Eine Frustreaktion würde zu Huntelaar gar nicht passen

Die Rote Karte für Klaas-Jan Huntelaar stand natürlich im Mittelpunkt der Pressereaktionen auf den Schalker 1:0-Sieg zum Rückrundenstart gegen Hannover 96. „Ein Foul wie für einen Schiedsrichterlehrfilm“, urteilte „Die Welt“, und „Bild“ echauffierte sich: „Dumm-Rot.“ Dieser Ausraster werde Folgen haben, kündigte das Boulevard-Blatt an, nach der Roten Karte habe sich Huntelaar „vogelwild“ aufgeführt.

Allenthalben herrschte aber Verwunderung über die Tat, weil Huntelaar für Fouls dieser Art normalerweise gar nicht bekannt sei. „Die Welt“ rechnete vor: „Es war erst die zweite Rote Karte in 453 Pflichtspielen, die erste hatte er am 18. September 2005 im Trikot des SC Heerenveen erhalten.“ Der Sport-Informationsdienst schrieb von einem „der überflüssigsten Platzverweise in der Bundesliga-Geschichte.“

Das Fachblatt „Kicker“ stellte dagegen eine andere Theorie auf: Huntelaar habe sich eigentlich gegen Hannover eine Gelbe Karte abholen wollen, „um seine ohnehin bald drohende Sperre beim FC Bayern abzusitzen – und gegen Gladbach garantiert dabei zu sein.“ Diesen Gedanken hatte auch die WAZ bereits aufgegriffen. Der „Kicker“ vermutete dazu, dass Huntelaar diesen Plan „womöglich sogar in Absprache mit seinen Vorgesetzten“ entwickelt habe. Ziemlich sicher dürfe man „davon ausgehen, dass es sich entgegen dem äußeren Anschein nicht um eine Frustreaktion handelte, die zum Musterprofi Huntelaar so auch gar nicht passen würde.“

In den Hannoveraner Medien wurde die Partie natürlich aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. „Fehlstart gegen Schalke“, titelte die „Neue Presse“ und schrieb: „96 hielt – wie in der Vorrunde gegen Leverkusen und Wolfsburg – wieder gut mit gegen ein Spitzenteam. Und scheiterte erneut an der eigenen Chancenverwertung. Allein Joselu hätte zwei Tore machen müssen.“

Dennoch ließ sich auch in der „Hannoverschen Allgemeinen“ etwas Nettes rund ums Spiel finden: Unter der Überschrift „Kind verliert Wette gegen Schalke-Fans“ hieß es: Hannovers Präsident Martin Kind habe vor der Partie im Sportschau-Club der ARD mit Schalke-Fans gewettet, dass Hannover die Partie am Sonnabend gewinnt. Doch weil sich der 96-Boss da irrte, „will er jetzt seinen Wetteinsatz von 70 Euro begleichen.“ Wettschulden sind ja schließlich Ehrenschulden…