„Es würde einen Riesen-Aufschrei geben“

Hat der Einsatz von Schmerzmitteln in der Bundesliga zugenommen?

Definitiv ja. Weil Verletzungsbeschwerden zunehmen und die Kader dadurch dünner werden, ist man eher geneigt, so etwas einzusetzen. Allerdings geschieht das sehr häufig auch ohne Kenntnis der Ärzte. Diese Mittel bekommt man ja teilweise rezeptfrei.

Das heißt, die Spieler greifen von sich aus zu Schmerzmitteln?

Ja, und auch da muss man eigentlich aufklären und vor den Gefahren warnen: Denn diese Mittel können, wenn man sie auf Dauer einnimmt, Magengeschwüre oder Herzrhythmusstörungen auslösen. Die Anti-Doping-Kommission Nada überlegt ja, diese Schmerzmittel mit auf die Dopingliste zu setzen. Untersuchungen haben ergeben, dass über 30 Prozent aller Spieler sich mit diesen Mitteln quasi einsatzbereit halten. Ob das dann Doping ist, ist eine Frage der Definition.

Dann ist der Weg zum Doping aber nicht weit?

So ist das. Die Mittel fördern zwar nicht die Leistung, aber durch die Einnahme sind verletzte Spieler erst in der Lage, ihre Leistung zu bringen. Das Verbot wird diskutiert, aber das würde natürlich einen Riesen-Aufschrei geben.

Ist Ihnen auch der Einsatz von unerlaubten Mitteln bekannt?

Zum Glück nicht. Ich habe ja in den 80-er Jahren angefangen, da gab es ein Anabolikum, das Vereinsärzte den Spielern in der Reha gegeben haben. Dieses Mittel war eigentlich für altersschwache Patienten geeignet, aber es wurde bei Sportlern intramuskulär gespritzt. Das Mittel wäre heute absolut verboten, stand damals, als auch nur wenig getestet wurde, aber nur indirekt auf der Dopingliste, Heute ist das Mittel vom Markt verschwunden. Der Einsatz von echten Dopingmitteln ist mir nicht bekannt. Der Fußball ist dafür auch zu komplex: Da spielen Ausdauer, Schnelligkeit, Taktik eine Rolle. Das einzige, was wirksam wäre, sind Anabolika oder Stimulanzien - beides ist sehr schnell nachweisbar. So dumm kann ja keiner sein, das zu nehmen.

Wird von Seiten der Vereine genug auf den Rat der Mediziner gehört? Sie haben zum Beispiel bei Jefferson Farfan früh zu einer Operation geraten, die dann aber erst sehr viel später erfolgt ist.

Diese Frage wird unterschiedlich beantwortet - je nachdem, wem man die stellt. Natürlich wird ein Manager sagen, dass auf die Meinung der Mediziner Rücksicht genommen wird. Aber ich als Arzt sage, es wird definitiv zu wenig auf die Ärzte gehört. Denn eigentlich sollte die Aussage des Arztes bezüglich der Gesundheit der Spieler verbindlich für alle sein.

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