Schalke räumt den Kader auf

Gelsenkirchen..  Chinedu Obasi wird es geahnt haben, dass es nicht gerade um eine gute Nachricht für ihn gehen würde, als ihn Horst Heldt an diesem Mittwoch zum Gespräch bat. In einer persönlichen Unterredung, so viel Stil muss sein, teilte Schalkes Manager dem nigerianischen Stürmer mit, dass dessen bis zum 30. Juni befristeter Vertrag nicht mehr verlängert werden wird. Schalke schließt damit ein Kapitel, das niemanden glücklich stellen konnte: Obasi nicht, weil er in seinen dreieinhalb Jahren auf Schalke nie so recht auf die Beine kam. Und den Klub nicht, weil die Ablösesumme von etwa vier Millionen Euro als ordentliche Fehlinvestition angesehen werden muss. Auch in dieser Saison absolvierte der 28-Jährige nur elf Pflichtspiele – auch aktuell ist er weiter verletzt.

Fuchs muss bis zum Sommer warten

Obasi ist damit der erste Spieler, von dem Schalke die Trennung nach der Saison beschlossen und verkündet hat – weitere werden folgen. Wie groß der Umbruch ausfällt, wird in einigen Fällen nicht zuletzt auch vom Abschneiden in den noch ausstehenden sieben Bundesligaspielen abhängen. So räumt Heldt ein, dass er im Moment mit einem „dreigleisigen Szenario“ planen muss. Der Klub hofft nach wie vor, dass mit dem Heimspiel am Samstag gegen den SC Freiburg eine Siegesserie beginnt, die doch noch eine Chance für die Champions League lässt. Realistisch ist jedoch die Europa League mit deutlich abgespeckten finanziellen Möglichkeiten. Und nicht ausgeschlossen werden darf, dass Schalke sogar noch ganz aus den Europapokalrängen fliegt – dann würde der Kader für die neue Saison sehr viel kleiner ausfallen.

Für diesen Fall kann sich Christian Fuchs schon mal auf einen Abschied einstellen. Heldt teilte dem Österreicher mit, dass Schalke erst nach der Saison darüber entscheiden wird, ob bei ihm eine Chance auf eine Vertragsverlängerung besteht. Heldt geht damit natürlich das Risiko ein, dass Fuchs vorher woanders unterschreibt, aber auch damit könnte Schalke wohl leben.

Besser sieht es für Tranquillo Barnetta aus, mit dem Schalke grundsätzlich weitermachen möchte, aber noch nicht über die Vertragsinhalte gesprochen hat (WAZ berichtete). Zudem laufen noch die Verträge von Torwart Christian Wetklo und Jan Kirchhoff aus. Bayern-Leihgabe Kirchhoff hat das Problem, dass er in der Rückrunde wieder nur verletzt ist und damit einfach nicht unter Beweis stellen kann, warum Trainer Roberto Di Matteo grundsätzlich eine Menge von ihm hält. Und Wetklo hatte schon in dieser Saison als Torwart Nummer vier keine Chance bei Di Matteo.

Fünf Verträge laufen also in diesem Sommer aus – vielleicht wird nur der von Barnetta verlängert.

Doch spannender wird ohnehin, wem Schalke nahe legt, dass eine Trennung trotz eines noch laufenden Vertrages sinnvoll wäre. Roman Neustädter, mit dem zuletzt in dieser Hinsicht spekuliert wurde, soll nicht auf der Streichliste stehen – für ihn wirft sich Horst Heldt ins Zeug (siehe Bericht unten auf dieser Seite). Von Sidney Sam dagegen hat sich Schalke mehr versprochen – bei ihm gab es schon im Winter Gedanken, ihn an den damals interessierten VfB Stuttgart abzugeben.

Die Klausel im Vertrag von Boateng

Und bei Kevin-Prince Boateng bestätigt zwar niemand offiziell, dass die neue Saison ohne ihn geplant wird, aber die Indizien gehen klar in diese Richtung: Der 28-Jährige ist seit Wochen nur noch zweite oder dritte Wahl. Das zeigt zum einen seinen gesunkenen Stellenwert und macht zum anderen womöglich auch eine Trennung günstiger: Boatengs Vertrag auf Schalke (derzeit gültig bis 2016) verlängert sich automatisch um ein Jahr bis 2017, sobald er für Schalke 70 Pflichtspiele absolviert hat. Derzeit steht der „Prince“ bei 57 – und allzu viele dürften nicht mehr hinzukommen...