„Wichtig war es, die Grundordnung beizubehalten“

München..  Im Lager der Schalke-Fans gehörte man im Vorfeld des Spitzenspiels beim FC Bayern München schon zu den Optimisten, wenn man auf ein Unentschieden setzte. Die meisten rechneten mit einer Niederlage, nicht wenige sogar mit einer deutlichen Pleite. Alle waren sich sicher, der FC Bayern werde nach der bitteren 1:4-Pleite in Wolfsburg eine Trotzreaktion zeigen. Dass dem FC Schalke 04 dann aber tatsächlich das Kunststück gelang, als erste Mannschaft überhaupt in dieser Saison einen Punkt aus der Allianz-Arena zu entführen, lag an glücklichen Umständen, einer äußerst disziplinierten Mannschaftsleistung und einem pragmatischen Match-Plan von Trainer Roberto Di Matteo.

Es ist die Sehnsucht nach mitreißendem Offensivfußball, die den Schalke-Fan immer wieder dazu treibt, seine Mannschaft selbst nach guten Resultaten in die Mangel zu nehmen. Auch nach dem 1:1 in München herrschte im königsblauen Lager keine einträchtige Zufriedenheit. Man hätte mehr riskieren müssen, schließlich habe man lange in Überzahl gespielt, lautete die am häufigsten vorgetragene Kritik. Aber hätte eine offensivere Spielweise tatsächlich zum Ziel geführt?

Bayern hat starke Individualisten

„Natürlich haben wir lange in Überzahl gespielt. Und in der einen oder anderen Situation hätten wir sicher einen Tacken mutiger sein können“, räumte Benedikt Höwedes nach dem Spiel ein. Schalkes Kapitän, der wie schon im Hinspiel den 1:1-Ausgleich gegen die Bayern erzielt hatte, verteidigte aber die taktische Marschroute: „Ich fand es in Ordnung, dass wir nach der Roten Karte gegen Jerome Boateng unsere defensive Ausrichtung nicht gleich aufgegeben haben. Wichtig war es, die Grundordnung beizubehalten. Die Bayern hatten natürlich einen Spieler weniger auf dem Platz. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Bayern auch zu zehnt immer noch brandgefährlich sind. Sie haben unglaublich starke Individualisten in den vordersten Reihen.“

In der Tat hatte Schalkes Defensive bis zum Schlusspfiff viel zu tun. Bayern erzielte in Unterzahl die Führung und hatte darüber hinaus weitere gute Tormöglichkeiten. Horst Heldt war nach dem Spiel hin- und hergerissen zwischen der Freude über den Punktgewinn und der Ahnung, dass vielleicht doch noch mehr möglich gewesen wäre. „Ich kann mit dem Ergebnis noch nicht viel anfangen“, erklärte Schalkes Manager nach dem Spiel und ergänzte: „Wenn wir ein bisschen mehr gemacht hätten, wäre eventuell auch ein bisschen mehr möglich gewesen. Auf der anderen Seite sollte man demütig bleiben. Wir haben phasenweise auch Glück gehabt. Die Bayern haben trotz Unterzahl gut nach vorne gespielt.“

Schalke spielte viele lange Bälle

Schalkes Trainer Roberto Di Matteo, der in München neben den Langzeitverletzten auf den rotgesperrten Klaas-Jan Huntelaar und Marco Höger verzichten musste, hatte eine Fünfer-Abwehrkette aufgeboten und davor mit Max Meyer, Roman Neustädter und Kevin-Prince Boateng ein Mittelfeld-Trio gestellt, das vorrangig Defensivaufgaben übernahm. Und auch mit acht Verteidigern hatte Schalke Mühe mit der hochkarätig besetzten Offensive der Bayern, die in den Anfangsminuten vor allem über die Außenbahnen angriff. Schalke versuchte sich, mit langen Bällen aus der Umklammerung zu lösen. Das sah zwar nicht immer professionell aus, führte aber zum Ziel. Der lange Abschlag von Torhüter Fabian Giefer und die direkte Weiterleitung von Eric Maxim Choupo-Moting auf Sidney Sam brachten den FC Bayern München nach 17 Minuten zum ersten Mal in ernste Verlegenheit.

Eine Szene, die das Spiel veränderte, auch wenn Schalke nicht das komplette Kapital daraus schöpfte. Bayerns Jerome Boateng sah die Rote Karte nach seinem Foul an Sam. Choupo-Moting patzte aber bei seinem Elfmeter. Er wollte Manuel Neuer verladen, das ging schief. Immerhin war die erdrückende Dominanz der Bayern vorbei. Schalke kam in Überzahl zu größeren Spielanteilen, konnte seine Angriffsbemühungen deutlich überlegter vortragen.

„Ich bin zufrieden. Wir haben einen Punkt in München geholt. Und ich denke, unser Plan ist gut aufgegangen, auch wenn wir einen Elfmeter vergeben haben“, erklärte Schalkes Trainer Roberto Di Matteo nach dem Spiel.