Stark nur gegen starke Gegner

Der Tabellenzweite gegen den Fünften, Wolfsburg gegen Schalke 04: Klingt interessant, vielleicht ein Spitzenspiel, wenn man die 19 Punkte Abstand zwischen beiden Klubs außer Acht lässt.

Unentschieden, ein Punkt ist ein Punkt - wurde er erkämpft oder hat man zwei verloren? Insgesamt ein munteres Spiel, in dem je nach Perspektive der VfL Wolfsburg zwei Punkte liegen gelassen hat (Wolfsburger Nachrichten) weil er trotz vieler Chancen nur ein Tor gemacht hat (Wolfsburger Allgemeine Zeitung), oder sich die Knappen einen Punkt erkämpft und somit einen weiteren Schritt in Richtung Europa gemacht haben. (Spiegel online)

Dabei hatten die Schalker auch Glück: denn da war noch die böse Sache mit dem Tritt (Bild Zeitung). Es war der Aufreger des Spiels: In der 33. Minute holte Schalkes Sead Kolasinac Wolfsburgs Vieirinha mit einer üblen Grätsche von den Beinen. Der Unparteiische Christian Dingert beließ es bei Gelb - und brachte damit VfL-Coach Dieter Hecking auf die Palme: „Das war Rot!“ (Wolfsburger Allgemeine Zeitung).

Für die „Bild Zeitung“ war klar erkennbar, dass dem Portugiesen Vieirinha vom Schalker Verteidiger brutal das Standbein weggetreten wurde - eine „klare Rote Karte!“ und keinesfalls nur „nur“ eine Gelbe Karte.

Sead Kolasinac hätte für das rüde Einsteigen „Rot verdient“ – urteilten die Sky- und Ran/SAT1-Kommentierungen. „Kolasinac stand kurz vor dem Platzverweis“, was dem Spiel sicher einen anderen Verlauf und vermutlich ein anderes Ergebnis beschert hätte.

Ab diesem Moment befand sich Wölfe-Trainer Dieter Hecking in ständiger Erregung und konnte sich nur schwer wieder einkriegen. „Fortan fühlte er sich und seine Mannschaft fortwährend benachteiligt.“ (Tagesspiegel). Aber längst nicht alle Medien sahen die Situation so eindeutig: Klares Foul, wofür der Bosnier Gelb sah, war in nicht wenigen Blättern als Meldung zu lesen. Für den Kicker war es eine Ermessenentscheidung des Unparteiischen, die mit „Glück“ zugunsten von Kolasinac und Gelb ausfiel. Rot war nicht zwingend.

Gegen starke Gegner hat Schalke in der aktuellen Saison meist respektable Leistung abgeliefert: Zwei Punkte gegen die Bayern geholt, gegen Dortmund, Gladbach und Wolfsburg jeweils einmal gewonnen, Sonntag ein Unentschieden. Das liest sich alles gut. Aber: 0:2 in Freiburg, 1:2 gegen Köln, 0:0 gegen den HSV, 0:1 in Frankfurt, 1:1 gegen Werder, 2:2 bei der Hertha, das magere 0:0 am vorletzten Spieltag daheim gegen den SC Freiburg. Heißt: Zu viele Punktverluste gegen Mannschaften, die eher den unteren Rängen zugerechnet werden.

Schalke ist Tabellenfünfter und muss sich im Endspurt ganz auf das Erreichen eines Europa-League-Platzes konzentrieren. Die noch ausstehenden Gegner Mainz 05, VfB Stuttgart, 1. FC Köln, SC Paderborn und Hamburger SV stehen allesamt in der unteren Tabellenhälfte.