Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Gelsenkirchen und Buer

Der schwierige Weg im Nachwuchsbereich

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Gelsenkirchen. Braun gebrannt, hat Oliver Ruhnert in dieser Woche wieder seine Arbeit auf Schalke aufgenommen. Der Direktor der „Knappenschmiede“ hat einen Urlaub in den USA und der Karibik hinter sich. Im Interview kündigt er bessere Zeiten für die Schalker U23 an.

Oliver Ruhnert, vor einem Jahr stellte Schalke die beste U23 der Regionalliga West, jetzt ist man auf einem Abstiegsplatz. Welche Gründe gibt es für die schwache Hinrunde?

Oliver Ruhnert: Der Start war schlecht, da machen wir uns nichts vor. Das lag zum einen daran, dass die Profis viele Verletzungen zu beklagen hatten und der U23 daher nicht der Kader zur Verfügung stand, mit dem wir eigentlich geplant hatten. Hinzu kam, dass unsere U19 in der deutschen Meisterschaft gespielt hat und es vier Wochen später schon in der Regionalliga losging. Das geht gerade in dem Alter an die Substanz. Insgesamt hat der Umbruch hin zu einer noch jüngeren Mannschaft nicht wie gewünscht funktioniert.

Haben Sie auch Fehler bei der Kaderzusammenstellung gemacht?

Wenn man auf einem Abstiegsplatz in die Winterpause geht, ist selbstverständlich nicht alles richtig gelaufen. Trotzdem würden wir den Schritt wieder so machen, denn natürlich könnte Schalke 04 eine Mannschaft aus älteren Spielern stellen, die in der Regionalliga Platz sechs oder mehr erreichen kann. Unsere Ausrichtung ist aber eine andere, nämlich, wie bisher, möglichst viele Spieler an den Profibereich heranzuführen.

Ist der Druck auf 18-Jährige heutzutage nicht zu groß? Gerade auf Schalke wird doch mit Argusaugen darauf geschaut, wie sich die Jungs schlagen.

Durch unsere Erfolge in der Nachwuchsarbeit ist Schalke in der Tat sehr stark in den Fokus gerückt. Das hat viele Vorteile, aber eben nicht nur. Wir haben viele Spieler in den Profibereich geführt und mit den U-Mannschaften auch tabellarisch schöne Erfolge gefeiert. Die Konkurrenz hat das registriert und teilweise unglaublich aufgerüstet, um wieder mit uns Schritt halten zu können.

Manchmal geht das Gezerre um die vielversprechendsten Talente schon im Kindesalter los. Muss auch Schalke bald da mitmachen?

Nein, das ist nicht unsere Politik! Aber wir müssen natürlich aufpassen, dass nicht nur andere Vereine die besten jungen Spieler abgreifen. Unsere Scouts machen da einen super Job.

Trainer Roberto Di Matteo scheint nicht so viel Wert auf die zweite Mannschaft zu legen. In der Hinrunde hat er immer wieder Jungprofis angefordert und dann wurden sie oben gar nicht gebraucht.

Der Eindruck täuscht. Dass Roberto Di Matteo Wert auf die Nachwuchsarbeit legt, zeigt sich ja darin, dass er die Spieler anfordert. In der Hinrunde war es nur einmal so, dass Jungprofis im erweiterten Bundesliga-Kader standen, als sie eigentlich in der U23 hätten spielen können.

Wenn die Reserve eines Vereins wie Schalke 04 auf einem Abstiegsplatz steht, müsste normalerweise der Trainer in Frage stehen. Warum ist das bei Jürgen Luginger nicht so?

Weil sich diese Frage für uns nicht stellt. Das Trainerteam arbeitet sehr engagiert und akribisch, daher gibt es überhaupt keinen Grund über Jürgen Luginger und seine Kollegen nachzudenken. Jürgen ist selbst am unglücklichsten über die Tabellensituation, aber er kann auch am wenigsten dafür. Im Laufe der bisherigen Saison hat die gute Arbeit der U23-Trainer dafür gesorgt, dass wir uns stabilisiert haben.

Bei einem Abstieg geht es in die Oberliga – und dann?

Damit beschäftigen wir uns überhaupt nicht. Die Leistungen sind im Saisonverlauf deutlich besser geworden. Das gibt Anlass zur Hoffnung, dass es in der restlichen Rückrunde leistungsmäßig und natürlich auch in der Tabelle aufwärts geht.

Sind nach Tanju Öztürk weitere Verstärkungen in Sicht?

Wir sind nach wie vor daran interessiert, einen Torwart oder einen weiteren zentralen defensiven Spieler zu verpflichten. Einer, der die Mannschaft hinten führen und coachen kann. Tanju Öztürk ist so einer, er hat beim MSV Duisburg schon in der zweiten und dritten Liga gespielt und wird uns sicher verstärken. Im Tor wollen wir noch etwas tun, da es auf der Position durch die Verletzung von Ralf Fährmann personell schon wieder eng geworden ist. Mit Fabian Giefer, Christian Wetklo und Timon Wellenreuter stehen den Profis nun insgesamt drei Torhüter zur Verfügung, die auf absehbare Zeit auch oben bleiben.

Schalke hat im neuen Premier League International Cup mitgespielt, dabei gab es in drei Spielen drei Niederlagen. War die Teilnahme an der Runde in England ein Fehler?

Nein. Es war es eine wichtige Erfahrung für unsere U23, zum Beispiel vor 4 000 Zuschauern in Manchester zu spielen. Auch hier haben wir aber eine ziemliche Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis erlebt. Ursprünglich war geplant, dass wir mit der bestmöglichen U21 antreten, mit den A-Talenten, also auch den Jungprofis. Das war aufgrund anderer Verpflichtungen bei den Lizenzspielern für uns nicht möglich. Die englischen Klubs oder zum Beispiel Benfica Lissabon sind mit ganz anderen Mannschaften aufgelaufen und waren dementsprechend stark.

Heiko Buschmannund Elma Redemann

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
15 Jahre Arena auf Schalke - die Bilder
Bildgalerie
Arena-Geburtstag
SSV Buer steigt auf
Bildgalerie
Bezirksliga
23. Citynacht von Schaffrath
Bildgalerie
Radsport
Der SC Hassel steigt auf
Bildgalerie
Westfalenliga
article
10269568
Der schwierige Weg im Nachwuchsbereich
Der schwierige Weg im Nachwuchsbereich
$description$
http://www.derwesten.de/sport/lokalsport/gelsenkirchen-und-buer/der-schwierige-weg-im-nachwuchsbereich-aimp-id10269568.html
2015-01-24 00:11
Gelsenkirchen und Buer