Plötzlich singt Willy Millowitsch
22.02.2012 | 17:40 Uhr 2012-02-22T17:40:00+0100
Köln. Der Gelsenkirchener Linienschiedsrichter Andreas Kowert zwischen Kölner Haien und Hamburg Freezers. „Alles gut, alles bestens“, sagt der 32-Jährige nach der Partie vor 8841 Zuschauern in der Lanxess-Arena. Schon am Freitag in Krefeld geht es weiter.
Die Eishockey-Cracks der Hamburg Freezers sind nach ihrem 2:1-Sieg nach Verlängerung im DEL-Spiel bei den Kölner Haien schon wieder auf der Autobahn, da sitzt Andreas Kowert noch in den Katakomben der Lanxess-Arena: gemeinsam mit seinem Essener Linesman-Kollegen Robert Schelewski sowie den Profi-Hauptschiedsrichtern Lars Brüggemann und dem Schweizer Danny Kurmann. Analyse. Und wie ist diese ausgefallen? „Alles gut, alles bestens“, sagt der 32-Jährige. „Wir haben uns noch zwei, drei Szenen auf Video angeguckt, aber es war alles in Ordnung.“
Der Dienstagabend in Köln ist für Andreas Kowert, den Gelsenkirchener Linienschiedsrichter mit der Erfahrung von mehreren Weltmeisterschaften, ein eher gemütlicher gewesen. „Das Spiel war nicht schwierig zu leiten“, sagt er auch. Gerade mal sechs Zeitstrafen – vier gegen Hamburg und zwei gegen Köln – haben die Haupt-Schiedsrichter ausgesprochen. „Es waren ein paar gute Checks dabei“, erzählt der Polizei-Kommissar und erklärt, dass er auch in diesem Spiel so motiviert und konzentriert gewesen sei wie in einer schwierig zu leitenden Begegnung. Und die zwei, drei vielleicht etwas kniffligen Abseitssituationen im letzten Drittel, die seien auch alle richtig entschieden worden.
Als die ersten Zuschauer so kurz vor 18 Uhr an der Lanxess-Arena, die mit 8841 Besuchern nicht einmal zur Hälfte gefüllt sein wird, ankommen, sind die Unparteiischen schon längst da. Und hinterm Parkhaus absolviert das Quartett sein Aufwärmprogramm. „Das ist ein großer Platz, da stehen nur ein paar Autos“, sagt Andreas Kowert. Es gebe jedoch auch Hallen, in denen die Schiedsrichter ein Fahrrad in der Kabine stehen hätten.
Um 19.30 Uhr, kurz nach Hells Bells von AC/DC, geht es dann los. Die Leiden der Haie-Fans beginnen, weil sich Karneval dem Ende nähert und ihre Mannschaft Chancen in Serie hat, aber das Tor nicht trifft. „Das war taktisch eines der besten Spiele des Jahres“, sagt später Haie-Cheftrainer Uwe Krupp (46), der erste deutsche Stanley-Cup-Sieger. „Wir hatten die doppelte Chancenzahl und doppelt so viele Torschüsse. Aber John Curry hat ein paar Unhaltbare gehalten. Ich bin der Meinung, dass unsere Mannschaft die bessere war – von der ersten bis zur letzten Minute.“
Das ändert jedoch nichts daran, dass die Analyse bei Andreas Kowert etwas anders ausfällt. Sein Fazit nach den 65 Minuten: „Von Köln hatte ich eigentlich ein bisschen mehr erwartet. Die brauchen doch jeden Punkt.“ Jeden Punkt auf dem Weg in die Play-offs oder zumindest die Pre-Play-offs (Plätze sieben bis zehn). Irgendwie sieht es nach 42 Minuten auf diesem Weg dann auch ganz gut aus, nachdem Philip Gogulla die Haie mit 1:0 in Führung geschossen hat und die Serie von drei Niederlagen in Serie ein Ende zu nehmen scheint. Doch in der 55. Minute schafft Brett Engelhardt den Ausgleich, ehe die Haie, nachdem sie mit vier Feldspielern gegen drei nicht zu einem Torerfolg gekommen sind, 59 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung das 1:2 hinnehmen müssen. Robert Collins trifft im Nachschuss, nachdem er im ersten Versuch noch an Kölns Torwart Danny aus den Birken gescheitert ist. Entsetzen auf der Tribüne. „Nur ein Tor bei ‘nem Heimspiel, bei ‘nem richtig wichtigen Spiel“, jammert eine Haie-Anhängerin auf der Tribüne.
Der treue Husar
Wie gesagt: Für Andreas Kowert, der eigentlich nur einmal hat schlichten müssen, als sich Gregory Claaßen und Hamburgs David Wolf in der 30. Minuten zanken wollten, geht ein recht gemütlicher Abend zu Ende. Schon in wenigen Tagen wird er sich wohl nicht an viele Szenen dieser Partie erinnern können, wohl schon eher an den legendären Kölner Willy Millowitsch (1909 bis 1999), dessen treuer Husar regelmäßig aus den Boxen der Lanxess-Arena tönt.
Am Donnerstag jedenfalls macht Andreas Kowert Eishockey-Pause und drückt – selbstverständlich – dem FC Schalke 04 bei dessen Europa-League-Auftritt gegen Viktoria Pilsen die Daumen. Bereits am Freitag wird er aber wieder auf dem Eis stehen, bei der Partie der Krefeld Pinguine gegen die Grizzly Adams Wolfsburg. Zwei Tage später heißt es dann Iserlohn Roosters gegen die Nürnberg Ice Tigers. Und Anfang April ist ja auch schon wieder Weltmeisterschaft, diesmal sind es die U-18-Titelkämpfe der Division II in Heerenveen. Ohne Willy Millowitsch.
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