ich werde sie gut verstauen, ab und an streicheln, und wenn es mich überkommt, vielleicht auch ne Salve abfeuern.“

Kleiner Lapsus beim Rennen

Natürlich stand sein Abschied trotz aktiver Teilnahme ganz im Schatten von Magdalena Neuner. Wie ein 007-Girl schwebte sie vom Cat Walk unter dem Arena-Dach zu den Klängen der Bond-Musik „Skyfall“ von Adele aus 40 Metern Höhe an einem Trapez hinab in den Startbereich. Auch diese Aufgabe bewältigte Lena mit ihrer ganz persönlichen Eleganz. Zwei Versuche hatte sie – ganz Perfektionistin – tags zuvor bei der Generalprobe absolviert, um ihre Höhenangst zu besiegen. Natürlich lief alles glatt, ebenso das abschließende Rennen, wo es nur einen kleinen Lapsus gab: Die siegreiche Dorothea Wierer wollte dem Star wenige Meter vor der Ziellinie eigentlich den Vortritt lassen, rutschte dann aber versehentlich über die Ziellinie. Niemand ist perfekt.

Magdalenas Abschied

Doch der anschließenden Party tat dies keinen Abbruch. Spontan griff Neuner zum Mikro und verabschiedete sich mit dem Lied „An Tagen wie diesen“ von ihrem Fan-Publikum. Zuvor bekam sie vom Deutschen Skiverband noch das Sportehrenzeichen in Gold an die Skijacke geheftet, der DSV weiß, was er seinem Goldstück schuldet.

Hemkel und Birnbacher auf undankbarem vierten Rang

Dass bei aller Feierlaune das beste deutsche Paar im Hauptrennen, Andrea Henkel und Andreas Birnbacher, auf dem undankbaren vierten Rang landete, hat niemand der 50 000 Zuschauer sonderlich interessiert. Auf der mit 1342 Meter vergleichsweise kurzen und kurvigen Rennstrecke waren die vier Fehlschüsse am Schießstand nicht mehr auszugleichen. „In die erste Hälfte sind wir nicht so optimal reingekommen, der Rückstand war in der zweiten Halbzeit dann nicht mehr aufzuholen“, bedauerte Birnbacher, der sich mehr ausgerechnet hatte.

Partylaune im Winterdorf

Zufrieden gaben sich die Veranstalter. „Wir sind sehr froh, dass diese Veranstaltung so perfekt gelaufen ist und wir ausnahmslos positive Rückmeldungen von den Sportlern und Zuschauern erhalten haben. Hierfür ganz herzlichen Dank und Glückauf für die weitere Zukunft“, freute sich Arena-Manager Rüdiger Mengede. Kleiner Wermutstropfen: Die im Zielraum durchgeführten Interviews erreichten die Zuschauer in den oberen Rängen nur als Akustik-Brei. Vielleicht eine Aufgabe für 2013?

Ralf Wilhelm



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