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Velden..  Als Ralf Fährmann zur Mittagszeit im Garten des Falkensteiner Schlosshotels sitzt, geht sein Blick hinaus auf den Wörthersee. „Das muss man sich nur mal ansehen, einfach erstklassig“, schwärmt der 26-Jährige. Doch die Idylle täuscht. Das Schalker Trainingslager in Österreich ist für die Spieler richtig harte Arbeit. Trainer André Breitenreiter hat die Zügel spürbar angezogen.

Der zweite Tag in Velden begann für die Schalker Profis morgens um 7.30 Uhr: Unter der Anleitung der Konditionstrainer gab es einen Lauf am Seeufer - „aber nicht ganz herum“, wie Fährmann grinsend anmerkt. Mit solchen Laufeinheiten sollen die Grundlagen dafür gelegt werden, dass Schalke in der neuen Saison auf dem Platz viel mehr Gas geben kann. Dieser Frühsport mag wie ein Relikt aus alten Zeiten herüber kommen, aber er wird die Kondition der Spieler, die in der vergangenen Saison schlechte Laufwerte hatten, verbessern. Breitenreiter erklärt: „Als Spieler war ich auch nie ein Freund von diesen Läufen, aber als Trainer denkt man da ein bisschen anders.“ Und so kommen die Schalker hier in Österreich an vielen Tagen wieder in den Genuss von drei Trainingseinheiten am Tag.

Nach dem Frühsport gab’s das Frühstück, und danach ging es mit dem Fahrrad zum zwei Kilometer entfernten Trainingsplatz des ATuS Velden. Fährmann findet es nicht schlecht, dass der Weg mit dem Fahrrad zurückgelegt wird: „So ist man gleich ein bisschen warm und die Gelenke werden geschmiert.“

Um 10.30 Uhr stand die zweite Einheit an. Die Feldspieler wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine arbeitete mit den Co-Trainern Sven Hübscher und Volkan Bulut an Passübungen, die andere mit den Fitnesstrainern Ruwen Faller und Tobias Stock an Kraft und Kondition. „Die heimliche Folterkammer“, grinste einer der etwa 150 Fans, die am Vormittag zuschauten.

Parallel dazu schnappte sich der neue Torwart-Trainer Simon Henzler die drei Schlussleute Ralf Fährmann, Michael Gspurning und Janik Schilder zur speziellen Torwart-Arbeit. Für Fährmann wieder eine Umstellung: Henzler ist sein dritter Torwart-Trainer innerhalb eines Jahres nach Holger Gehrke und Massimo Battara. Und Schalkes Nummer eins macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Ich bin froh, dass jetzt wieder die deutsche Torwart-Schule da ist.“ Das heißt: Es wird mehr das Spiel eins gegen eins trainiert und etwas weniger die Strafraumbeherrschung. Und das mit mehr Wiederholungen - „sehr anstrengend“, sagt Fährmann.

Zum Schluss der Vormittagseinheit gab es noch Torschusstraining - nun ja, es zeigte sich, dass die Schalker in der vergangenen Saison nicht unbedingt die Schützenkönige der Liga waren… Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Die dritte Einheit stand dann am Nachmittag um 16.30 Uhr auf dem Programm - wieder bei weit über 30 Grad. „Die Sonne brennt hier richtig auf den Rücken“, sagt Fährmann: „Im Trainingslager muss man auf die Zähne beißen, aber ich freue mich auf diese Zeit. Denn da schafft man die Basis für die ganze Saison.“

Schalke hat sich viel vorgenommen und natürlich ist es noch viel zu früh, um daraus abzuleiten, ob die Rechnung diesmal aufgeht - schließlich haben sie vor einem Jahr im Trainingslager in Grassau auch nicht auf der faulen Haut gelegen. Aber: Es ist doch zu spüren, dass ein neuer Zug drin ist, und das liegt sicher auch an André Breitenreiter. „Der Trainer tut uns richtig gut“, schwärmt Fährmann: „Man merkt, dass er unsere Sprache spricht. Er strahlt eine brutale Energie aus.“ Fährmann will keine Vergleiche mit der Zeit unter Roberto Di Matteo ziehen, aber es wird auf Schalke wenigstens wieder positiv gedacht. Nur ist die Frage, wie schnell man das auch auf dem Platz umsetzen kann.

„Fakt ist, dass wir ganz anders Fußball spielen müssen, damit die Euphorie auf die Ränge überschwappt“, fordert Fährmann: „Und um eine Euphoriewelle entstehen zu lassen, ist der Trainer der beste Mann, weil er das vorlebt.“ Auf jeden Fall ist die Stimmung nicht mehr zum Einschlafen - die Spieler fallen am Ende des Tages höchstens müde ins Bett.

Dass das Mannschaftshotel mitten im touristischen Zentrum von Velden liegt, sollte da keinen in Versuchung führen. „Es wird niemand geköpft, wenn er das Hotel mal verlässt“, grinst Schalkes Nummer eins und versichert: „Wir sind alle Profis genug, um zu wissen, was uns schadet und was nicht.“ Wenigstens Fährmann kann man glauben, dass das bei ihm nicht nur Lippenbekenntnisse sind.