Extrem aufgeladen

Gelsenkirchen..  Selten war die Stimmung vor dem letzten Heimspiel einer Saison auf Schalke so negativ aufgeladen wie diesmal. Wenn an diesem Samstag (15.30 Uhr) der SC Paderborn in die Arena kommt, haben die Fans massive Proteste angekündigt und die Vereinsverantwortlichen eine Gegenstrategie dazu entwickelt. „Ich habe mit dem Mannschaftsrat gesprochen, um die Spieler auf die Szenarien am Samstag vorzubereiten“, berichtet Manager Horst Heldt.

So sollen die Spieler die Transparente, die die Fans in der ersten Halbzeit angekündigt haben, möglichst ignorieren. Nicht, weil sie die darauf formulierten Botschaften nicht zu interessieren haben, sondern weil die Plakate während des Spiels ablenken könnten von der eigentlichen Aufgabe, die an diesem Samstag ansteht: Schalke muss gegen den Aufsteiger SC Paderborn drei Punkte holen, um die Chance auf die Europa League zu wahren. Und, um die Volksseele zumindest etwas zu beruhigen.

Trainer und Manager versichern einhellig, dass sie der geballten Wut der Anhänger nicht verständnislos gegenüberstehen. „Es ist das Recht der Fans, ihren Unmut zu manifestieren. Es liegt an uns, ihr Vertrauen wieder zu gewinnen“, sagt Trainer Roberto Di Matteo.

Um kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen, wird die Mannschaft vor dem Spiel auf den üblichen Gang zur Nordkurve verzichten – „das würde keinen Sinn machen, weil es von den Fans nicht gewünscht ist“, erklärt Heldt. Auch sonst fallen die üblichen Lobhudeleien eines letzten Saisonheimspiels aus: Es wird kein Banner geben, auf dem sich die Spieler für die Unterstützung während der Saison bedanken. Und auch die öffentliche Verabschiedung der zum Saisonende ausscheidenden Spieler entfällt. „Das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür“, begründet Heldt. Vielleicht bekommen die gefeuerten Sidney Sam und Kevin-Prince Boateng die Schalker Grubenlampen ja per Post nachgeschickt...

Der Manager will beobachtet haben, dass die Mannschaft in dieser Woche nach dem Großreinemachen „sehr konzentriert gearbeitet“ habe. Auch Di Matteo sagt: „Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass die Leistung und die Einstellung sehr gut sein werden.“ Schalkes sportliches Führungsduo setzt auf die Kraft eines reinigenden Gewitters; auch wenn die vielleicht erhoffte positive öffentliche Reaktion auf den Dreifach-Rauswurf weitgehend ausgeblieben ist und die (befristete) Suspendierung von Marco Höger kritisch hinterfragt wurde. „Es war nicht das Ziel, eine Entscheidung zu treffen, um die Massen zu beruhigen, sondern es ging darum, bei der Mannschaft ein Zeichen zu setzen“, verteidigt sich der Manager. Ob es wirklich angekommen ist, wird man aber erst auf dem Platz sehen. Heldt wünscht sich eine Mannschaft, bei der man das Gefühl habe, „dass sie die Paderborner auffressen wollen. Das darf aber nicht dazu führen, nach drei Minuten einen Elfmeter und eine Rote Karte zu bekommen.“

Es wird ein heißer Samstag, rund um dieses letzte Heimspiel. Denn Schalke weiß: Wenn auch diesmal nicht Leistung und Ergebnis stimmen, stellt sich womöglich das ganze Stadion gegen die eigene Mannschaft. Heldt will die Spieler auf alles vorbereiten und sagt: „In der jetzigen Situation müssen wir den Stahlhelm aufziehen und da durchgehen.“ Das indes kann man auch weniger martialisch ausdrücken.