Die Trennung von Di Matteo war alternativlos

Natürlich stimmt es, dass die vom FC Schalke 04 seit Ewigkeiten herbeigesehnte Kontinuität nicht entstehen kann, wenn man einen Trainer nicht einmal ein Jahr lang arbeiten lässt. Aber ein Trainer, unter dessen Regie das Saisonziel Champions League krachend verfehlt wurde und der die Mannschaft nicht mehr erreicht hat, hätte sie nicht in die nächste Saison führen können. Schalkes Trennung von Roberto Di Matteo war ein schmerzhafter und teurer, aber absolut alternativloser Vorgang.

Erst im Oktober war der Italiener als Nachfolger von Jens Keller, unter dem das Team keinen spielerischen Fortschritt gezeigt und einen enttäuschenden Saisonstart hingelegt hatte, nach Schalke geholt worden. Di Matteo galt als großer Hoffnungsträger, der Mann hatte schließlich – wenn auch als Interimstrainer – mit dem FC Chelsea 2012 die Champions League gewonnen.

Doch seine Verpflichtung erwies sich nach und nach als riesengroßes Missverständnis. Anfangs sah es noch so aus, als könnte er wenigstens die Defensive dauerhaft stabilisieren, doch erste Indizien erwiesen sich bald als nicht mehr haltbar. Es haperte an allen Ecken und Enden: Vorne trafen die Stürmer nicht mehr, das Mittelfeldspiel war langsam und langweilig, hinten paarten sich Unaufmerksamkeiten mit Unsicherheiten. Unter Roberto Di Matteo machte Schalke in der zweiten Saisonhälfte einen Rückschritt nach dem anderen. Einzelne Spieler stagnierten nicht nur in ihrer Entwicklung, sondern wurden sogar schlechter. Ist überhaupt irgendein Schalker Profi im Laufe dieser Saison erkennbar besser geworden?

Man muss nach dem auch in Hamburg wieder blutleeren Auftritt natürlich auch fragen: Welchen Charakter haben diese Spieler, die sich dermaßen hängen lassen? Aber für eine so offensichtliche sportliche Misere trägt eben der Trainer die Verantwortung.

Wird es nun auch noch Horst Heldt erwischen? Der Manager fühlt sich zumindest nicht mehr sicher, das lässt sich aus seinen Andeutungen heraushören. Aber er war im Oktober 2014 nicht als Einziger begeistert von der Idee, Di Matteo zu verpflichten. Auch Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies fand es toll, dass da ein Weltmann, der mehrere Sprachen spricht und international gute Kontakte hat, nach Schalke kam.

Ein Fehlgriff, das weiß man jetzt. Deshalb ist es richtig, sich diesen Fehler nun auch eingestanden zu haben. Schalke braucht in der nächsten Saison einen Schub nach vorn, und den hätte Roberto Di Matteo nicht mehr bewirken können.