Julian Stonjek gelingt der große Wurf

Überraschung geglückt: Eltern und die Vereinskollegen vom Bushido-Ryu bereiten dem Vize-Weltmeister einen besonderen Empfang.
Überraschung geglückt: Eltern und die Vereinskollegen vom Bushido-Ryu bereiten dem Vize-Weltmeister einen besonderen Empfang.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bei der U21-Weltmeisterschaft im Ne-Waza ist der Gelsenkirchener (fast) nicht aufzuhalten. Der 18-Jährige unterliegt erst im Finale. Ein großer Erfolg auch für das Budo-Sport-Center Bushido-Ryu.

Erle..  Ahnungslos betrat Julian Stonjek, wie fast an jedem Tag, das Vereinsheim des BSC Bushido-Ryu in Gelsenkirchen. Gerade einen Tag von den U-21-Weltmeisterschaften im Jiu Jitsu zurück, erwartete Stonjek aber alles andere als der graue Trainingsalltag. Mit einem Meer aus Wunderkerzen in der Hand standen die Mitglieder des Budo-Sport-Clubs Spalier, um den frischgebackenen Vize-Weltmeister im Ne-Waza zurück in der Heimat zu begrüßen. Bei seiner ersten WM-Teilnahme musste sich Stonjek in Athen nach Punkten erst im Finale geschlagen geben.

Beim Schüleraustausch fing alles an

Noch vor vier Jahren wusste der damals 14-Jährige noch überhaupt nichts mit Kampfsport anzufangen. Ein Schüleraustausch in Brasilien sollte das allerdings ändern. „Ich wurde direkt am ersten Tag mit in die Sporthalle genommen. Da ich niemanden außer meinen Gastbruder kannte, bin ich einfach mit hin“, erinnert sich Stonjek. Seine Gast-Eltern kümmerten sich prompt um die nötige Ausrüstung.

„Da blieb mir ja nichts anderes übrig, als dort regelmäßig hinzugehen“, sagt der heutige U-21-Vize-Weltmeister im Ne-Waza, einer Form des Jiu-Jitsu, bei der aber keine Schläge und Tritte erlaubt sind. Vielmehr muss der Gegner zu Boden gebracht werden und dort mit Hebel- oder Würgegriffen zur Aufgabe gebracht werden.

Mit mehr Übung fand der Gelsenkirchener schnell Gefallen an der neuerlernten Sportart und suchte gleich nach seiner Ankunft in Deutschland nach einer Trainingsmöglichkeit. Gefunden hat er diese bei Trainer Chris Oczylok und dem Verein Bushido-Ryu in Erle. „Ich habe allerdings erst auf den ersten Wettkämpfen gemerkt, dass ich ganz gut bin“, erinnert sich Stonjek und lacht. Diese Ansicht teilt Bundestrainer Matthias Hübner mit dem Nachwuchskämpfer. Seit den German Open im vergangenen Jahr ging alles ziemlich schnell. Im deutschen U-21 Kader gab es keinen Teilnehmer im Ne-Waza, sodass Hübner dem erst 18-jährigen Stonjek einen Platz und die Teilnahme in Athen anbot. Neben der Vorbereitung auf das Abitur im Sommer kamen deshalb noch Kaderlehrgänge und Trainingslager hinzu. Seit Anfang des Jahres hat der Gelsenkirchener sein Training nochmals intensiviert.

Über Hamburg ging es nach Athen

Das große Ziel war die Olympiahalle Faliro in Athen, in der die Wettkämpfe ausgetragen wurden. Über Hamburg ging es in die Hauptstadt Griechenlands, wo der zweite Kampftag ein ganz besonderer für Stonjek werden sollte. „Der erste Kampf war der schlimmste. Ich war sehr nervös“, schildert Julian Stonjek, der vorher zusehen musste, wie sein Gegner einen Teilnehmer aus Griechenland bei seiner Heim-WM dominierte. „Meine Vorbereitung war allerdings perfekt. In den letzten Minuten vor dem Kampf musste ich mich um nichts mehr kümmern und konnte mich voll und ganz auf meinen Gegner konzentrieren“, erklärt Stonjek. Vor allem seine Trainer haben ihm ein starkes Umfeld vor den Kämpfen geboten.

Nach einem Freilos in der ersten Runde meisterte Stonjek im Viertel- und Halbfinale seine Aufgaben mit Bravour und gewann im Halbfinale bereits nach einer Minute, weil sein Italienischer Gegner keine Befreiung mehr aus Stonjeks Griffen wusste. „Vor dem Finale ist dann alles eine Nummer größer. Die Tribüne ist voller und das Scheinwerferlicht ist auf die Kampffläche gerichtet“, schildert Stonjek.

Fünf Minuten lang tasteten sich Stonjek und der spätere Weltmeister aus Schweden ab, dann wollte es der Gelsenkirchener wissen und den Titel mit nach Deutschland nehmen: „Ich habe versucht, ihn herumzudrehen, wobei er einen Griff von hinten ansetzte, der drei Punkte in der Wertung gibt.“ Das war auch der Endstand. Denkbar knapp musste sich Stonjek mit dem Vize-Weltmeister Titel zufriedengeben.

Für den BSC Bushido-Ryu macht das keinen Unterschied. Weltmeisterlich von Kämpfern und Eltern empfangen, fehlten dem Vize-Weltmeister kurzzeitig die Worte, bevor er seinen Erfolg mit dem gesamten Verein feierte.