Den ganzen Tag auf dem Platz

Fussballschule am Donnerstag, 09.04.2015 in Gelsenkirchen. Der kleine Martin (7) lässt sich auch von umherfliegenden Bällen nicht aufhalten. Foto: Joachim Kleine-Büning/FUNKE Foto Services
Fussballschule am Donnerstag, 09.04.2015 in Gelsenkirchen. Der kleine Martin (7) lässt sich auch von umherfliegenden Bällen nicht aufhalten. Foto: Joachim Kleine-Büning/FUNKE Foto Services
Foto: Joachim Kleine-Büning

Hessler..  Kein Meter Rasen bleibt in der Woche nach Ostern im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion des SV Hessler 06 ungenutzt. In den Osterferien sind 66 Kinder und Jugendliche aus Gelsenkirchen beim SV Hessler im Fußballcamp zu Gast und verbringen ihre Ferien seit Dienstag auf dem Fußballplatz.

Mittendrin ist der fünfjährige Veit. Er ist Torwart in der ersten Trainingsgruppe des Fußballcamps und hat seine Augen immer auf dem Spielgeschehen des Kleinfeldes. Seine Mitspieler geben alles, um im Angriff ein Tor für das Team ohne Leibchen zu erzielen. Nur mit der Abwehrarbeit seiner Vorderleute ist der Nachwuchskeeper noch nicht zufrieden. „Die anderen sind viel größer und stehen vorne immer frei“, sagt Veit, der im Trainingsspiel vor dem Mittagessen schon zwei Mal in höchster Not klären musste. Dann ist es doch geschehen. Nach einer Ecke fällt der Ball dem gegnerischen Stürmer genau vor die Füße, keine Abwehrchance für Veit, der sich zwar noch in die Richtung des Balls wirft, schließlich aber doch enttäuscht am Boden liegen bleibt. Dafür richtet das Trainerteam um den stellvertretenden Jugendleiter Bernd Stahl das Fußballcamp aber nicht aus. Direkt ist Veits Trainer zur Stelle, hilft dem Fünfjährigen wieder auf die Beine und drückt ihm den Ball zum Abschlag in die Hand. Abschläge stehen beim Training von Veit weit oben auf der Liste. Zusammen mit seinem Trainer sucht er mit dem Ball in der Hand einen freien Mitspieler und muss dann selber entscheiden, ob er werfen oder den Ball schießen will.

Dann ist es Zeit die etwas zu großen Torwarthandschuhe mit dem Logo des FC Schalke 04 beiseite zu legen. Nach mehr als zwei Stunden Fußball steht das Mittagessen auf dem Programm. Bei über 60 Kindern geht das nur in mehreren Gruppen. Während die älteren Spieler also noch beim Torschusstraining sind, fangen die ersten Gruppen schon an, sich über das gelieferte Mittagessen her zu machen. Jeden Mittag wird der SV Hessler während des Camps mit Mittagessen versorgt. „Das ist super organisiert“, sagt Bernd Stahl, „Das Essen wird warm, mit Tellern und Besteck angeliefert und wird ohne zu spülen wieder abgeholt.“ Zwar stehen auch helfende Mütter der Kinder zum Ausschenken parat, ein Essen für so viele Kinder zu kochen, wäre dann aber doch eine sehr große und zeitaufwendige Aufgabe.

Für die Trainer in den orangenen T-Shirts bleibt aber auch beim Mittagessen nur wenig Zeit zur Entspannung. Alle haben sich in der Woche nach den Osterfeiertagen extra Urlaub genommen, um das Fußballcamp möglich zu machen. Mit Entspannung von der Arbeit hat die Betreuung von 66 Kindern aber nur wenig zu tun. Kein Wunder, dass der warme Kaffee in der Mittagspause trotz bestem Fußballwetter ein heiß begehrtes Getränk ist. Als dann auch die anderen Gruppen mit Jugendlichen bis zum Alter von 13 Jahren Platz zum Essen finden und die Vorräte an Kebab-Fleisch, Fladenbrot und Salat dem Ende zugehen, stehen die ersten Vollblutfußballer wieder auf dem Platz. Bernd Stahl hat mit seiner Gruppe einen Dribbelkurs vorbereitet, den die Spieler zuerst überwinden müssen, bevor sie dann zum Torabschluss ansetzen. „Wir versuchen den Jugendlichen beizubringen, dass nach jeder Aktion auch immer eine Folgeaktion ansteht“, sagt Stahl. So weit ist der fünfjährige Veit mit seiner Mannschaft noch nicht. Zwar ist der Nachwuchstorhüter stets bemüht, seine Vorderleute bei eigenem Ballbesitz in Position zu bringen, im Vordergrund, gerade bei den ganz jungen Spielern, soll beim Ostercamp aber der Spaß am Spiel und die Bewegung stehen.