„Schalkes starke Männer stehen am Abgrund“

In den Kommentaren vieler Medien ist Schalkes Manager Horst Heldt der große Verlierer des Di-Matteo-Rücktritts (Die Welt). Zwar wird nicht der Sinn der „Entlassung“, wie die meisten Zeitungen den „Rücktritt“ nennen, in Zweifel gezogen. Der sportliche Zustand der Mannschaft spricht Bände, wie der Kicker analysiert: „Null Leidenschaft, mangelhafte Disziplin, sportliches Chaos in allen Mannschaftsteilen (mit Ausnahme von Keeper Fährmann) – die Auftritte seiner Profis stellten Di Matteo ein konstant miserables Zeugnis aus.“ Zudem wurde dem Trainer auch seine „emotionsfreie Art, die bei einem Folkloreklub wie Schalke als unverzeihlich gilt“ (Süddeutsche Zeitung), zum Verhängnis. Aber für den Focus versteckt der Manager „eigenes Versagen“ hinter der Entlassung des Trainers. „Viele Fans hätten es lieber gesehen, wenn Horst Heldt gegangen wäre.“ Nun aber stellt sich die Frage: Kann der Manager Management?

Vom vorherigen Trainer Jens Keller trennte sich der Verein „besonders würdelos und unseriös“ (Tageszeitung Berlin). Di Matteo ist nun offiziell „zurückgetreten“, was deutlich eleganter wäre – wenn die Sprachregelung Bestand gehalten hätte. Aber wieder einmal war vorab etwas durchgesickert und zwischen den ersten Gerüchten und der offiziellen Vollzugsmeldung durch das Management lag „wertvolle“ Zeit – und das ist wörtlich zu nehmen.

Der Weg zu einer einvernehmlichen und für den Verein kostengünstigen Lösung wurde dadurch erheblich erschwert. Di Matteo soll äußerst erzürnt gewesen sein und seine Bereitschaft, bei der Abfindung entgegenzukommen, wurde empfindlich gedämpft. Die Verhandlungen zogen sich jedenfalls bis in den Abend hin, so dass Horst Heldt selbst auf einen Großteil des U19-Finales verzichten musste (Die Welt).

„Schalkes starke Männer stehen am Abgrund, einer näher als der andere: Clemens Tönnies kann Horst Heldt nicht mehr wirkungsvoll genug schützen, dafür steht er selbst zu stark unter Druck. (Frankfurter Allgemeine Zeitung) „Der Fisch stinkt vom Kopf her“ war unlängst in der Nordkurve zu lesen. Die FAZ fährt fort: „Lange hat der Fleischfabrikant Schalke regiert, notfalls mit Hilfe von Mitstreitern vom Boulevard, die mit ihm ihre Geschäfte gemacht haben, meist zum beiderseitigen Nutzen. Doch inzwischen wird deutlich, wie sehr der Gelsenkirchener Klüngel dem Anspruch hinterherhinkt, den Schalke immer noch erhebt: in der Champions League zu kicken.“

Heldt ist weder der Liebling des Publikums noch ein Mann des Boulevards. Trainer Nummer fünf in seinem vierten Jahr als für den Sport verantwortliches Vorstandsmitglied soll scheinbar der Befreiungsschlag werden. Seine letzte Patrone?

„Horst Heldt will Schalke mal wieder neu erfinden“ kommentiert der SWR. So ganz trifft das aber wohl nicht den Ton, denn Schalke darf nicht neu erfunden werden. Schalke 04 ist ein Verein mit Tradition. Schalke muss wieder Schalke sein.