Jan Kirchhoff macht beste Eigenwerbung

Gelsenkirchen..  In der zehnten Minute ahnte Jan Kirchhoff die spielentscheidende Szene voraus. Der Defensiv-Allrounder des FC Schalke 04 stand im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach am Strafraum der Gäste und spürte, dass Gladbachs Raffael den Ball nicht unter Kontrolle bringen kann. Kirchhoff eroberte das Spielgerät, passte es zu Kevin-Prince Boateng – und dessen scharfe Flanke nutzte Tranquillo Barnetta zum 1:0-Siegtor. Entscheidend beteiligt: Der 1,95 Meter große Kirchhoff, der es bisher nicht leicht hatte auf Schalke. Und der womöglich gehen muss. Denn der Leihvertrag mit dem FC Bayern endet am Saisonende.

Kirchhoff nutzte das Gladbach-Spiel für Eigenwerbung, er zeigte seine beste Leistung im Trikot des FC Schalke 04. Er leitete nicht nur das Tor ein, sondern war der laufstärkste Spieler auf dem Feld. Er spulte 12,37 Kilometer ab und war ein starker Balleroberer. Und nach dem Abpfiff präsentierte er sich wohltuend reflektiert. „Es ist das erste Mal, seit ich auf Schalke bin, dass ich mich körperlich gut fühle. Nach dieser Winter-Vorbereitung nehmen mich die Spiele nicht so mit wie in der ersten Halbserie. Ich kann mich da an viele Partien erinnern, in denen ich nach 60 Minuten sagen musste, dass der Tank leer ist“, sagte er.

Dass er immer wieder auf sich aufmerksam machen darf, hat er Trainer Roberto Di Matteo zu verdanken. Der erwähnte schon kurz nach seinem Amtsantritt, von Kirchhoffs Qualitäten im Spielaufbau überzeugt zu sein. „Ich habe bei ihm immer auf dem Platz gestanden, wenn ich gesund und fit war. Er hat immer zu mir gehalten, auch in Situationen, die nicht ganz so einfach waren“, erklärt Kirchhoff. Damit meint er zum Beispiel die 0:5-Niederlage gegen den FC Chelsea. Da hatte Kirchhoff einen rabenschwarzen Tag erwischt.

Doch nun scheint er langsam in Schwung zu kommen und sich vielleicht doch noch für einen neuen Vertrag aufzudrängen. Zwar ließen die Schalker Ende Dezember die Kaufoption über sechs Millionen Euro verstreichen, doch es ist gut möglich, dass Horst Heldt in Sachen Kirchhoff noch einmal an den Verhandlungstisch mit den Bayern zurückkehrt. „Ich weiß natürlich, dass es kein Wunschkonzert ist und ich es mir nicht aussuchen kann. Aber ich würde mich freuen, auf Schalke zu bleiben. Das habe ich oft genug betont, auch öffentlich. Horst Heldt weiß das ebenfalls“, sagt er.

Ob er wirklich bleiben darf oder nicht – das wird auch davon abhängen, ob Kirchhoff noch häufiger so spielt wie gegen Mönchengladbach.