Schalke 04 II nun eigenständig
15.02.2010 | 18:08 Uhr 2010-02-15T18:08:00+0100
Gelsenkirchen.Wer glaubt, Bodo Menze wäre in letzter Zeit als „Außenminister“ im diplomatischen Dienst des FC Schalke 04 ein „a.D.“ gewesen, der irrt. Obwohl die Schalker sich diese Saison nicht für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren konnten, war der Mann nicht beschäftigungslos.
In der ECA, dem Zusammenschluss der europäischen Großvereine, ist er Sprachrohr der Knappen, zudem wurde der Kontakt zu Zenit St. Petersburg, dem anderen von Gazprom unterstützten Großverein, gepflegt und ausgebaut. Seit vergangenen Freitag ist aber noch eine Aufgabe hinzu gekommen. Der 56-Jährige kümmert sich ab sofort als Leiter um die zweite Mannschaft, die als eigenständige Abteilung aus dem Nachwuchsbereich ausgelagert wurde.
Im „administrativen und organisatorischen Bereich“ betont der ausgebildete Fußballlehrer, der sich aus dem Sportlichen heraushalten wird und diese Aufgabe gänzlich dem neuen Trainerteam um Michael Boris überlässt. Menzes Hauptaugenmerk liegt auf Zulassungsverfahren, Verträge etc.
Welche Bedeutung die U 23-Abteilung für die Profis haben, wird gerade in dieser Saison umso deutlicher: Joel Matip, Lukas Schmitz und Christoph Moritz, eigentlich als wichtige Verstärkungen der Regionalliga-Mannschaft vorgesehen, haben sich längst in der Mannschaft von Felix Magath etabliert und sind aus dem Bundesliga-Geschäft nicht mehr wegzudenken. Kapital für die Zukunft eigentlich, das sich schon in der Gegenwart rentiert.
Aufgabe sei die Ausbildung junger Spieler für den Bundesliga-Kader
Der Idealfall für die Nachwuchs-Abteilung, gleichzeitig ihr „Fluch“. Denn dass die Mannschaft aktuell um den Verbleib in der vierten deutschen Spielklasse bangen muss, ist natürlich auch einem gewissen „Ausbluten“ der Leistungsträger geschuldet. Ein „Ritt auf der Rasierklinge“, sozusagen, was die Aufgabe bei S04 II nicht gerade leicht macht. „Wer hier unterschreibt, muss wissen, dass er eine andere Aufgabe übernimmt, als wenn er Trainer bei Preußen Münster oder Rot-Weiss Essen wird“, betont Menze. Kern der Aufgabe sei eindeutig die Ausbildung junger Spieler für den Bundesliga-Kader. Diesem primären Ziel werde alles untergeordnet.
Dabei müsse natürlich unter allen Umständen der Gang in die Fünftklassigkeit verhindert werden, um den Leistungssprung zu den Profis nicht zu groß werden zu lassen. Menze: „Natürlich wäre es ideal, die Mannschaft in der 3. Liga zu haben, aber eine Meisterschaft kann man nicht planen.“
Ebenso sollten die zur Zeit euphorisierten Fans nicht glauben, es würde jedes Jahr gelingen, drei oder gar vier Nachwuchskräfte in die erste Mannschaft zu integrieren. „Wenn es einer oder zwei würden, wäre das schon ideal“, findet Menze. Damit liegt er sicher nicht ganz falsch – zumal, wenn demnächst wieder internationale Auftritte anstehen sollten und damit die Messlatte für junge Spieler wahrscheinlich noch höher liegen wird. Dann ist er auch wieder in seinem „Zweitjob“ gefordert auf dem internationalen Fußball-Parkett. „Diese Aufgabe ist ebenso interessant und ich denke, zeitlich auch zu schaffen“, so der Leiter.
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