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Eine Herzensangelegenheit

18.12.2007 | 18:26 Uhr
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Walter Waterwiese war schon in Kinderjahren ein Fan der STV Horst. Der Stadionsprecher beklagt die Interessenlosigkeit und hofft auf eine Erneuerung im nächsten Jahr

FUSSBALL TRADITIONSVEREINE Seit seinem fünften Lebensjahr ist Walter Waterwiese ein großer Fan des Traditionsvereins STV Horst, der in den jüngeren Jahrzehnten eine wechselvolle Geschichte erlebte, die unlängst in die Insolvenz führte. Mittlerweile ist Walter Waterwiese 61 Jahre alt. Er war in den letzten zehn Jahren Stadionsprecher im Fürstenbergstadion, und er kann nicht mitansehen wie ein Stück Tradition so einfach vor die Hunde geht. Für ihn ist die STV Horst eine echte Herzensangelegenheit. Das empfindet man, wenn man seine folgenden Zeilen liest:

Wo sind die Horster Bürger, die in der Lage wären, den Traditionsverein STV Horst Emscher-Husaren zu retten? Als es der STV Horst-Emscher gut ging, haben sich viele Geschäftsleute mit dem Verein eingelassen, zum Beispiel als die Emscher-Husaren 1967 deutscher Amateurmeister wurden. Ganz Horst war auf den Beinen, als die Spieler auf der Galopprennbahn vom Bürgermeister empfangen und geehrt wurden. Als es dem Verein gut ging, haben sich alle in seinem Glanz gesonnt.

Um die STV weiterzuführen, benötigt man etwa 45 000 Euro. Für viele Horster Geschäftsleute ist das ein Taschengeld, wohnen doch mindestens fünf Horster im Stadtteil, die Millionäre sind. Hätte der Schreiber dieser Zeilen die Möglichkeit, diese Summe zu zahlen, würde der Vorsitzende Walter Waterwiese heißen, aber leider besitze ich nicht so viel Geld.

Die STV hatte immer Pech, wenn es bergauf ging, denn zwei Horster Präsidenten sind viel zu früh gestorben - Willi Malinowski und Jürgen Reitböck. Meine geliebte STV würde heute mit Sicherheit in der Regionalliga spielen, wenn nicht sogar in der 2. Bundesliga. Aber der STV hat das Schicksal zweimal böse mitgespielt.

Vor zwei Monaten trafen sich die ehemaligen Meisterspieler zum 40. Jahrestag des Meisterschaftsgewinns. Es wurde bis morgens um vier gefeiert. Aber nicht einer hat sich bisher bei der STV gemeldet und seine Hilfe angeboten. Und wo ist die Hilfe unseres großen Nachbarn Schalke 04, der unseren Spieler Olaf Thon für 20 000 Mark bekommen und ihn ein paar Jahre später für mehrere Millionen an Bayern abgegeben hat. Wo auch ist die Hilfe von Olaf Thon, der in frühester Jugend in Horst gespielt und sich zum Superstar entwickelt hat?

Und dann gibt es in Horst noch eine große Gemeinschaft von Schwätzern, die sich jeden Sonntag treffen und früher sagten: Schmeißt die jetzt Verantwortlichen heraus, dann werden wir Alten wieder angreifen, wieder zur STV kommen. Nicht ein einziger von denen hat sich bei der Mitgliederversammlung blicken lassen.

Nachdem die weltweit bekannte Galopprennbahn in Horst, wo früher außer dem Derby die bekanntesten Rennen gelaufen wurden, dicht gemacht wurde, und nachdem der Verfall des schönen Wasserschlosses Horst nur durch die private Initiative des Herrn Kollner aufgehalten wurde, droht jetzt das Aus eines Traditionsvereins. Man sollte nicht vergessen, dass aus der STV Horst viele Nationalspieler hervorgegangen sind: Heinz Flotho, Weltmeister Berni Klodt, Kurt Sahm, Alfred Kelbassa und zuletzt Olaf Thon, dessen Vater Günter mit der STV Amateurmeister wurde.

Aber alle, alle schauen nur zu. Traurig, traurig! Hoch oben im Himmel laufen viele alte, echte Horster mit Tränen in den Augen herum, weil sie mitansehen müssen, was jetzt mit ihrer STV geschieht. Ich denke da an Willi Malinowski, Walter Düsing, Wolfgang Surholt, Paul Strickling und, und, und ...

Ich habe geschrieben, was mir am Herzen liegt, habe diejenigen, die immer viel reden, aber nichts unternehmen, nicht beim Namen genannt. Aber wenn sie das jetzt lesen, wissen sie schon, wer gemeint ist. Ich hoffe, dass im nächsten Jahr der schon gegründete neue Verein mit dem Namen STV Horst 2007 auch aktiv werden kann. Deshalb zum Schluss noch eine Bitte an den Fußballkreis-Vorsitzenden Manfred Wichmann. Bitte lassen sie die STV Horst nicht sterben!

Kommentare
21.12.2007
00:12
Eine Herzensangelegenheit
von Fiete Polaniok (Rechtsaußen / offens. Mittelfeld) | #2

Tja, schade um diesen Traditionsverein. Damals, als es dem Verein noch gut ging, so um 1974, habe ich dort in der B-Jugend gespielt. Wir waren mit der Schalker Jugend führend in Gelsenkirchen. Allerdings mußten wir ein ums andere Mal unsere Auswärtsspiele ausfallen lassen, da sich uns keine Fahrgelegenheit bot. Da stand dann am Sonntag der arme Herr Surholt mit seiner dicken Zigarre auf der Tribüne und sonnte sich im Glanze der ersten Mannschaft. Der Nachwuchs war dort schon immer völlig unwichtig. Wir haben dann fast alle zwangsläufig den Verein wechseln müssen (u.a. nach Schalke). Ehrlich gesagt, mir tut es nicht leid um diesen Provinzverein.

20.12.2007
20:12
Eine Herzensangelegenheit
von Leo | #1

Tja,wenn nur alle soviel Herzblut hätten!!Es liegt aber nicht nur an 4500
Euro...sondern...wie damit umgegangen wird!!

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