Peinlich
20.09.2009 | 20:19 Uhr 2009-09-20T20:19:00+0200
JC Koriouchi Gelsenkirchen hat nur neun Kämpfer an der Waage und unterliegt beim JC 66 Bottrop mit 1:13.
Der Kampf hatte noch gar nicht begonnen, da herrschte schon große Fassungslosigkeit. Spätestens an der Waage, zu der der JC Koriouchi Gelsenkirchen vor dem Kampf der 2. Judo-Bundesliga beim JC 66 Bottrop nur zu neunt erschien, war klar, dass es für die Mannschaft von Trainer Harald Mantei beim Spitzenreiter und Meister ein Desaster wird. Von den 14 Kämpfen ging gerade mal einer nach Gelsenkirchen. Der Niederländer Willy Bilstra setzte sich im Schwergewicht (+100 kg) gegen Bottrops Tobias Theimann mit seiner Spezialtechnik durch, einem Schenkelwurf (Uchi-mata).
Es war am Sonntag noch lange nicht 17 Uhr in der Bottroper Dieter-Renz-Halle, da schüttelten alle quasi gemeinsam den Kopf. „So”, sagte Harald Mantei, „habe ich mich noch nie blamiert.” Und am liebsten, auch wenn er das so nicht sagte, wäre er gar nicht angetreten. Aber eine 2000-Euro-Strafe kann sich der JC Koriouchi in seiner aktuellen finanziellen Verfassung überhaupt nicht leisten. Die 500 Euro, die nun fällig werden, weil in beiden Durchgängen das Halbleichtgewicht (66 kg) nicht besetzt wurde, schmerzen schon genug.
Arseni Kurmaz kommt nicht
Dem JC Koriouchi fehlte in Bottrop nicht nur die Niedersachsen-Delegation – Ranglisten-Turnier für die Deutschen Meisterschaften –, sondern nach einigen kurzfristigen Absagen hatten die Gelsenkirchener nicht einmal mehr ein Rumpf-Team. Trainer Harald Mantei wiederholte auch seine Kritik und sagte, dass sich der Deutsche Judo-Bund bei seiner Terminplanung mal Gedanken machen müsse. Letztlich aber wird der JC Koriouchi dem JC 66 Bottrop in peinlicher Erinnerung bleiben. Zumal es nicht das erste Mal war, dass die Gelsenkirchener mit einer Mannschaft in der Dieter-Renz-Halle antraten, die alles hat, aber kein Zweitliga-Format. Das hätte sich auch nicht geändert, wenn 66-Kilo-Mann Arseni Kurmaz wie geplant in Bottrop gewesen wäre. Er hätte aber zumindest die 500-Euro-Strafe verhindern können. „Ich weiß nicht, wo er ist. Ans Handy geht er nicht”, sagte Harald Mantei.
Noch ein paar Fakten des Kampfes.
Erstens: Harald Mantei musste über die Waage und ging auch zweimal in der 90-Kilo-Klasse auf die Matte. Der Trainer, der am kommenden Montag 49 wird, gab sowohl gegen den ehemaligen Gelsenkirchener Jeffrey Meeuwsen als auch gegen Dennis Lanfermann sofort auf. Das tat im zweiten Durchgang auch Sascha Stamm (100 kg) gegen Jeffrey Meeuwsen.
Zweitens: In der 73-Kilo-Klasse kämpften für den Judo-Club Koriouchi Grün-Gurte (3. Kyu) in der 2. Bundesliga – erst René Mantei, der gegen Markus Wallerich keine Chance hatte, dann Marvin Osthoff, der Marc Kühlkamp hoffnungslos unterlegen war.
Drittens: Es war nicht einfach für den JC 66, sich und seine Fans bei Stimmung zu halten. Aber dann schrie plötzlich Hallensprecher Volker Tapper in sein Mikrofon: „Sensation.” Der 18-jährige Lars Haarmann, keine 90 Kilo schwer, hatte soeben Willy Bilstra aufs Kreuz gelegt. „Er hat die Aufgabe zu leicht genommen”, sagte Harald Mantei. „Er muss aber genauso ehrgeizig kämpfen wie Gegner, die so schwer und so groß sind wie er.” Aber das war im Vergleich zum Koriouchi-Auftritt nur eine kleine Peinlichkeit.
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