Die Topspiel-Allergie
12.02.2012 | 19:49 Uhr 2012-02-12T19:49:00+0100
Mönchengladbach. Auch beim 0:3 in Mönchengladbach bleibt Schalke den Beweis eines Spitzenteams schuldig. Harsche Kritik von Stevens und Manager Heldt.
In der vergangenen Woche hatte Horst Heldt extra noch einmal an das Hinspiel gegen Mönchengladbach im August in der Arena erinnert: „Das haben wir nach einer Klasseleistung mit 1:0 gewonnen.“ Es war leider, wie wir heute wissen, nur die schöne Ausnahme von der so unschönen Regel, dass Schalke in dieser Saison ausgerechnet in den direkten Duellen mit den drei anderen Top-Teams der Liga immer völlig neben der Spur ist. Die auch in dieser Deutlichkeit verdiente 0:3-Klatsche am Samstag bei Borussia Mönchengladbach war die vierte Niederlage in bisher fünf Saison-Duellen mit den anderen der „Großen Vier“ – ganz schön happig.
Beim Hinspiel im September gegen die Bayern (0:2) stand Schalke in der Arena ebenso auf verlorenem Posten wie im November im Dortmunder Stadion (0:2). Die 1:3-Niederlage im DFB-Pokal-Achtelfinale im Dezember in Mönchengladbach konnte man zum Teil noch mit dem frühen Platzverweis von Klaas-Jan Huntelaar direkt nach der Pause erklären – auch wenn Schalke davor schon in Gleichzahl nicht gleichwertig war. Doch noch nie in dieser Saison ist Schalke so vorgeführt worden wie nun beim Bundesliga-Rückspiel in Mönchengladbach in der ersten Halbzeit. Gegen die drei Tore von Marco Reus (2.), Mike Hanke (15.) und Juan Arango (32.) konnte man aber auch gar nichts einwenden. „Wir haben klar und eindeutig keine Chance gehabt“, gestand Horst Heldt. Und sagte mit Blick auf die rätselhafte Topspiel-Allergie des aktuellen Teams: „Ganz gut, dass man in der Bundesliga nicht nur gegen diese drei Mannschaften spielt, sondern auch noch gegen 14 andere. Und da ist es am Ende egal, gegen wen man die Punkte holt.“
Trotzdem war die Pleite im Borussia-Park eine mit heftigen Nebenwirkungen. Trainer Huub Stevens hatte die Mannschaft wie schon in den letzten Spielen sehr offensiv aufgestellt (mit Farfan, Jurado, Obasi, Raúl und Huntelaar), aber das Team konnte die Vorgaben nie umsetzen. „Das hat mit Disziplin und Organisation zu tun“, schimpfte Stevens. Die Frage, ob er nicht zu mutig aufgestellt habe, konterte er mit dem Hinweis, dass er derzeit wenig Defensivspieler zur Verfügung hat. Was einerseits durch die Ausfälle von Jones und Kluge stimmt. Auf der anderen Seite saß Christoph Metzelder noch auf der Bank und machte seine Sache nach seiner Einwechslung passabel. Für Tim Hoogland indes, der später sein Comeback nach fast zwei Jahren Verletzungspause gab, wäre ein Einsatz von Beginn zu früh gewesen.
Nebenwirkungen hat die Pleite aber auch, weil Gladbach durch den Sieg an Schalke vorbeigezogen ist. Jetzt sind die Blauen in der Verfolgerrolle, denn Heldt stellt klar: „Wir sind nicht mit dem vierten Platz zufrieden, wir wollen unter die ersten Drei.“ Denn der Bundesliga-Vierte muss erst noch in die Qualifikationsrunde zur Champions League – das bedeutet ein hohes Maß an Unsicherheit bei der Saisonplanung.
Schalke muss also jetzt an Gladbach dran bleiben und sollte tunlichst am Sonntag (ohne die nach fünf Gelben Karten gesperrten Höwedes und Obasi) gegen Wolfsburg drei Punkte holen. Denn danach geht es zu den Bayern – wieder so ein böses Topspiel...
10:33
Entweder nimmt sich die Mannschaft zu viel vor in diesen Spielen, dass sie total verkrampft und übermotiviert ist oder was wohl eher der Fall ist, dass die Truppe einfach noch nicht so weit ist wie die anderen drei. Die Defensive ist trotz Höwedes und Papadopoulos zu anfällig in vielen Szenen. Fuchs ist in der Offensive stark aber als linker Verteidiger oft sehr überfordert und rechts ist es bei Höger und Uchida nicht besser. Man sollte nicht alles in Frage stellen nach diesem Spiel, aber auch schon gegen Mainz hatte die Mannschaft Probleme. Das Team hat 20 Spieltage immer 150% geben müssen, das geht an die Kräfte. Fast jeden Samstag einem Rückstand hinter rennen, dass geht an die Substanz. Die Spiele gegen Pilsen, Wolfsburg und München werden nun richtungsweisend sein für den Rest der Saison. Hoffentlich wird das Schalker Umfeld nicht gleich wieder nervös, sollte die Mannschaft in den nächsten 14 Tagen alle Spiele in die Tonne kloppen. Zu Platz 7 sind es noch 10 Punkte, diese müssen verteidigt werden. Glück Auf!!!!