Demonstration für Boris
27.02.2011 | 20:36 Uhr 2011-02-27T20:36:00+0100
Wanne-Eickel.FC Schalke 04 II -
SC Verl
3:1 (1:0)
Von wegen Tor-Geizkragen. Der FC Schalke 04 II erzielte am Samstag bei seinem 3:1-Sieg gegen den SC Verl erstmals in dieser Saison mehr als zwei Treffer in einem Heimspiel der Fußball-Regionalliga, und das ausgerechnet gegen jene Mannschaft, die vor diesem Spieltag zusammen mit Tabellenführer Preußen Münster die wenigsten Gegentore auf dem Konto hatte.
Dieser Samstag geht aber auch als der Tag der Emotionen in die Annalen der Schalker Reserve ein. Wer jemals daran zweifelte, dass die Chemie zwischen der Mannschaft und Trainer Michael Boris stimmt, bekam eine eindeutige Antwort. Die Jungs in Königsblau setzten vor 100 Zuschauern in der Wanne-Eickeler Mondpalast-Arena ein echtes Zeichen für ihren Coach, der am Montag von Felix Magath mitgeteilt bekam, dass sein zum Saisonende auslaufender Vertrag nicht verlängert wird.
In vorderster Front: Manuel Glowacz, der bereits bei Germania Windeck unter Michael Boris spielte. Er war auf der rechten Seite im Mittelfeld überragend, er zeigte sein wohl bestes Spiel für Schalke, er rannte, rackerte und erzielte erstmals zwei Tore in einem Spiel für die Knappen. „Unter sportlichen Aspekten kann man die Entscheidung gegen Michael Boris nicht nachvollziehen“, meint der frühere Kölner.
Dass Manuel Glowacz nach jedem seiner beiden Tore in die Arme des bald scheidenden Trainers laufen würde, hätte man wohl auch ohne Glaskugel und hellseherische Fähigkeiten voraussagen können. Dass aber auch Marvin Pourie das Bedürfnis hatte, nach seinen Tor zum erlösenden 3:1 in der Schlussminute von Michael Boris umarmt zu werden, war hingegen außergewöhnlich. Das Verhältnis der beiden war in der Vergangenheit, nun ja, nicht immer frei von Differenzen. Aus disziplinarischen Gründen hatte Michael Boris seit Anfang November auf den früheren Dortmunder verzichtet und ihn an diesem Samstag erstmals wieder eingesetzt.
Na ja, man kann seine Ansichten ändern. Das taten auch die sieben Stehplatz-Besucher, deren verbale Dauer-Unterstützung ebenfalls einer Demonstration für Michael Boris gleichkam. „Magath raus“, skandierten sie. Oder auch „Micha Boris, Fußball-Gott“ und „Ohne Boris wären wir in Hüls.“ Dazu der launige Kommentar von Michael Boris: „Das sind genau die sieben Leute, die mich vor einem Jahr rauswerfen wollten.“
Den 3:1-Erfolg gegen den SC Verl bezeichnete der 35 Jahre alte Coach zu Recht als verdient. „Uns hat das frühe 1:0 in die Karten gespielt, denn danach mussten die Gäste kommen“, stellte er fest. Diesen Treffer erzielte Manuel Glowacz mit einem sauber über die Mauer gezirkelten direkten Freistoß aus 20 Metern. Noch schöner war Manuel Glowacz’ Treffer zum 2:0 nach einem Traumpass von Maurice Kühn. Das Verler Anschlusstor durch Sascha Brinker sorgte zwar wieder für Spannung, aber letztlich ging das Schalker Konzept, hinten gut zu verteidigen und mit einem Konter das 3:1 zu erzielen, voll auf - an einem Tag, an dem die Reserve der Königsblauen nicht mit Toren und Emotionen geizte.
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