Lebensinhalt Verein
07.07.2008 | 20:15 Uhr 2008-07-07T20:15:11+0200Susanne Bohlenz ist Teil einer Schützen-Großfamilie: Vier Generationen sind beim BSV Buer-Bülse aktiv.Sohn Alexander macht es nichts aus, so viel Zeit mit den Verwandten zu verbringen
WAZ-SERIE FAMILIENBANDEWenn vier Generationen in einem Haus zusammenleben, spricht schon das für Familiensinn. Doch wenn Familienmitglieder aus allen vier Generationen ein und dasselbe Hobby ausüben, dann spricht das für ein extrem ausgeprägtes Familienbewusstsein: Susanne Bohlenz (41 Jahre) ist beim BSV Buer-Bülse 1926 zu Hause. Und mit ihr Ehemann Frank (42), ihre Mutter Irma Niaura (81), Sohn Alexander (13), ihre Schwester Veronika Brauer (57), ihr Schwager Rainer Brauer (62) sowie deren Kinder und Enkelkinder.
Angefangen hat alles 1972. Veronika Brauer und ihr Mann Rainer kamen durch Zufall in den Verein. Und Veronika Brauer war es, die sich von ihrem Mann überreden ließ: "Komm doch mal mit", hatte er gesagt. Noch etwas skeptisch ging sie mit: "Das hat er jetzt davon", sagt sie. Denn der Verein wurde zum Lebensmittelpunkt. Sie nahm ihre jüngere Schwester Susanne Bohlenz mit, die lernte im Verein ihren Mann Frank kennen. Und da sie schon einmal dabei waren, führten die Schwestern auch ihre Mutter Irma Niaura in die Vereinskultur ein. Zwar nicht mehr zum Schießen, aber zur wichtigen Unterstützung hinter der Theke.
"Entweder man findet es spannend, oder man kann es nicht nachvollziehen. Dazwischen gibt es nichts", sagt Susanne Bohlenz. Und wer seine ganze Freizeit in den Verein steckt, wer am Wochenende mit den verschiedenen Teams unterwegs ist, der entwickelt einen anderen Freundeskreis. Einen Kreis, der ebenso bei den Schützen zu Hause ist: "Der Verein ist unser Lebensinhalt", sagt Susanne Bohlenz und Veronika Brauer ergänzt: "Ich wüsste sonst gar nicht, was ich mit meiner Freizeit machen sollte. Es ist für mich schon komisch, wenn an einem Wochenende nichts ist."
Der dritte Platz bei einer Landesmeisterschaft war der größte Erfolg von Susanne Bohlenz, geschossen mit dem Kleinkalibergewehr auf 100 Meter Entfernung. Mittlerweile schießen die beiden Schwestern nicht mehr: "Wir kümmern uns um die anderen", sagen sie. Veronika Brauer als Sportleiterin, Susanne Bohlenz als Geschäftsführerin.
Und dann ist da noch der Nachwuchs. Alexander darf sich rühmen, der erste Jugendliche aus dem Verein zu sein, der in den Landeskader aufgenommen wurde. Sie sind stolz auf ihn, die Eltern, die Großfamilie, die Vereinsmitglieder. Vater Frank hofft auf den großen Erfolg seines Sohnes: "Ich wünsche mir, dass mein Sohn einmal Deutscher Meister wird. Der setzt sich so für seinen Sport ein, da soll er auch etwas erreichen." An Vorbildern mangelt es ja nicht im Verein. Schließlich ist der mehrfache Olympiateilnehmer Maik Eckhardt Mitglied.
Die Erfolge ihrer Bundesligamannschaft verfolgen alle Mitglieder ganz genau. Rainer Brauer nennt das Ziel für die kommende Saison: "Hoffentlich werden wir Deutscher Mannschaftsmeister." Viermal gelang das bislang, zwei Mal lagen sie knapp daneben. Seine Schwägerin Susanne Bohlenz hat als Geschäftsführerin den Gesamtverein im Blick: "Die Generation zwischen 30 und 45 Jahren ist schlecht vertreten. Schützenvereine haben sich geändert. Wir können anders, als am Sonntag in grüner Jacke über die Straße zu rennen."
Alexander sitzt derweil ruhig daneben und hört konzentriert zu. Dem Nachwuchstalent macht es nichts, so viel Zeit mit Eltern, Tante und Onkel sowie Oma zu verbringen: "Mir gefällt es", sagt er. Das Vier-Generationen-Haus in Gelsenkirchen-Scholven wird auch in den kommenden Jahren in der Freizeitgestaltung an einem Strang ziehen.
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