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Vertrauenssache

11.01.2008 | 18:15 Uhr

Seit 15 Jahren veranstaltet der Rad-Club Olympia Buer die Citynacht von Beckhausen.Auch regionale Rennen leiden unter den Dopingskandalen. Aber der Vorsitzende ist guten Mutes

DAS INTERVIEW MIT MICHAEL ZURHAUSEN Zum 15. Mal findet am 21. Mai die Citynacht von Beckhausen statt. Das Radrennen erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit beim Publikum, nicht zuletzt, weil es immer wieder Überraschungen bietet. Mit Organisator Michael Zurhausen sprach WAZ-Redakteurin Sylvia Lukassen.

15 Jahre Citynacht von Beckhausen. Das ist sicherlich ein Grund zum Feiern, aber auch, um einmal Bilanz zu ziehen.

Zurhausen: Ja, ganz sicher. Es gab viel Gutes, aber auch Schlechtes. Na ja, nicht wirklich Schlechtes, aber Dinge, die nicht so gut gelaufen sind. Und es gab auch eine ganze Menge Lustiges.

Was fällt Ihnen da so spontan ein?

Zurhausen: Ich erinnere mich an ein Jahr, da fuhr ich abends noch mal die Strecke ab und sah da plötzlich einen Bagger auf der Straße. Am nächsten Morgen konnte ich soeben noch verhindern, dass die Straße aufgerissen wurde. Das war ganz schön knapp. Oder wie ein zu breit geratener weißer Zielstrich am nächsten Morgen die Autofahrer irritierte. Den mussten wir dann ganz schnell mit schwarzer Farbe abdecken.

Gab es denn auch echte Organisations-Pannen?

Zurhausen: Nein. Wir hatten mit dem THW und der Polizei immer gute Helfer gehabt. Und nicht zu vergessen die Mitglieder unseres kleinen Rad-Clubs Olympia Buer, die vom ersten Tag an für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben.

Nun organisiert der Verein, dessen Vorsitzender Sie sind, das Rennen ja nicht allein, sondern mit der Sportservice-Firma Ihrer Frau Birgit.

Zurhausen: Ja, das ist richtig. So ein Radrennen - und auch jede andere Sportveranstaltung dieser Größenordnung - ist ehrenamtlich nicht mehr durchzuführen. Allein die gesamte finanzielle Abwicklung im Hinblick auf die steuerlichen Regelungen müssen professionell gemanagt werden. Auch die Logistik ist nicht so einfach zu erledigen. Es gibt inzwischen viele Auflagen, um die Sicherheit von Sportlern und Zuschauern zu gewährleisten.

Und mit gutem Sport allein, kann ein Veranstalter die Zuschauer kaum mehr auf die Straße locken, oder?

Zurhausen: Nein. Was die Leute sehen wollen ist Show. So ein Radrennen darf nicht länger als drei Stunden dauern und muss ein ausgewogener Mix aus sehr gutem Sport und Unterhaltung sein. Dazu muss ich eben gute Fahrer am Start haben. Die Leute wollen Weltmeister und Olympiasieger sehen, populäre Sechs-Tage-Fahrer und Bahnspezialisten. Da müssen wir als Veranstalter schon etwas bieten, und das haben wir all die Jahre auch getan, zum Beispiel mit den Olympiasiegern Jens Fiedler aus Deutschland oder Scott McGrory aus Australien.

Die Zuschauerzahlen bestätigen Sie.

Zurhausen: Schon bei der ersten Citynacht wurden unsere Erwartungen mit 3000 weit übertroffen. In der Spitze hatten wir 10 000, das war ein Jahr nach dem Tour-Sieg von Jan Ullrich. In den anderen Jahren haben wir uns so zwischen 6000 und 10 000 eingependelt.

Der Straßenradsport profitiert finanziell von den Zuschauern nicht. Er muss seinen Etat allein durch Sponsorengelder aufbringen. Wie schwierig ist das heute, wo der Radsport durch Doping so arg in die negativen Schlagzeilen geraten ist?

Zurhausen: Wir leiden enorm unter den Dopingskandalen und müssen ständig Aufklärungsarbeit leisten. Hier im lokalen und regionalen Bereich habe ich noch keine Absagen wegen der Dopinggeschichten gehabt. Aber die Zeiten sind hart.

Die Fahrer, die bei Ihnen gestartet sind, sind bisher noch nicht aufgefallen - bis auf eine Ausnahme: Patrik Sinkewitz. Damals war er Jungprofi und fuhr beim Großen Preis der Stadt, den Olympia Buer für RSV Pfeil Erle ausrichtete.

Zurhausen: Oh ja. Und ich bin froh, dass ich die finanziellen Forderungen von Sinkewitz später nicht mehr erfüllen konnte. Als Veranstalter hat man einfach keine Chance. Man kann den Fahrern nur Vertrauen. Viel schlimmer war aber die Situation im Jahr 2006: Eine halbe Stunde vor der Pressekonferenz zum Rennen in Schermbeck wurde bekannt, dass Jan Ullrich im Dopingskandal mit dem spanischen Arzt verstrickt sei. Und ich erzähl' da, wie toll der Radsport ist. Das war schon eine prekäre Lage.

Das alles hat Ihre Motivation aber nicht gebremst, oder?

Zurhausen: Nein. Ich bin ganz zuversichtlich, dass es mit dem Radsport weitergeht. Auch für die Citynacht. Und da dieses Jahr mal wieder ein olympisches ist, plane ich erneut einen Olympischen Sprint wie 1996 mit Michael Hübner, 2000 mit Jens Fiedler und 2004 mit Sören Lausberg. Das wird zwar gut zwei Monate vor den Spielen in Peking schwierig. Aber vielleicht gelingt es mir. Und dann gibt es natürlich noch das Hauptrennen.

Wir wünschen Ihnen jedenfalls viel Erfolg und danken für das Gespräch.

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