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Zünglein an der Aufstiegs-Waage

15.06.2012 | 17:32 Uhr
Zünglein an der Aufstiegs-Waage
Im Hinspiel gab es für den SC Hassel gegen Marl-Hüls einen hohen 5:0-Erfolg. Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool

Hassel.  Landesliga-Meister kann dem TSV Marl-Hüls noch die Aufstiegssuppe versalzen.

Mitte Juni sind die Amateurklubs normalerweise im wohlverdienten Urlaub. Und auch der SC Hassel könnte sich nach der Meister-Krönung am letzten Wochenende längst der Saison-Abschlussfahrt nach Mallorca in der nächsten Woche widmen. Wenn da nicht noch die klitzekleine Angelegenheit an diesem Sonntag im Stadion am Loekamp zu regeln wäre.

Genauer gesagt, will man dem TSV Marl-Hüls noch in die Aufstiegssuppe spucken und das Team von Holger Flossbach ab Sonntag bereits in den Urlaub schicken, während die Konkurrenz in Aufstiegsspielen ihre letzte Chance sucht. Drei Punkte trennen die Mannschaften auf den Rängen drei (TuS Haltern, 50), vier (TSV Marl-Hüls, 48) und fünf (Eintracht Coesfeld, 47) voneinander, jedes Team hat im Fernduell am letzten Spieltag noch eine Chance auf den direkten Aufstieg (Rang drei), oder zumindest auf den Relegationsplatz vier, der allerdings in einer Aufstiegsspiel-Tortur endet.

Marl-Hüls gab vergangenes Wochenende die Pole Position kurz vor Schluss aus der Hand. Bis zu 85. Minute lag man beim Konkurrenten Haltern in Front, ehe sich laut den TSV-Verantwortlichen alles gegen Marl-Hüls verschwor. So tröstete man sich am Ende damit, ein gutes Spiel gemacht zu haben. Und Trainer Holger Flossbach gibt für den Saisonausklang natürlich die Parole aus: „Gegen Hassel müssen wir gewinnen. Ohne Wenn und Aber, es zählt nur ein Sieg.“

So weit die graue Theorie. Zufällig trifft der TSV aber auf Grün-Weiße, die mit ihrer stolz geschwellten Brust momentan kaum noch durch Türen passen. Die Mannschaft von Trainer Michael Schrank kennt das Gefühl einer Niederlage in diesem Jahr nur noch vom Hörensagen. Der Abwehr-Tresor um Wachmann Nedim Djuliman war bislang in dieser Saison erst 16-mal zu knacken, allerdings treffen sie diesmal auf einen Gegner, der schon 70-mal einnetzte (Ligarekord). Der beste Angriff trifft auf die stärkste Landesliga-Abwehr, es gibt schlechtere Konstellationen.

Genüsslich weist Michael Schrank im Rückblick immer wieder gerne darauf hin, dass seine Hasseler schon mal zehn Punkte Rückstand auf den lange Zeit vermeintlichen Titel-Konkurrenten hatten. Doch dann kam der 4. Dezember 2011, der für beide Teams die große Wende bedeutete. Der SC Hassel gewann mit 5:0 am Lüttinghof und leitete spätestens mit diesem Knaller eine beispiellose Erfolgsserie ein, an dessen Ende die Meisterschaft stand. Und der TSV Marl-Hüls? Nun, er rettete sich zwar noch als Herbstmeister in die Winterpause, konnte sich von dieser Klatsche aber nie mehr so richtig erholen und lieferte trotz hochklassiger personeller Nachbesserung in der Winterpause eine wechselvolle Rückrunde ab und musste neben Hassel auch noch den BSV Roxel und eben TuS Haltern an sich vorbeiziehen lassen.

Auch wenn Trainer Schrank dieser Tage immer wieder betont, dass sich seine Mannschaft aufgrund ihrer individuellen Klasse nichts auf den Aufstieg einbilden solle, liefert Gegner TSV Marl-Hüls gerade das Gegenbeispiel ab, dass Einzelkönner nicht immer zwangsläufig eine Klasse-Mannschaft ergeben müssen. Das Gegenteil müssen sie nun beweisen.

Ralf Wilhelm



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