Ein Mann für alles

Horst..  20 Feldspieler, zwei Torhüter, zwei Trainer, ein Schiedsrichter. Doch niemand war beim 4:1-Sieg des SV Horst 08 II gegen den SC Schaffrath so fleißig wie Josef Valdes. Der Schaffrather Teambetreuer ist in Gelsenkirchener Fußballkreisen sowieso viel besser unter „Pepe“ bekannt. Spielte sich das Geschehen auf dem Horster Kunstrasen auf der Seite der Trainerbänke ab, dann war „Pepe“ als Assistent eine verlässliche Hilfe für Schiedsrichter Tobias Schulz. Rollte der Ball auf der anderen Seite, dann legte er ein Päuschen ein, nahm auf der Bank Platz und zog zweimal an seiner Zigarette.

Wenn ein Schaffrather Spieler verletzt auf dem Boden lag, dann legte „Pepe“ die Fahne aber zur Seite, griff zum Eiskoffer und eilte aufs Feld. Kurz nach der Halbzeit musste der Arme sogar noch handwerklich tätig werden, das Stück Fahnenstoff hatte sich vom Griff gelöst. Im Handumdrehen war die Fahne aber wieder repariert. „Pepe ist einfach die gute Seele des Vereins. Der Mann für alles“, sagte Schaffraths Trainer Franco Busu nach dem Spiel. „Pepe“ war an diesem Sonntag allerdings fast der einzige Schaffrather, der von Trainer Busu ein Lob erhielt.

Seine Mannschaft fand in der ersten Halbzeit nämlich überhaupt nicht ins Spiel. Während in der Kaffeebude gerade die ersten Waffeln gebacken wurden, hätte der Gastgeber schon führen können. In der 18. Minute war es dann so weit. Nach einem Eckball stoppte Christopher Mazik den Ball mit der Hand auf der Torlinie, Schiedsrichter Schulz gab Elfmeter. Gökhan Yavuz trat an und traf halbhoch ins linke Eck. Torwart Jan Ronkholz war zwar in der richtigen Ecke, doch der Ball war zu platziert geschossen. Bei Horst 08 II lief viel über Fabio Rapisardi und Gökhan Yavuz, die im Mittelfeld immer wieder die Bälle forderten. Yavuz war es auch, der nach einer halben Stunde Pascal Roith in Szene setzte, der zum 2:0 einschob.

Horst 08 II bestimmte das Spiel nach Belieben. Das sorgte für Frust bei den Schaffrathern. Simon Dechering sprach dem Schiedsrichter die Empfehlung aus, doch mal „die Augen ein bisschen aufzumachen“ und sah die Gelbe Karte. Manuel Stricker hatte seinen Mitspielern was zu sagen: „Ruhig mal mit der Picke versuchen.“ Doch auch das brachte keinen Erfolg, sodass Trainer Franco Busu in der Halbzeitpause nicht zu überhören war.

Michael Potthoff trifft ins eigene Tor

Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel der Schaffrather zwar etwas besser, doch man hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass Horst 08 verlieren könnte. Als Michael Potthoff den Ball nach 54 Minuten ins eigene Tor lenkte, schon gar nicht mehr. Pascal Roith hatte sich im Strafraum durchgesetzt, den Ball quer gespielt, Potthoff kam angegrätscht und traf ins eigene Tor. „Das war der Genickbruch für uns“, sagte Franco Busu, der in der nächsten Saison übrigens Trainer der Horster Reserve sein wird.

Torschütze Potthoff und Vorbereiter Roith nutzten wenig später eine Spielunterbrechung, um das kuriose Eigentor noch einmal genau zu analysieren. „Ich dachte, du ziehst noch nach innen“, sagte Michael Potthoff. Tat Pascal Roith aber nicht.

Eine Viertelstunde vor Schluss kam bei Horst 08 II Kamuran Simsek. Trainer Thorsten Hildebrand hatte dem Mittelfeldspieler, bei dem das Trikot an diesem Sonntag etwas enger anlag, als bei den meisten anderen, gesagt: „Du musst die Wege nicht machen. Spiel’ die Bälle in die Tiefe.“ Und wie Kamuran Simsek die Bälle in die Tiefe spielte. Die Vorarbeit zum 4:0 durch Nikolai Mayrahn war sehenswert.

Schaffrath gab zumindest nicht auf und kam durch Simon Dechering noch zum 1:4. Dechering zog aus 25 Metern ab, der Ball wurde länger und länger und senkte sich ins lange Eck. „Ein Sonntagsschuss“, bemerkte Thorsten Hildebrand ganz richtig.

Als die Horster in der Schlussphase noch auf das 5:1 drückten, hatte „Pepe“ Valdes seinen Dienst als Assistent des Schiedsrichters schon quittiert. Mit dem Eiskoffer in der Hand ging er hinter die Stehtribüne und kippte das Eis aus. Nach dem Schlusspfiff folgte dann sofort: die Zigarette. Die danach. Die hatte sich „Pepe“ aber auch wie kein Zweiter verdient.

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