Hannah Cichos sitzt für Deutschland im Sattel

Hannah Cichosgewann 2013 mit der deutschen Equipe die Goldmedaille bei den Europameisterschaften in Arezzo.
Hannah Cichosgewann 2013 mit der deutschen Equipe die Goldmedaille bei den Europameisterschaften in Arezzo.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die 17-Jährige gehört zu den besten Dressurreiterinnen ihrer Altersklasse. Die Schülerin aus Buer ist Mitglied des Bundeskaders der Junioren. Mit Four Ever will sie noch viele Erfolge feiern

Buer..  Als Oma Heidi ihrer Enkeltochter Hannah zum zweiten Geburtstag ein Shetlandpony schenkte, konnte sie nicht ahnen, welchen Stein sie da ins Rollen gebracht hatte. Gut 15 Jahre später gehört Hannah zu den erfolgreichsten Dressurreiterinnen ihrer Altersklasse in Deutschland. Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen hat die 17-Jährige jetzt sogar in den Bundeskader der Junioren berufen.

Das Shetlandpony namens Mary steht schon lange nicht mehr im Stall, dafür seit dem vergangenen Jahr ein schickes, hochveranlagtes Dressurpferd namens Four Ever. „Er ist im Umgang eher wie ein Hund“, sagt Hannah und lacht. „Total lieb, will geknuddelt werden und am liebsten auf den Arm.“

Unterricht bei Klaus Balkenhol

Neben der Schule, Hannah besucht die elfte Klasse des Leibniz-Gymnasiums, und dem Reitsport, bleibt nicht mehr viel Zeit. Jeden Tag geht es gleich nach der Schule zur Reitanlage von Klaus Balkenhol nach Coesfeld, auf der Four Ever sein Pferdeleben genießt. An sechs Tagen pro Woche reitet Hannah den Westfalen, meistens unter der Anleitung des Olympiasiegers von 1992 und 1996, oder aber Balkenhols Tochter Anabel, die ebenfalls schon bei Olympischen Spielen geritten ist.

Keine Frage, der zeitliche Aufwand ist immens. Und dass Geld im Reitsport nicht ganz unwichtig ist, um erfolgreich zu sein, steht ebenfalls außer Frage. Hannah weiß: „Ohne die Unterstützung durch meine Eltern könnte ich den Sport in dieser Form nicht ausüben.“

Dennoch: es gibt wohl nur wenige Sportarten, die derart hohes Verantwortungsbewusstsein und Fleiß voraussetzen wie der Reitsport. Schließlich ist der Partner ein Lebewesen, das jeden Tag betreut werden muss. Das Pferd nur zum Reiten aus dem Stall zu holen, das funktioniert nicht.

Hannah besuchte noch den Kindergarten, als sie an den ersten Reitturnieren teilnahm. Es kam allerdings vor, dass Shetlandpony Mary lieber den Blumenschmuck abfraß, statt zu laufen. Mit acht Jahren bekam Hannah dann Chicco, ein schickes und erfahrenes Pony, das perfekt zum Lernen war.

Mit 13 Jahren ritt die Bueranerin, die für den Ländlichen Reit- und Fahrverein Gelsenkirchen-Buer startet, schon Nachwuchschampionate und wurde zum Stützpunkttraining eingeladen. Landestrainerin Conni Endres wurde auf Hannahs Talent aufmerksam und nominierte sie für den Landeskader. Da Chiccos Fähigkeiten für anspruchsvollere Lektionen, die in höheren Prüfungen gezeigt werden müssen, nicht ausreichten, kauften Hannahs Eltern Massimiliano, mit dem die damals 15-Jährige auch in internationalen Prüfungen konkurrenzfähig war. 2012 siegte Hannah bei den Westfälischen Meisterschaften und verdiente sich durch Erfolge bei den Deutschen Meisterschaften und eben in internationalen Prüfungen erstmals die Nominierung für den Pony-Bundeskader.

Europameisterin in Arezzo

Die ehemalige Championatsreiterin Ann Kathrin Linsenhoff hatte ein Pony im Stall, das für ihre Tochter noch nicht geeignet war. Also bekam Hannah die Chance, den elfjährigen Lord Champion vorzustellen. Mit großem Erfolg. So wie im Juli 2013 bei den Europameisterschaften im italienischen Arezzo. Mit der deutschen Dressur-Equipe wurde Hannah Europameisterin, in der Einzelwertung Sechste.

Mit 16 Jahren war die Ponyzeit allerdings beendet, der Umstieg aufs Großpferd stand an. Kein leichtes Unterfangen. Schon gar nicht, auf Anhieb ein passendes Pferd zu finden. Hannah war plötzlich weit entfernt von vergangenen Erfolgen. Mit einem Pferd aus den Niederlanden fand sie trotz größter Anstrengung nie zusammen. „Andere Mädchen in ihrem Alter hätten aufgegeben. Hannah wollte es schaffen. Aber irgendwann ging es nicht mehr“, erklärt Mutter Susanne Cichos.

Die Suche ging also weiter und führte die Familie im Juli 2013 zu Klaus Balkenhol. Hannah testete Four Ever, der seinen Namen seinem Geburtsdatum verdankt: dem 4.4.2004. Nach einigen Probestunden entschied sich die Familie für den Kauf des zehnjährigen Wallachs. Einen Monat später gewann Hannah ihre erste M-Dressur beim Turnier des ZRFV Scholven, mittlerweile hat das Paar schon zwei Prüfungen der Klasse S, der schweren Klasse, gewonnen.

Oma Heidi kann den Werdegang ihrer Enkeltochter leider nicht mehr verfolgen, sie verstarb vor drei Jahren. Hannah trägt bei jeder Prüfung eine goldene Kette, die früher ihrer Oma gehörte. Ein Glücksbringer. Ein Geschenk.