Und wieder diese Zerrissenheit

Es ist gerade einmal vier Jahre her, dass Schalke 04 eine ähnliche Zerreißprobe durchgemacht hat. Damals beschrieb Clemens Tönnies das Ende der Magath-Zeit auf der folgenden Jahreshauptversammlung mit dramatischen Worten: „Es ging ein Riss durch den Verein, wir standen vor der Spaltung. Das darf nie wieder passieren.” Jetzt sind die Gräben wieder genauso tief, und man fragt sich, warum die Krisen in diesem Verein immer mit einer schweren inneren Zerrissenheit einher gehen. Die „Tausend Freunde, die zusammen steh’n”, gibt es offenbar nur noch im Vereinslied. Das übrigens singt Clemens Tönnies gerne und mit durchaus glaubhafter Inbrunst.

Schalke ist kein Lackschuh-Klub – den will keiner, auch Tönnies nicht. Die heftigen Emotionen in diesem Verein sind ein hohes Gut, aber was sich am Samstag in der Arena abgespielt hat, hatte wenig mit einem konstruktiven Protest gegen Missstände zu tun. Es war eher Polemik, und es gab durchaus auch Stadionbesucher, die sich dafür geschämt haben, was für ein Bild ihr Verein da in der Öffentlichkeit abgegeben hat.

Seit 14 Jahren ist Tönnies der Vorsitzende des Aufsichtsrates, und es wird niemand bestreiten können, dass es unterm Strich keine schlechten Jahre waren. Dass er gerne auf der großen Bühne steht und anderen mit seiner Außendarstellung manchmal die Luft zum Atmen nimmt, steht auf einem anderen Blatt: Diese Art der Amtsführung wird er überdenken müssen. Aber wer Tönnies zum Teufel jagen will, der sollte auch beachten, dass Schalke ohne die (finanzielle) Hilfe von „CT“ in der Vergangenheit einige Male schon ganz schön aufgeschmissen gewesen wäre. Daraus muss man keine ewige Dankbarkeit ableiten, aber vielleicht einen vernünftigen Umgang.

Schalke hat in dieser Saison mit wichtigen Entscheidungen daneben gegriffen – mit sachlicher Kritik darüber setzt sich jeder auseinander. Und dabei wird man zu dem Urteil kommen müssen, dass es mit Roberto Di Matteo und Schalke nicht passt: Der Italiener wäre durch sein erstes Jahr viel zu sehr belastet, als dass er noch glaubhaft für einen Neuanfang stehen könnte. Aber ein Kahlschlag nach dem Motto „Alles muss raus“ wäre purer Aktionismus.

„Außer Fährmann könnt ihr alle geh’n“, hallte es am Samstag durch die Arena. Man darf sich ruhig einmal vorstellen, wie das bei Spieler wie Max Meyer, Leon Goretzka, Sead Kolasinac, Leroy Sané oder auch Julian Draxler ankommt. Junge Spieler, die doch angeblich dafür stehen sollen, dass Schalke schön bodenständig bleibt.