Knockout für Heßlers Partypläne

Francesco Pianeta kann es einfach nicht fassen. Er verliert den Weltmeisterschaftskampf gegen Ruslan Chagaev durch K.-o. bereits in der ersten Runde.
Francesco Pianeta kann es einfach nicht fassen. Er verliert den Weltmeisterschaftskampf gegen Ruslan Chagaev durch K.-o. bereits in der ersten Runde.
Foto: dpa

Magdeburg..  Vor der Magdeburger Arena singt ein Mann Schalke-Lieder. Wenn er das Nullvier anstimmt, klingt die ganze Melancholie durch. Nach Mitternacht auf Asphalt zwischen Plastikbechern und Scherben zu stehen, das hatte er sich im Vorfeld anders ausgemalt. Eigentlich wollte der Besucher aus dem Ruhrgebiet in Klubs tanzen und seinem Freund zum WM-Titel im Schwergewichts-Boxen gratulieren.

Doch der Plan ging nicht auf. Besser gesagt: Er scheiterte fatal. Francesco Pianeta hatte sich den Titel zum Ziel gesetzt. Für die Freunde aus dem Fußballverein Grün-Weiß Heßler. Für seine Heimatstadt Gelsenkirchen. Für Deutschland, das seit 83 Jahren auf einen WM-Titel in der höchsten Gewichtsklasse wartet. Doch in der ersten Runde ging Pianeta bereits auf die Bretter. Titelverteidiger Ruslan Chagaev hatte ihm schnell drei harte Schläge mit der Linken verpasst und feierte einen K.-o.-Sieg in nur zwei Minuten und 57 Sekunden.

Nach dem entscheidenden Niederschlag verstummten Pianetas Anhänger sofort. Vor dem Kampf war die Euphorie noch groß. Sie glaubten an ihren Kumpel, der in Heßler Vereinspräsident ist und der für die Grün-Weißen teilweise noch die Fußballschuhe schnürt. Die Freunde bemalten ein großes Bettlaken und wünschten Pianeta auf diesem Wege Glück. Als es in der Halle lauter wurde, konnte jeder Zuschauer die Gesänge der Gelsenkirchener trotzdem noch heraushören. Die Unterstützung half nicht.

Francesco Iacino starrte nach der Niederlage ins Leere. Er ist Trainer beim B-Ligisten und gleichzeitig Pianetas bester Freund. Er musste dem Boxer Trost spenden, ihm vor dem Gang zur Pressekonferenz noch mal in den Arm nehmen. Dabei weinte Iacino. Das drückte zusätzlich auf Pianetas Gemüt. „Das tut mir leid für meine Jungs. Die nehmen so eine weite Strecke auf sich und dann enttäusche ich sie“, sagte der 30-Jährige im Gespräch mit der WAZ.

Pianeta wollte sich später bei allen um ihn herum entschuldigen. Bei Promotor Ulf Steinforth, der neun Monate mit der Vorbereitung des Kampfes beschäftigt war. Bei Trainer Dirk Dzemski, der mit Pianeta im Trainingscamp in Halle an der Saale schuftete. Beim TV-Sender, der sich einen längeren Box-Abend versprochen hatte. „Ich habe mich auf zwölf harte Runde eingestellt, und dann verpenne ich direkt die erste“, sagte Pianeta nach der Niederlage.

Vor zwei Jahren lief es zu Beginn besser. Im WM-Kampf gegen den großen Wladimir Klitschko hielt Pianeta die ersten Runden mit. In der sechsten gelang dem Ukrainer der Knockout. Gegen Chagaev war Pianeta wieder der Außenseiter. Dass der Kampf ein so schnelles Ende nehmen würde, hatte aber niemand erwartet. Eine dritte WM-Chance dürfte es für Pianeta so schnell nicht geben. Er wirkte so, als wolle er Abstand gewinnen. „Ich werde mich um meine Familie kümmern und das Handy erstmal ausschalten“, sagte der zweifache Vater.

Zerstreuung auf dem Fußballplatz

Eventuell findet er die nächsten Wochen Zerstreuung auf dem Fußballplatz. Mit Heßler verfolgt Pianeta noch ein großes Ziel – die erste Mannschaft soll 2016 in der Kreisliga A spielen. Zuletzt hat der Präsident sein Amt ruhen lassen, um die Spielerverpflichtungen und die Sponsorenakquise kümmerten sich andere aus dem Verein. Nun hat Pianeta für diese Dinge wieder mehr Zeit – schließlich muss er keinen WM-Gürtel verteidigen. Schön findet das in Heßler aber niemand.