Nils Politt bewahrt einen kühlen Kopf

Deutscher Meister! Nils Politt ließ sich auf dem Weg zum Titel durch nichts aufhalten. Der Kölner erreichte mit einer Minute Vorsprung das Ziel vor seinem Teamkollegen Moritz Backofen.
Deutscher Meister! Nils Politt ließ sich auf dem Weg zum Titel durch nichts aufhalten. Der Kölner erreichte mit einer Minute Vorsprung das Ziel vor seinem Teamkollegen Moritz Backofen.
Foto: Michael Deines
Dass sich Nils Politt am Sonntag wie ein König fühlte, lag nicht allein daran, dass ihm gerade im Schlossgarten eine goldene Medaille um den Hals gelegt wurde. Der Radrennfahrer des Gelsenkirchener Teams Stölting war erschöpft, aber überglücklich.

Bruchsal..  Dass sich Nils Politt am Sonntag wie ein König fühlte, lag nicht allein daran, dass ihm gerade im Schlossgarten eine goldene Medaille um den Hals gelegt wurde. Der Radrennfahrer des Gelsenkirchener Teams Stölting war erschöpft, aber überglücklich. Der 21-Jährige hatte die Hitzeschlacht um die Deutsche U23-Meisterschaft im Straßenfahren für sich entschieden. Die Siegerehrung im Schatten des barocken Bruchsaler Schlosses war der passende Ort, um den bisherigen Saisonhöhepunkt zu feiern.

Sportlich hatte der Kölner eine regelrechte Tortur hinter sich. Genießen konnte er nur die letzten Meter eines beinharten Rennens. Die Konkurrenz kämpfte keuchend im Hintergrund. Mit einer Minute Abstand zum Führenden ging es für sie nur noch um Silber und Bronze. Gold war längst vergeben. Nils Politt riss die Arme hoch und ließ sich vom Applaus der Zuschauer über die Ziellinie tragen. Sekunden, die für alle Anstrengungen entschädigten. Politt hatte ein Rennen dominiert und gewonnen, bei dem nur die Härtesten den Zielbereich erreichten. Temperaturen von bis zu 41 Grad zollten ihren Tribut: Nur 39 von 106 gestarteten Fahrern standen die 154 Kilometer durch.

Hilfe von Jochen Hahn

„Das war schon richtig hart. Aber ich habe früh gemerkt, dass ich viel erreichen kann“, kommentierte Politt den Rennverlauf. Der Veranstalter hatte das Rennen um zwei Runden verkürzt. Die deutsche U23-Elite musste nur 154 anstatt der geplanten 182 Kilometer durchstehen. „Eine gute Entscheidung, über die sich wohl jeder Fahrer gefreut hat“, so Politt. Doch auch das verkürzte Rennen trieb die Teilnehmer bis an ihre körperlichen Grenzen. Mit Eiswasser durchtränkten Schwämmen und Unmengen an Wasser versuchte Politt seine Körpertemperatur nicht in den roten Bereich abdriften zu lassen. „Die Ratschläge von Teammanager Jochen Hahn waren goldwert. Diese Details waren notwendig, um die letzten Prozentpunkte herauszuholen“, erklärte Politt. Hahn hatte im Vorfeld aber auch betont, dass bei diesen äußeren Bedingungen ein Ausstieg aus dem Rennen die einzig richtige Entscheidung sein könnte. Für Politt war das keine Option: „Ich habe mich trotz der Hitze gut gefühlt.“ Neben Politt erreichten vier weitere Stölting-Fahrer das Ziel. Teamkollege Moritz Backofen entschied den Sprint der Verfolgergruppe für sich und wurde Zweiter. Sven Reutter auf Platz acht, Silvio Herklotz auf Platz 17 und Lennard Kämna auf Platz 30 komplettierten das beeindruckend starke Mannschaftsergebnis.

Für Nils Politt war der Sieg in Bruchsal nach dem zweiten Platz bei der Deutschen U23-Meisterschaft im Zeitfahren und dem sensationellen sechsten Platz bei der Bayern Rundfahrt der bisherige Saisonhöhepunkt. Wirklich auf der Rechnung hatte ihn Politt nicht: „Ich bin ohne große Erwartungen an den Start gegangen. In der Vorbereitung hatte ich zwei Erholungstage. Vielleicht war genau das die richtige Taktik.“

Politt will nächsten Schritt machen

Den Vizetitel der Vorwoche und den überzeugenden Sieg bei der U23-Straßen-DM in Bruchsal darf Deutschlands Radrenn-Elite durchaus als Wink mit dem Zaunpfahl bestehen. König werden will Politt zwar nicht, höher hinaus will der Kölner, der schon im dritten Jahr für das Team Stölting fährt, aber schon: „Vielleicht ist es nach dieser Saison Zeit, dass ich den nächsten Schritt mache.“