Ein Leben für das Turnen

Ursula Westphal führt die Fachschaft Turnen seit 1976.
Ursula Westphal führt die Fachschaft Turnen seit 1976.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Wenn in den letzten 50 Jahren in Gelsenkirchen über das Turnen berichtet wurde, fehlte ein Name nie, der der heutigen Fachschaftsleiterin Turnen in Gelsensport, Ursula Westphal.

Gelsenkirchen..  Wenn in den letzten 50 Jahren in Gelsenkirchen über das Turnen berichtet wurde, fehlte ein Name nie, der der heutigen Fachschaftsleiterin Turnen in Gelsensport, Ursula Westphal.

Die Turnerin des TV Rotthausen musste wegen schwerer Unfälle früh ihre vielversprechende aktive Karriere aufgeben. Unter dem damaligen Fachschaftsleiter Paul Degener übernahm sie 1963 erstmals in der Fachschaft Turnen für die Organisation des Turngeschehens in unserer Stadt Verantwortung. Bereits 1976 war sie die erste Frau, die die Verantwortung für eine Fachschaft als Leiterin übernahm und bis heute, über ihren 75. Geburtstag hinaus behalten hat, den sie gerade am 3. Januar feierte.

Zuvor war sie 30 Jahre lang als städtische Angestellte für das Gemeinwohl in dieser Stadt mitverantwortlich. Als sie 1992 aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden musste, widmete sie sich ausschließlich dem Turnen und damit ihrem Ehrenamt als Fachschaftsleiterin für eine Turnfamilie in dieser Stadt, die zeitweise weit über 10 000 Mitglieder zählte.

Ehrentitel „Oberturnschwester“

Nicht ohne Grund hat sie deshalb den scherzhaften „Ehrentitel“ der Oberturnschwester, den sie auch nach vier Jahrzehnten immer noch gerne trägt, erhalten. Große Turnveranstaltungen in dieser Stadt, die ihre organisatorische Handschrift tragen, gibt es zuhauf, wie die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften der Turnerinnen 1972 und der Turner 1974. Sie sind die sicher herausragendsten von ihre mitorganisierten Turnveranstaltungen neben zahllosen Gau-Kinder- und Bezirksturnfesten. Sie hat unendlich viel für das Turnen in dieser Stadt getan, Klinken geputzt und Türen geöffnet, Arbeitskreise und Leistungszentren initiiert.

Die Zahl der organisierten Stadtmeisterschaften lässt sich nur schwer zählen. Unendlich oft ist sie für ihr Engagement schon geehrt worden. Ehrennadeln, -briefe und - teller aus Vereinen, Stadt und Land könnten ganze Wände füllen. Natürlich ist sie besonders stolz auf die Ehrennadel des Deutschen Turnerbundes in Gold von 1994 und vor allem auf die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland von 1995.

Bei all dem und vor allem bei ihren zahllosen gesundheitlichen Problemen, dem frühen Verlust ihres Ehemannes Emil, auf dessen Unterstützung in der Turnarbeit sie stets bauen konnte, hat sie nie nachgelassen sich für die Belange ihres Sports mit aller Kraft einzusetzen. Leistungsturnen gehört genauso dazu wie der Jedermann-Sport oder Wandertage im Sinne der olympischen Bewegung. Sie war und sie ist sich für nichts zu schade.

Und vor allem macht sie auch über ihren 75. Geburtstag hinaus weiter, auch wenn sie inzwischen dringend Unterstützung sucht und sich Gedanken um ihre Nachfolge macht. Aus der Gelsenkirchener Turnfamilie ist Ursula Westphal, geborene Büttner, nicht wegzudenken. Bleibt ihr zu wünschen, dass sie noch lange die Kraft hat als „Oberturnschwester“ ihr Wort zu erheben und ihre endlos scheinende Organisationserfahrung einzubringen.