Relegation ist nur ein Etappenziel

Die Arme nach oben: Die Vizemeisterschaft in der Verbandsliga ist perfekt. Jetzt geht es gegen
Die Arme nach oben: Die Vizemeisterschaft in der Verbandsliga ist perfekt. Jetzt geht es gegen
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Was wir bereits wissen
Der T C Gelsenkirchen ist Vizemeister der Verbandsliga und spielt um den Aufstieg in die Oberliga. Es wäre der größte Erfolg der Klubgeschichte.

Gelsenkirchen..  Lehrer bleibt Lehrer. Bis zum vergangenen Jahr war Gerd Hemforth Pauker am Grillo-Gymnasium, seit 1967 war er das. Jetzt ist der 61-Jährige in Altersteilzeit. Trainer der ersten Frauen-Volleyballmannschaft des TC Gelsenkirchen ist er aber immer noch. Und das sehr aktiv.

Der TCG bezwang am Wochenende in der heimischen Halle an der Georgstraße das Schlusslicht RC Sorpesee II klar mit 3:0 und qualifizierte sich somit für die Relegation, in der der Aufstieg in die Oberliga ermittelt wird.

„Die Relegation ist nur das Etappenziel“, stellt Hemforth klar und ergänzt: „Das ist so ähnlich wie mit dem Abitur. Die Zulassung haben wir jetzt in der Tasche. Doch was wirklich wichtig ist, kommt jetzt erst noch.“ Quasi die Abiturprüfung.

Die erste von zwei Prüfungen findet am 17. April statt, dann ist Union Lüdinghausen II in der Halle an der Georgstraße zu Gast. Lüdinghausen hat Verbandsliga 4 als Tabellenzweiter beendet. Eine Woche später geht es dann zum VC Bottrop, dem Tabellenachten der Oberliga. Nur der Erste steigt sicher auf. „Alle drei Teams müssten in etwa auf Augenhöhe sein“, schätzt Hemforth. Union Lüdinghausen habe eine sehr junge Mannschaft, die aber schnell zur „Wundertüte“ werden kann. Nämlich dann, wenn der Verein in der Relegation auf erfahrenere Spielerinnen setzt, die während der Saison in anderen Teams des Vereins gespielt haben. Bottrop schätzt er ebenfalls stark ein. „Es kann für uns aber ein Vorteil sein, dass der VC als Tabellenachter nicht so viele Spiele in der Saison gewonnen hat. Ich bin nicht sicher, inwiefern sie sich für die Relegation motivieren können.“

Dass sein Team hochmotiviert ist, daran hat der Gelsenkirchener keinen Zweifel. Hemforth habe sein Team nach Rang vier im vergangenen Jahr in dieser Saison ebenfalls wieder sehr weit oben erwartet. Wirklich überrascht ist der Trainer vom Einzug in die Relegation deshalb nicht.

Meister SC Hennen hat das Ticket für die Oberliga bereits sicher. „Hennen ist in der vergangenen Saison Dritter geworden. Wir haben die Rangfolge also eingehalten“, sagt Hemforth. „Hennen war schon das beste Team in dieser Saison, der Aufstieg ist hochverdient.“

TCG musste Ausfälle kompensieren

Eine Saison wie diese hat der Übungsleiter in seinen 18 Jahren beim TC Gelsenkirchen aber noch nicht erlebt. „Ich kann mich nicht an ein Spiel erinnern, bei dem alle Spielerinnen mal anwesend waren. Nicht einmal an eine Trainingswoche kann ich mich erinnern, in der das der Fall war“, sagt er. Fast täglich erreichte den Trainer eine Krankmeldung. „Dennoch haben wir eine sehr ordentliche Runde gespielt. Wir konnten die Ausfälle zum Glück immer ganz gut kompensieren“, sagt er. Der TCG stand konstant in der oberen Tabellenhälfte, nie schlechter als auf Platz drei. „Wenn es dann mal kritisch wurde und wir hätten abrutschen können, hat sich die Mannschaft zusammengerissen und konnte das abwenden“, sagt Hemforth, der dabei an die Heimspiele gegen Hörde, Schwerte oder Telstar Bochum erinnert.

Sollte der Aufstieg in der Oberliga tatsächlich gelingen, es wäre übrigens der erste in der Vereinsgeschichte, wird Gerd Hemforth keine Bäume vor Freude ausreißen. „Wir würden auf jeden Fall feiern, für die Aufstiegsparty aber nicht gleich die Arena mieten“, sagt er und lacht. „Selbst, wenn wir nach einem gewonnen Spiel mal gemeinsam ne’ Pizza essen, muss die jeder selbst bezahlen.“

Sponsoren gibt es im Volleyball leider keine oder kaum. Da hat wahrscheinlich jede Fußballmannschaft in der untersten Kreisliga mehr Unterstützung“, sagt er.

Aber vom Aufstieg will Gerd Hemforth ja sowieso noch nichts wissen. Die Relegation ist schließlich nur ein Etappenziel. Der Lehrer hat gesprochen.